Umsätze vieler privater Internet-Stellenbörsen sinken
Job-Portale kämpfen ums Überleben

Nur wenige Unternehmen suchen zur Zeit neue Arbeitskräfte. Das bekommen auch die Job-Portale im Internet zu spüren. Denn die Einnahmen aus elektronischen Stellenanzeigen machen den größten Teil des Umsatzes aus. Bleibt die Lage am Arbeitsmarkt angespannt, werden einige private Anbieter aufgeben müssen.

FRANKFURT. Das beliebteste Job-Portal im deutschsprachigen Internet ist die Adresse "Arbeitsamt.de". Im Oktober klickten sich immerhin mehr als 1,2 Mill. Besucher auf die Seiten der staatlichen Jobvermittler, die laut Nielsen Netrating seit Monaten eine steigende Zahl von Zugriffen verzeichnen.

Ein Trend, von dem die privaten Stellen-Börsen wie Monster.com, Jobpilot oder Stepstone nicht profitieren. "Nur rund fünf Prozent unserer Nutzer haben keinen Job", sagt Stephan Lindenfeld vom deutschen Stellen-Portal Jobpilot. Alle anderen Nutzer der so genannten "Karriere-Netzwerke" im Internet sind fest angestellt und sind auf der Suche nach einer interessanteren Aufgabe oder besserer Bezahlung. Doch die Zahl der offerierten Stellen sinkt.

"Seit Anfang des Jahres ist die Zahl der Angebote in der Datenbank von 150 000 auf mittlerweile 100 000 zurückgegangen", sagt Lindenfeld. Denn auf Grund der schwachen Konjunktur suchen Unternehmen weniger Arbeitskräfte und schalten weniger Anzeigen. Bei Preisen von durchschnittlich 1 000 DM pro Inserat sind die Stellenanzeigen bislang die einzige ernst zunehmende Einnahmequelle der Job-Portale. Für Bewerber ist die Benutzung kostenlos.

Viele der Online-Stellenvermittler kämpfen mittlerweile gegen stark sinkende Umsätze. So hat die in 14 Ländern präsente Jobpilot AG im 3. Quartal 17 % weniger erlöst als im Vorquartal. Bei dem ebenfalls in zahlreichen europäischen Ländern aktiven Konkurrenten Stepstone SAS aus Norwegen brach der Umsatz im dritten Quartal um 21 % ein. Selbst beim weltweiten Branchenführer Monster.com, Tochter des amerikanischen Personalvermittlungsriesen TMP, stagnierten die Umsätze im dritten Quartal.

Der Abschwung erwischt viele der Online-Stellenbörsen zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Denn die meisten Portale - ob börsennotiert oder nicht - schreiben noch rote Zahlen. Radikale Sparprogramme und Entlassungen sollen deshalb die Kosten drücken. Eine Ausnahme macht nur Marktführer Monster.com, der rund die Hälfte der weltweiten Umsätze des Marktes auf sich vereint. "Im vergangenen Jahr konnte Monster.com 70 Mill. $ Gewinn erwirtschaften", sagt Kai-Uwe Kaufmann, Marketingleiter der deutschen Tochter Monster.de. Um den Druck auf die Konkurrenz noch zu erhöhen, hat Monster in Deutschland bis zum Jahreswechsel befristet die Preise um rund 50 % gesenkt.

Was die Kunden freut, schmerzt die Konkurrenten. Viele Job-Portale sind wegen schrumpfender Kapitalreserven auf jede Mark angewiesen; zumal Großkunden ohnehin schon saftige Rabatte eingeräumt werden. Die Branche ist sich einig: Zu viele Unternehmen rangeln um einen zu kleinen Markt. Zwar prognostizierte das Marktforschungsinstitut IDC ein durchschnittliches Marktwachstum von 52 % in den kommenden vier Jahren. Doch im vergangenen Jahr lag der Umsatz der acht größten Online-Stellenvermittler weltweit bei knapp 700 Mill. $. Letztlich sei "Platz für drei große Anbieter", schätzt ein Marktteilnehmer.

Solange die Konjunktur schwächelt dürfte das Wachstumspotential der Jobbörsen begrenzt bleiben. "Bei enger werdenden Budgets schalten wir heute weniger Online-Stellenanzeigen als noch am Jahresanfang", sagt Marcus Fischer, der beim Ingolstädter Automobilbauer Audi für die Online-Rekrutierung zuständig ist. Audi will zwar weiterhin die Netz-Jobbörsen nutzen, "doch werden wir künftig auch stärker unsere eigene Homepage für die Personalsuche einsetzen."

Ungeachtet der Krise bei privaten Job-Portalen "wird aber die Bedeutung des Internets für die Stellensuche kontinuierlich wachsen", ist Roland Schütz, Sprecher der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit, überzeugt. So wird bereits jede sechste Stelle bei den Arbeitsämtern über das Internet vermittelt. Das sind derzeit rund 50 000 Stellen monatlich. Doch die scheinbar kostenlosen Stellenausschreibungen über Arbeitsamt.de seien Fiktion. "Finanziert wird das Job-Portal durch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung."

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