Umsätze stagnieren – Preiserhöhungen stehen bevor
Spielwarenbranche steht und fällt mit Lizenzprodukten

Kurzlebige Trends bestimmen zunehmend die Wünsche der Kinder. Nach Pokémon soll jetzt Harry Potter für volle Spielzeug-Läden sorgen. Trotzdem ist die Branche wenig optimistisch.

HB MÜNCHEN. "Die Pokémon-Euphorie ist vorüber, in den Läden bleiben die Sammelkarten schon liegen", zieht Werner Lenzner vom Marktforscher Eurotoys eine nüchterne Bilanz zur Lebensdauer des letztjährigen Spielzeug-Hits. Vergangenes Jahr war die Nürnberger Spielwaren-Messe Jahr erstmals voll von den bunten Monstern. Auf der in der kommenden Woche beginnenden Spielwaren-Messe 2001 werden die Figuren aus dem Hause Nintendo nur noch eine Nebenrolle spielen.

"Die Mega-Trends der letzten Jahre haben jeweils nur eine Saison gehalten", weiß Lenzner aus Erfahrung. Fehlt dem Handel aber ein Renner wie Pokémon, bricht ein großer Teil des Umsatzes weg. In den USA stammt bereits knapp die Hälfte aller Einnahmen aus Produkten wie Pokémon, also Lizenzfiguren, die vom Computerspiel bis zur Plüschmaus vermarktet werden. Auch in Deutschland steigt der Anteil der Lizenzverkäufe.

Der Branchenumsatz stagniert

Im laufenden Jahr setzt die Branche ganz auf den Zauberschüler Harry Potter. Doch Lenzner zweifelt, ob die Romanfigur bei den Kindern ankommt: "Harry Potter ist ein viel ruhigeres Produkt als Pokémon und von der Vermarktung her lange nicht so perfekt geplant." Corinna Printzen, Geschäftsführerin des Verbandes der deutschen Spielwarenindustrie, hält die Stimmung in der Branche deshalb auch nur für "angespannt optimistisch".

Zu Euphorie haben Händler und Produzenten wahrlich keinen Anlass. Im Jahr 2000 stagnierte der Branchenumsatz bei rund 6 Mrd. DM. Lediglich durch Videospiele konnten die Händler ein leichtes Plus verbuchen. Von den 6 Mrd. DM Umsatz entfallen etwa 1,2 Mrd. auf Spielekonsolen wie die Playstation von Sony.

Künftig wird es für die Spielwarenhändler allerdings immer schwerer werden, Spielekonsolen zu verkaufen. Microsoft hat für seine neue Konsole X-Box bereits angekündigt, hauptsächlich auf die Elektronik-Fachgeschäfte zu setzen. Spielwaren-Händler spielen im Konzept des Software-Riesen keine Rolle.

Doch damit nicht genug der schlechten Nachrichten: Corinna Printzen vom Spielwarenverband hält Preiserhöhungen für unumgänglich, weil Kunststoff und Papier als wichtige Grundstoffe der Hersteller wesentlich teurer geworden sind. "Die Frage ist nur, ob sich die Preiserhöhungen auch durchsetzen lassen", zeigt sich Printzen wenig zuversichtlich über die Lage am Markt. Sie hofft, dass wenigstens Sommerartikel wie die kleinen Kinderroller für ordentliche Umsätze sorgen.

Der Markt erneuert sich fast jedes Jahr

Angesichts der kurzlebigen Trends ergeben sich freilich immer wieder neue Chancen. "Der Markt erneuert sich fast jedes Jahr", sagt Werner Lenzner - und verweist auf den Brettspiel-Renner im Weihnachtsgeschäft "Wer wird Millionär?", nach gleichnamiger Fernseh-Show. Und mit dem Moorhuhn landete Deutschlands größter Spieleverlag, die Ravensburger AG, einen unerwarteten Erfolg. Obwohl die Software kostenlos im Internet verfügbar ist, verkaufte sich die CD-Rom mehr als eine halbe Million Mal. Für Ravensburger war die Lizenzfigur Moorhuhn der größte Erfolg vergangenes Jahr. Selbst bei dem Traditionsverlag mit vielen eigenen Spielen steht und fällt das Geschäft teils mit Lizenzprodukten.

Die Harry-Potter-Lizenzen haben allerdings die großen internationalen Hersteller untereinander aufgeteilt. Hasbround Mattel übernehmen die Vermarktung.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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