Umsatz 2000 auf 70 Mill. DM korrigiert
Metabox mit Gewinnwarnung für 2000

Die am Neuen Markt notierte Metabox AG hat ihre Umsatz- und Gewinnprognose für das Jahr 2000 deutlich zurückgestuft. Als Grund nannte die Gesellschaft Verzögerungen bei der Kofiguration der neuen Generation von Set-Top-Boxen.

Reuters FRANKFURT. Wie Metabox heute in einer Pflichtveröffentlichung mitteilte, erwartet sie jetzt einen Umsatz von 70 Mill. DM gegenüber einer im April auf 198 Mill. DM angehobenen Umsatzprognose. Der erwartete Verlust liegt bei 15 Mill. DM, nachdem man zunächst von 14 Mill. DM Gewinn ausgegangen war. Grund sei eine Verzögerung bei der Konfiguration der neuen Generation von Set-Top-Boxen, hieß es. Die Aktien des Unternehmens sind in Folge der Gewinnwarnung am Vormittag über 40 % eingebrochen. Analysten und Händlern zufolge hat die Nachricht einen großen Vertrauensverlust gegenüber dem Unternehmen verursacht.

Mangelnde Abstimmung, fehlende Daten

Wie Metabox weiter mitteilte, wird der für das laufende Geschäftsjahr geplante Lieferbeginn für einen Auftrag von über 500 000 Metaboxen erst Anfang 2001 erfolgen. Dies sei auf Engpässe in der Softwareentwicklung zurückzuführen. Ein weiterer Grund liege in Abstimmungsschwierigkeiten mit dem Zulieferer der Entschlüsselungs-Software, die auf ausdrücklichen Kundenwunsch zu implementieren sei. Die von Seiten des Zulieferers noch fehlenden Daten werde Metabox nunmehr bis Ende Oktober erhalten, hieß es.

Auf Grund der inzwischen wesentlich erweiterten Personalressourcen im Softwarebereich des Unternehmens wird den Angaben zufolge die technische Abnahme des Gesamtsystems zeitnah erfolgen. Die Serienproduktion sei bereits vorbereitet und werde im Dezember, sofort nach der Abnahme, beginnen. Weiter hieß es, die Entscheidung über die Terminvereinbarung sei in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber getroffen worden. Für das Jahr 2001 erwarte Metabox daher unverändert einen Umsatz von 600 Mill. DM.

Noch vor zwei Wochen hieß es: Alles läuft nach Plan

M.M. Warburg Analyst Achim Fehrenbacher sagte, er habe sich erst vor zwei Wochen mit dem Unternehmen unterhalten und die Auskunft erhalten, dass das Geschäft nach Plan verlaufe. Die Nachricht vom Morgen zeige aber, dass diese Darstellungen nicht ganz der Wahrheit entsprochen haben könnten. Fehrenbacher sagt, es sei nicht nachvollziehbar, dass eine solche Entwicklung in zwei Wochen passieren könne. Das Unternehmen müsse schon vorher davon gewusst haben. Sollte Metabox nichts gewusst haben, müsste das Unternehmen hingegen einen Fehler in seinem Unternehmensablauf haben. "Solche gravierenden Fehlentwicklungen muss man relativ zeitnah erkennen", betonte der Analyst der Betreuerbank von Metabox. Die Gesellschaft habe ihre Informationspolitik mangelhaft gefahren. Das Vertrauen in das Unternehmen sieht der Analyst durch diese Entwicklung langfristig belastet, so dass auch an den künftigen Planungen erhebliche Zweifel bestünden.

Weiterer Image-Verlust für den Neuen Markt



Ein Händler sagte, die Verunsicherung am Markt sei durch die Meldung sehr groß. Sie schade dem Image des Unternehmens und des Neuen Marktes. Ein anderer Händler sagte, die Börse sollte bei solchen Meldungen schneller reagieren und solche unseriösen Unternehmen von Handel ausschließen.

Noch am 13. September hatte Metabox-Vorstandschef Stefan Domeyer in einem Interview im Fernsehsender N-TV an dem Umsatzziel von rund 200 Mill. DM festgehalten. Zudem war Domeyer Zweifeln über die Verwirklichung bereits gemeldeter Auftragseingänge entgegen getreten.

Der Vorstand der Gesellschaft will am Mittag auf einer Pressekonferenz weitere Deteils zu der Entscheidung mitteilen. Bis gegen 10.40 Uhr gab die Aktie des Hildesheimer Set-Top-Boxen-Herstellers um mehr als 43 % auf 7,85 Euro nach.

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