Umsätze der Warenhäuser und Fachgeschäfte stablilisiert
Karstadt-Quelle übt sich in vorsichtigem Optimismus

Nach einem von Kaufzurückhaltung geprägten Geschäft im vergangenen Jahr blickt der Vorstandschef von Karstadt-Quelle Wolfgang Urban "verhalten optimistisch" auf 2003. Europas größter Warenhaus- und Versandhandelskonzern will dieses Jahr besser als der Markt abschneiden.

Reuters DÜSSELDORF. "Wir sind gut in das neue Geschäftsjahr gestartet" sagte Urban vor rund 900 Aktionären auf der Hauptversammlung in Düsseldorf am Mittwoch mit Blick auf die vor zwei Wochen veröffentlichten Quartalszahlen. Per Ende Mai habe der Konzernumsatz weiter nahezu auf Vorjahresniveau gelegen. Dabei habe der im vergangenen Jahr erfolgreiche Versandhandel erneut einen Umsatzanstieg verzeichnet, während die Warenhäuser und Fachgeschäfte weiter unter dem Einfluss der Konsumschwäche stünden. Deren Umsätze hätten sich aber stabilisieren können. "Wir sind zuversichtlich, dass sich der Umsatz des Konzerns im Geschäftsjahr 2003 besser entwickeln wird als der vergleichbare Markt," sagte Urban.

Hoffen auf neue Ladenöffnungszeiten

Der deutsche Einzelhandel bewege sich aber auf dünnem Eis, schränkte der Konzernchef ein. Zusätzliches Umsatzpotenzial würden indes die verlängerten Öffnungszeiten an den Samstagen bieten. "Sollten sich die Rahmenbedingungen nicht verschlechtern, können wir 2003 ein operatives Ergebnis (Ebta) von mindestens 250 Mill. ? erreichen", bekräftige Urban Aussagen von Mitte April. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Karstadt-Quelle-Aktie lag am Nachmittag 3,5 % im Plus bei 16,83 ?.

Karstadt-Quelle werde seinen Umbau zum Handels- und Dienstleistungskonzern fortsetzen, sagte der seit Oktober 2000 amtierende Vorstandschef. Mittel- und langfristig sollten etwa 35 % des Ergebnisses im Dienstleistungsgeschäft generiert werden. Das Marketing-Budget werde deutlich aufgestockt, denn die aktuelle Marktschwäche und der Konsolidierungsprozess biete den Marktführern ideale Chancen.

Gegenanträge lagen der Hauptversammlung nicht vor. Marion Engel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) beklagte aber das für 2002 vorgelegte Zahlenwerk. "Das einzig Stabile bei Karstadt-Quelle ist die Dividende, denn nahezu alle anderen Werte sind nach unten gegangen." Urban habe aber "viel Schwung und Ideenreichtum" in das Unternehmen gebracht, lobte sie. Nicht überzeugend sei indes die Strategie nach dem Erwerb des Deutschen Sportfernsehens (DSF).

Urban verteidigt DSF-Einstieg

Urban bezeichnete den Einstieg in den Sportkanal DSF als einen strategischen Baustein. "Medienpräsenz treibt Umsatz", rechtfertigte er das Engagement. DSF werde aber nicht zu einem Shopping-Kanal umgewandelt, sagte er. Bereits 2004 werde das Deutsche Sportfernsehen schwarze Zahlen schreiben, im laufenden Jahr werde man der Gewinnschwelle voraussichtlich nahe kommen.

Mit Blick auf mögliche finanzielle Belastungen auf Grund der Klage von Erben der früheren Wertheim-Kaufhäuser in den USA sagte Urban, Karstadt-Quelle sehe keinen Grund, seine Haltung zu ändern. Alle denkbaren Ansprüche der Kläger seien durch das Regierungsabkommen über Entschädigungsansprüche aus der NS-Zeit zwischen Deutschland und den USA abgedeckt. "Deshalb haben wir dafür auch keinerlei Rückstellungen gebildet", sagte Urban. Hintergrund sind Entschädigungsforderungen von Nachfahren der früheren Wertheim-Eigentümer an Karstadt-Quelle.

Neben dem erwarteten Beschluss über eine unveränderte Dividende für 2002 von 0,71 ? je Aktie stand vor allem die Wahl neuer Aufsichtsräte auf dem Programm. Der ehemalige Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen, Lufthansa-Chef Jürgen Weber und Dresdner Bank-Aufsichtsratsmitglied Bernd Voss scheiden mit der Hauptversammlung aus. Für sie standen Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel, Linde-Vorstandsmitglied Hero Brahms und Feri Finance-Vorstandsmitglied Michael Stammler zur Wahl.

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