Umsätze und Gewinne entwickeln sich deutlich besser als bei börsennotierten Konkurrenten
Familienunternehmen haben mit langfristigem Denken Erfolg

Die großen privaten Unternehmen Europas haben das vergangene Jahr deutlich besser gemeistert als die börsennotierten Konzerne. Die 50 größten Familienunternehmen vom Schweizer Rohstoffhändler Glencore International bis zur deutschen Baumarktkette Hagebau setzten zusammen rund 640 Mrd. Euro um. Das waren zwei Prozent mehr als 2001. Der Umsatz der 500 größten börsennotierten Unternehmen Europas nach der Rangliste des Handelsblatt und des Wall Street Journal Europe schrumpfte hingegen um knapp drei Prozent.

HB DÜSSELDORF. Noch drastischer ist der Unterschied beim Gewinn. Für die Hälfte der 50 führenden Familienunternehmen, die überhaupt Gewinnzahlen veröffentlichen, sprang der kumulierte Reingewinn um 26 % auf mehr als neun Milliarden Euro. Diese Zahl allerdings ist stark durch den Hamburger Kaffeeröster und Einzelhändler Tchibo verzerrt, der dank des Verkaufs seiner Zigarettentochter Reemtsma 2002 mehr verdient als umgesetzt hat. Nimmt man die Hamburger mit ihrem außerordentlich hohen Jahresüberschuss von 3,5 Mrd. Euro heraus, so sank der Gewinn der Familienunternehmen um rund sieben Prozent. Das ist allerdings immer noch weitaus besser als das Resultat der Top-Börsenfirmen, die zusammengerechnet einen zehnmal so starken Einbruch hinnehmen mussten.

Worin aber liegt es, das Familienunternehmen die gegenwärtige Krise offensichtlich deutlich besser meistern als die führenden börsennotierten Konzerne? Einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge vor allem an der nachhaltigeren Arbeitsweise der Privatunternehmen. "Familienunternehmen unterliegen nicht dem Druck von Quartalsergebnissen, und sie lehnen es oft bewusst ab, sich diesem Druck des Kapitalmarkts zu beugen", heißt es in der Studie. Gute Familienunternehmen messen sich zwar an der Performance der Kapitalmärkte, treffen ihre Entscheidungen aber mit deutlich langfristigerer Perspektive. Ihre Resultate sind deshalb nicht nur in Zeiten sinkender Aktienkurse, sondern auch über längere Zeiträume im Durchschnitt besser als die der börsennotierten Konkurrenz. Laut Roland Berger haben namhafte deutsche Familienunternehmen auch über den Börsenboom hinweg in den Jahren 1997 bis 2001 bereits mehr Unternehmenswert geschaffen als die im M-Dax notierten Unternehmen.

Zur langfristigen Denkweise der Familienfirmen zählt auch, dass sie stärker auf Risiko und Zyklizität ihrer Geschäftsfelder achten und entweder von vornherein ihren Kernkompetenzen treu bleiben oder als diversifizierte Konglomerate viel Augenmerk auf den Risikoausgleich richten. In der Rangliste finden sich für beides Beispiele: Einerseits die sehr stark auf ein Erfolgskonzept konzentrierte Handelsgruppe Aldi, andererseits in sehr unterschiedlichen Bereichen aktive Konglomerate wie Röchling und Haniel.

Gerade von Familienmitgliedern geführte Unternehmen zeichnen sich der Studie zufolge durch kurze Entscheidungswege und schnelle Entscheidungen und eine besondere Unternehmenskultur aus. Corporate Governance ist für sie kein Fremdwort, auch wenn viele große Familienfirmen ihre Zahlen nach wie vor lieber verstecken.

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