Umsatz in schwierigem Umfeld gesteigert
Holtzbrinck baut die Geschäftsführung um

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH reagiert mit einem Umbau ihrer Geschäftsführung auf die wirtschaftlich anhaltend schwierige Situation im Zeitungs- und Verlagsgeschäft.

HB DÜSSELDORF. Heinz-Werner Nienstedt, 51, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt, Düsseldorf, und Axel Gleie, 46, zuständig für die Regionalzeitungen der Holtzbrinck-Gruppe, werden aus dem Stuttgarter Medienkonzern ausscheiden. Das teilte das Unternehmen am Sonntag mit. Nienstedt wird auch seine Position als Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Verlagsgruppe Handelsblatt aufgeben, die auch diese Zeitung herausgibt.

Der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung der Holtzbrinck-Gruppe, Michael Grabner, 53, wird kommissarisch die Leitung der Verlagsgruppe übernehmen. Nienstedt war seit 1988 der Stuttgarter Verlagsgruppe verbunden, 1991 trat er in die Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt ein. In seine Amtszeit fallen bedeutende Weiterentwicklungen der Gruppe, nicht zuletzt die multimediale Ausrichtung der Publikationen und die Internationalisierung der publizistischen Aktivitäten. Wichtigste Komponenten sind dabei die enge Kooperation zwischen dem Handelsblatt und dem Wall Street Journal sowie die Expansion in Osteuropa. Das Handelsblatt arbeitete in dieser Zeit stets profitabel.

Durch die Umstrukturierung schrumpft die Geschäftsführung der Holtzbrinck-Gruppe von neun auf sieben Personen. Außerdem wird den Angaben zufolge auch der Kaufmännische Geschäftsführer Arno Mahlert, 55, neue Aufgaben in der Gruppe übernehmen. Zunächst müsse aber ein Nachfolger gefunden und eingearbeitet sein.

Die Geschäftsbereiche der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck haben sich im vergangenen Jahr recht unterschiedlich entwickelt. Die Verlagsgruppe Handelsblatt sei "vom dramatischen Rückgang der Finanz- und Technologieanzeigen hart getroffen" worden, teilte Holtzbrinck mit. Der Umsatz sank früheren Angaben zufolge auf 364,1 Mill. Euro nach 430, 6 Mill. Euro im Spitzenjahr 2000. Speziell das Ende des Internet-Booms und der Niedergang des Börsensegments Neuer Markt, verbunden mit einem Austrocknen der Börsenemissionen, setzten der Gruppe zu. Dagegen hätten die überwiegend im Ausland tätigen Bildungs- und Wissenschaftsverlage das erfolgreichste Jahr ihrer Geschichte gehabt. Planmäßig hätten sich die Buchverlage und die Regionalzeitungen entwickelt. Insgesamt habe die Gruppe ihren Umsatz leicht von 2,33 auf 2,37 Mrd. Euro gesteigert.

Der neue Chef der Verlagsgruppe Handelsblatt steht vor großen Herausforderungen. Noch immer ist kein Ende der schweren Flaute im Werbemarkt abzusehen. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) musste erst Ende Mai selbst seine vorsichtigen Wachstumsprognosen revidieren und rechnet bestensfalls noch mit einer Stagnation des Werbemarktes. Größter Verlierer war bereits 2001 der Print-Bereich und dort die Tageszeitungen.

Mittlerweile arbeiten alle Medienunternehmen mit Macht daran, sich auf die neue Lage einzusrichten. Die "Süddeutsche Zeitung" etwa will zehn Prozent ihres Personals abbauen und schloss betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Die "FAZ" musste ein Minus von 28 Millionen Euro für 2001 melden und sprach von einem "bislang nie erlebten Umsatz- und Ergebniseinbruch". Mathias Döpfner, Chef des Axel Springer Verlags, sprach jüngst sogar von der tiefsten Krise der Branche in der Nachkriegszeit.

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