Umsatz manipuliert
SEC überprüft Lernout & Hauspie

Das im flämischen Ipern ansässige High-Tech-Unternehmen Lernout &Hauspie (L&H) für multimediale Kommunikation steckt offenbar in Schwierigkeiten: Vorwürfe, bei der Bilanzierung sei "getrickst" worden, veranlassten jetzt die New Yorker Börsenaufsicht (SEC), das Unternehmen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

HB DÜSSELDORF. Ein Artikel im "Wall Street Journal" hatte bereits am 8. August Diskrepanzen in den koreanischen Geschäftsberichten des Unternehmens aufgedeckt. Die Zeitung hielt vor allem bestimmte Kundendaten für fragwürdig und verdächtigte L&H, einige Unternehmen als Kunden aufzuführen, die in keiner erkennbaren Geschäftsbeziehung mit Lernout & Hauspie standen.

In der Tat erstaunt es, wenn ein flämisches Unternehmen praktisch von heute auf morgen 17% aller Umsätze in Asien erwirtschaftet. Dafür hätten die L&H-Sprachspezialisten immerhin in kürzester Zeit chinesische, japanische und koreanische Spracherkennungsprogramme entwickelt haben müssen, ohne dass die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis gesetzt wurde.

Ein weiteres Indiz für interne Unstimmigkeiten wird in dem Rücktritt des langjährigen Chairmans Gaston Bastiaens gesehen. Nach Angaben des L&H-Managements habe der Rücktritt jedoch "absolut nichts" mit den Vorwürfen der falschen Buchhaltung zu tun.

Ein zweiter Fall Baan

Der neue Chairman John Duerden und die Firmengründer Jo Lernout und Pol Hauspie befinden sich in einer heiklen Situation-die Umstände fordern einen Vergleich mit der Baan-Geschichte geradezu heraus. Baan wurde damals mit ganz ähnlichen Vorwürfen konfrontiert, versuchte zunächst abzustreiten und erkannte zu spät den Handlungsbedarf. Auch in diesem Fall tragen mangelhafte Investor Relations-Maßnahmen zur zusätzlichen Verunsicherung der Anleger bei und lassen schnell den Verdacht aufkommen, hier würden "krumme Dinger gedreht".

Die Börse quittiert solche Meldungen sofort: Notierte die Aktie im März noch auf ihrem absoluten Höchststand bei 72,50 $, stürzte das Papier nun innerhalb kürzester Zeit auf 13,625 $ ab. Ob der in Auftrag gegebene KPMG-Rapport und Ankündigungen des Managements, die Marketing und Produktstrategie zu überdenken ausreichen, um wieder in die Gunst der Anleger zu gelangen, bleibt abzuwarten.

Ansonsten müsste L&H ja eigentlich bereits wissen, was es erwartet - Die Baan-Geschichte weist den Weg voraus. Ein paar Firmen schmieden wahrscheinlich schon eifrig Übernahmepläne.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%