Umfragen sprechen gegen die FDP
Nach Hamburg könnte es für Westerwelle eng werden

Alle Umfragen zur Bürgerschaftswahl in Hamburg lassen für die FDP nichts Gutes erahnen. Eine klare Koalitionsaussage für Schwarz-Gelb aus dem Mund des CDU-Spitzenkandidaten Ole von Beust war bislang nicht zu vernehmen.Kurz vor der Wahl am kommenden Sonntag liegen die Freien Demokraten konstant unter fünf Prozent.

HB BERLIN. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle hofft auf eine Trendwende in letzter Minute. Denn laut Forschungsgruppe Wahlen kann sich jeder dritte CDU-Sympathisant in Hamburg vorstellen, auch die FDP zu wählen. Sollte es doch noch so etwas wie eine offene oder verdeckte Leihstimmenaktion der CDU geben, könnte es vielleicht noch reichen, hofft man bei der FDP in Berlin.

Doch wie auch immer die Hamburg-Wahl ausgeht, danach muss der FDP - Vorsitzende gute Nerven haben. Schon am Wahlabend wird die Frage nach dem Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten in das Zentrum der Innenpolitik rücken. Die Entscheidung soll schließlich, so hatten es Westerwelle und CDU-Chefin Angela Merkel immer versichert, im März fallen. CDU, CSU und FDP haben in der Bunderversammlung zwar die Mehrheit, bisher aber weder gemeinsam noch jeder für sich einen garantiert mehrheitsfähigen Bewerber ins Spiel gebracht.

Einige in der FDP-Führung hatten das vorausgesehen und schon früh dafür plädiert, alles auf die Karte eines eigenen Kandidaten für die Nachfolge von Johannes Rau zu setzen. Sie sehen das Taktieren des Parteichefs schon jetzt mit gemischten Gefühlen. Aber auch die Anhänger eines "bürgerlichen Kandidaten" aus den Reihen der Union sind zunehmend verunsichert. Bei einem schlechten Abschneiden der FDP in Hamburg fürchten sie nun, dass jede personelle Absprache mit der Union als weitere Niederlage der FDP gesehen würde.

Einen Flop kann sich Westerwelle nicht leisten

Westerwelle, der sich nicht in die Karten schauen lässt, wird also nur noch mit allergrößter Mühe von einer eigenständigen FDP - Kandidatur absehen können. Ob Fraktionschef Wolfgang Gerhardt oder Ex-Außenminister Klaus Kinkel - beide hätten zunächst nur eine Außenseiterchance.

Westerwelle jedenfalls will, so heißt es, nur dann einen Präsidentendeal mit CDU-Chefin Angela Merkel eingehen, wenn der Auserwählte ein absolut sicherer Kandidat ist. Einen Flop kann sich der sowieso geschwächte Westerwelle nicht leisten. Seine Führungsrolle stünde sofort zur Diskussion.

Da eine unumstrittene Kandidatur im Augenblick nicht in Sicht ist, gibt es immer mehr Stimmen in der FDP-Spitze, die das Thema auf die lange Bank schieben wollen. Die Bundesversammlung tritt am 23. Mai zusammen. "Vor Mitte Mai gar nichts zu machen, wäre klug", sagte ein FDP-Präside.

"Wir stehen nicht unter Zeitdruck und wir lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen", wiederholte Westerwelle am Dienstag. CSU-Chef Edmund Stoiber drängte gleichzeitig in München - "zur Unzeit", wie es bei der FDP hieß - erneut auf eine Kandidatur des stellvertretenden Unions-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Schäuble.

Als nächster Termin im Präsidenten-Poker steht nun die Sitzung der Präsidien von CDU und CSU am 7. März fest. Die FDP hat zum 1. März ihren Bundesvorstand nach Berlin einberufen. Zum Thema Bundespräsident sei allerdings nur "ein Zwischenbericht" geplant, hieß es.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%