Umsatz des Kicker-Klassikers klettert durch die Europameisterschaft
Fußball-EM verleiht Tipp-Kick-Bällen Flügel

Die Fußball-Europameisterschaft läuft- mit wirtschaftlichen Auswirkungen bis nach Baden-Württemberg. Der traditionsreiche Hersteller des Tischfußball-Klassikers Tipp-Kick erwartet durch das Fußball-Fest in Holland und Belgien bessere Verkäufe.

VILLINGEN-SCHWENNINGEN. Sportfans verbinden die Stadt Villingen-Schwenningen normalerweise mit einem Namen: Dem Eishockey-Erstligisten Wild Wings. Doch es gibt ein noch bekannteres sportliches Produkt der süddeutschen Kreisstadt: Tipp-Kick. Eishockey-Club und Fußballspiel-Hersteller haben ihre Heimat nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt in einem Industriegebiet in Schwenningen. Während es den Eishockey-Cracks allerdings Jahr für Jahr wegen klammer Kassen eiskalt den Rücken hinunter läuft, steht der Hersteller des Fußball-Klassikers, die Edwin Mieg oHG, auf solidem Grund.

"Bis 1998 haben wir jährlich zweistellige Zuwachsraten erzielt", betont Mitinhaber Mathias Mieg. Der Umsatz mit den Miniatur-Kickern sei bis auf 3,5 Mill. DM geklettert. 1999 rollte der schwarz-weiße Tipp-Kick-Ball dann zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht mehr wie gewünscht. Weil Großkunden weniger abnahmen als gewohnt, fielen die Einnahmen des Familienbetriebs auf 2,3 Mill. DM - allerdings bei weiterhin schwarzen Zahlen.

Im laufenden Jahr, ist sich der Enkel des Firmengründers Edwin Mieg sicher, wird der Absatz wieder stark anziehen. Der Optimismus hat einen Grund: Fußball-Großereignisse wie Welt- und Europameisterschaften haben schon immer das Geschäft belebt. Statt 60 000 verkauften Packungen wie 1999 sollen im EM-Jahr 2000 bis zu 100 000 Sets über die Ladentische gehen.

Mathias Mieg ist fest überzeugt davon, dass das Turnier in Holland und Belgien auch das Werbegeschäft belebt. Firmen wie Opel und Hewlett-Packard haben bereits Spielfeld und Kicker mit ihrem Unternehmenslogo als Werbegeschenk genützt. Firmen vergaben Großaufträge im Volumen von 50 bis 5 000 Tipp-Kick-Packungen.

Spielfeld, Männchen, Bälle - der größte Teil der Ausstattung kommt aus einheimischen Fabriken. Auch die Figuren für Kleinserien werden noch immer durch Heimarbeiter bemalt. Männchen in den Farben von beliebten Clubs wie Bayern München und Borussia Dortmund hingegen erhalten ihren Anstrich inzwischen allerdings in Tunesien. "Früher hatten wir 40 bis 50 Heimarbeiter, heute sind es noch 10", bedauert Mathias Mieg. "Nach der Gesetzesänderung der 630-Mark-Jobs haben sich unsere Aufträge für die Leute hier nicht mehr gelohnt, die wollten das nicht mehr machen." Neben den Heimarbeitern beschäftigt Mieg zehn festangestellte Leute.

Im krassen Gegensatz zur bescheidenen Größe des Familienbetriebs steht der Bekanntheitsgrad der Marke. 2000 Spieler, schätzt Mieg, sind in Deutschland in Tipp-Kick-Vereinen aktiv, spielen von der Bundesliga bis zur Regionalliga um Titel und Trophäen. Regelmäßig besuchen Reporter die kleine Firma im Schwäbischen. Die große Aufmerksamkeit der Medien bestärkt Mieg darin, Tipp-Kick weitgehend unverändert zulassen. Für ihn heißt das: Aus dem Fußballspiel auf dem grünen Filzrasen wird kein Computergame. Mieg setzt darauf, dass Eltern ihren Kindern auch in Zukunft Spielzeug zum Anfassen schenken werden. Bei Preisen ab 45 DM sei Tipp-Kick eine günstige Alternative zu elektronischen Spielen.

Damit zukünftig auch kleine Kinder auf Torejagd gehen können, tüfteln die Schwenninger derzeit an extra großen Figuren. Zur Spielwarenmesse 2001 soll Tipp-Kick XL auf das Feld geschickt werden.

Doch während Mieg mit Sicherheit auch im kommenden Jahr in der Bundesliga mitspielt, ist bei den Nachbarn im Eisstadion nie sicher, ob ein Erstliga-Team aufläuft.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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