Umfragen signalisieren viel Optimismus
Der Bulle erwacht zu neuem Leben

Die Stimmung an den Aktienmärkten hellt sich deutlich auf. Die meisten Anleger glauben wieder an steigende Börsen. Dies signalisieren Befragungen unter Privatanlegern und Fondsmanagern. Doch ob der Optimismus auch zu höheren Kursen führt, darüber gehen die Meinungen auseinander.

DÜSSELDORF. Ein klein wenig aufwärts und genauso schnell wieder abwärts: So bewegt sich die Börse seit Wochen. Selbst wichtige Unternehmensnachrichten - wie etwa die Gewinnwarnung Nokias - ändern an der Seitwärtsbewegung nichts. Da würde es nicht verwundern, wenn sich Anleger frustriert abwenden und eine neue Hausse in den Wind schreiben. Stattdessen signalisieren die Ergebnisse mehrerer Umfragen das Gegenteil: Bei privaten und institutionellen Investoren wächst die Zuversicht.

So ermittelt die Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (VTAD) in ihrer jüngsten Umfrage zur Entwicklung des Deutschen Aktienindex einen bullishen Sentix (der Saldo aus Optimisten und Pessimisten) von 18 Prozentpunkten für den kurzfristigen Anlagehorizont. In den Wochen zuvor überwog die Skepsis, und der Sentix lag im negativen Bereich. So waren es Anfang Juni noch minus 22,7 Punkte. Auch auf Sicht eines halben Jahres überwiegt die Zuversicht: Der Indikator stieg von 9,1 auf 38 Punkte. Nicht ganz so zuversichtlich sind die Investoren für Technologiewerte am Neuen Markt gestimmt.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt Merrill Lynch in einer Juni-Befragung an 270 Fondsmanager. Kaum jemand hält die Börsen für überbewertet. Bei einen Rückschlag um 10 % würde die große Mehrheit (83 %) mit verstärkten Aktienkäufen reagieren. Energie, Technologie und zyklische Aktien stehen in der Gunst ganz oben. Konsum, Telekommunikation und Finanzdienstleister werden vernachlässigt. Gegenüber Europa favorisieren Fondsexperten neuerdings wieder die USA.

Viel Optimismus

Viel Optimismus stellt auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fest. So meinen drei Viertel der Finanzexperten aus Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen, dass der Dax steigen wird. Nur 4,7 % der Befragten rechnen mit niedrigeren Kursen. Sogar noch etwas optimistischer sind die Erwartungen für europäische Blue Chips. Felix Hüfner vom ZEW sieht die Daten als guten Indikator für bald steigende Kurse. Er verweist auf das Frühjahr 2000. Damals lag die Zahl der Optimisten bei nur 50 %. Unmittelbar vorher erreichten fast alle führenden Börsen-Indizes historische Höchststände, ehe dann die Talfahrt begann. Seitdem die Optimisten wieder eine Dreiviertel-Mehrheit haben, tendieren die Börsen aber nicht mehr ab-, sondern seitwärts.

Technisch orientierte Analysten beurteilen so eindeutig positive Befragungsergebnisse indes skeptisch. Denn wer optimistisch für den Markt gestimmt sei, stehe nicht abseits. Vielmehr sei das Geld dieser Anlegergruppe bereits investiert - weil sie an höhere Kurse glaubt. Nur Pessimisten - und die sind nach den Umfragen in der deutlichen Minderheit - halten sich nach diesem Kontra-Indikator-Modell mit Engagements zurück und stehen deshalb als potenzielle Käufer bereit.

In der Vergangenheit bewies der Kontra-Indikator häufig eine hohe Zuverlässigkeit. So sind die Stimmen für den Euro seit seiner Einführung positiv. Stets glaubt eine Mehrheit, dass die Gemeinschaftswährung unterbewertet ist und nicht tiefer fallen wird. Tatsächlich markiert der Euro immer neue Tiefs. Den Grund sehen technische Analysten in dem ungebrochen hohen Optimismus und damit in der Überinvestition in den Euro gegenüber dem US-Dollar.

Anleger sollten abwarten

Auch bei Aktien bestätigte sich das Modell: Während der Asienkrise fielen die Börsen rasant in den Keller. In Erwartung eines weltweiten Konjunktureinbruchs stiegen viele Anleger aus Angst vor weiter fallenden Kursen aus. Unter den Anlegern erreichte der Pessimismus damals ein Zehnjahreshoch. Anschließend dauerte es aber nur wenige Wochen, bis die meisten Indizes neue Hochs erreichten. Vor allem Fondsmanager waren gezwungen, den sehr rasch steigenden Kursen nachzulaufen und ihre hohen Cash-Positionen abzubauen. Der Pessimismus beruhte auf eine Unterinvestition der meisten Anleger.

Angesichts des großen Optimismus? schätzt VTAD-Vorstandschef Manfred Hübner die weitere Entwicklung an den Börsen verhalten bis kritisch ein. "Anleger sind gut beraten, sich die Seitwärtsbewegung anzuschauen und mit Engagements solange zu warten, bis die Börse nach oben ausbricht." Die meisten Charttechniker machen für den Dax einen Widerstand bei 6 300 Punkten aus. Erst wenn das Börsenbarometer diese Barriere überwindet, bessert sich nach Meinung der Techniker die Situation entscheidend.

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