Umsatz brach im dritten Quartal fast komplett zusammen
Brokat steht unmittelbar vor Insolvenz

Der Finanzsoftwarehersteller Brokat AG ist nach eigenen Angaben überschuldet. Dies sei das Ergebnis einer Bewertung der aktuellen Vermögenssituation im Zusammenhang mit der geplanten Restrukturierung einer hochverzinslichen Anleihe, teilte das am Neuen Markt gelistete Unternehmen am Montag in einer Pflichtveröffentlichung mit.

Reuters FRANKFURT. Die Überschuldung sei bereits vor Abschluss dieser Restrukturierung eingetreten. Brokat verhandle weiter intensiv mit den Anleihegläubigern. Ein Insolvenzantrag sei noch nicht gestellt worden, sagte Unternehmenssprecher Reiner Jung auf Anfrage. Weitere Angaben zum Verhandlungsstand und zur Vermögenssituation von Brokat wollte er nicht machen. Zunächst sollten die Aktionäre auf der heutigen Hauptversammlung informiert werden.

Der Ausgang der Gespräche mit den Gläubigern sei nach derzeitigem Verhandlungsstand offen, teilte Brokat weiter mit. Der Stuttgarter Finanzsoftwarehersteller verhandelt seit längerem mit den Gläubigern über eine Restrukturierung der Anleihe, die nach Angaben des Unternehmens auch auf einen teilweisen Forderungsverzicht seitens der Gläubiger zielt, um die Überschuldung kurzfristig zu beseitigen. Das Unternehmen bietet dafür eine Barauszahlung. Zudem sollen die Gläubiger den Angaben zufolge ermöglicht werden, ihre restlichen Anteile gegen die Gewährung von jungen Brokat-Aktien als Sacheinlage in die Gesellschaft einzubringen.

Die Anleihe mit einer Jahresverzinsung von 11,5 % mit einem Volumen von ursprünglich 125 Mill. Euro läuft am 31. März 2010 aus. Ende August hatte Brokat mitgeteilt, Teile der Anleihe zurückgekauft zu haben. Es seien eigene Papiere im Nennwert von 26,4 Mill. Euro erworben worden.

Die Brokat-Aktionäre müssen auf der heutigen außerordentlichen Hauptversammlung unter anderem über den Verkauf der Sparte Mobile Business abstimmen. Zudem soll das Grundkapital der Gesellschaft um rund 36,508 Mill. Euro auf 745 057 Euro und damit die Aktienanzahl im Verhältnis 50:1 reduziert werden und anschließend das Kapital zur Sanierung des Unternehmens wieder auf bis zu 16,76 Mill. Euro erhöht werden. Neben der Sachkapitalerhöhung aus bereits genehmigten Kapital für den Forderungsverzicht der Anleihegläubiger ist dabei eine Barkapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Inhaberaktien von bis zu 14,9 Mill. Euro geplant.

Durch den Verkauf des Mobile Business und des bereits abgeschlossenen Verkaufs der US-Sparte Financial Applications will Brokat früheren Angaben zufolge rund 80 Mill. Euro erlösen. Das Unternehmen will sich künftig auf sein ursprüngliches Kerngeschäft Software und Dienstleistungen für die Finanzbranche (E-Finance) in Deutschland beschränken. Dazu ist der Verkauf weiterer Tochtergesellschaften und von Unternehmensteilen geplant.

Das Neun-Monats-Ergebnis von Brokat ist durch die Restrukturierungsmaßnahmen belastet. Der Umsatz sank den Angaben zufolge auf 45,4 Mill. Euro von 59,5 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum, das Nettoergebnis verschlechterte sich wegen Sonderabschreibungen auf 970,6 Mill. Euro von minus 68,1 Mill. Euro. Bei liquiden Mitteln von 25,3 (Vorjahr: 115,365) Mill. Euro sank das Eigenkapital zum Ende September auf minus 75,89 (821,9) Mill. Euro und die Eigenkapitalquote damit bei einer Bilanzsumme von 74,61 (1 025) Mill. Euro auf minus 102 (80) Prozent. Zum 31. September 2001 weist Brokat in der Bilanz Verbindlichkeiten und Rückstellungen von 150,5 Mill. Euro aus.

Im dritten Quartal sei vor allem wegen der Restrukturierungsmaßnahmen der operative Verlust (Ebit) auf minus 39,9 Mill. Euro von minus 18,3 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum gestiegen. Die Aktie verlor am Montagvormittag fast 22 % auf 0,50 Euro.

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