Umsatz soll um 40 Prozent wachsen
Telekom bleibt bis 2004 in den roten Zahlen

Die Bilanz der Deutschen Telekom AG für dieses Jahr scheint paradox: Das Unternehmen wird erstmals seit dem Börsengang mit einem Minus von fast 2 Mrd. Euro tief in die Verlustzone rutschen, wie Analysten schätzen. Doch während die Telekom im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 5,9 Mrd. Euro erzielte, ist das operative Geschäft in diesem Jahr profitabler als im Jahr 2000.

dri BERLIN. Der Widerspruch zwischen Ergebnis und Ertragskraft lässt sich mit den Verkäufen nicht strategischer Beteiligungen und den Akquisitionen von 1999 bis Mitte 2001 erklären. Bis Ende 2004 will das Unternehmen beide Kennzahlen, den Gewinn und den Ertrag vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) wieder in ein Gleichgewicht bringen. So lautet jedenfalls das Ziel, das Vorstandsvorsitzender Ron Sommer vor Journalisten verkündete.

Erstmals veröffentlichte die Telekom dabei eine mittelfristige Prognose. Der Umsatz soll bis 2004 von 49 Mrd. Euro (2001) auf 70 Mrd. Euro steigen. Deutlich verschieben sollen sich dabei die Gewichte der einzelnen Bereiche: Der Umsatzanteil des Festnetzgeschäftes wird den Planungen zufolge von 48 % auf 40 % sinken, der Umsatzanteil der Mobilfunksparte T-Mobile von 23 % auf 30 % steigen. Der Anteil von T-Systems, die netzintegrierte EDV-Lösungen für Großunternehmen anbietet, soll von 20 % auf 22 % wachsen. Das Ebitda soll im gleichen Zeitraum von 15 Mrd. Euro in diesem Jahr auf 21 Mrd. Euro 2004 zulegen. Dabei will Sommer T-Mobile und T-Systems als Gewinnbringer ausbauen: Der Anteil von T-Mobile am Ebitda soll von 20 % auf 30 % wachsen, der von T-Systems von 5 % auf 15 %. Das traditionelle Festnetzgeschäft, das 1995 noch 82 % des Telekom-Umsatzes ausmachte, wird dann 40 % zum Umsatz und 50 % zum Ebitda beitragen. Fern- und Auslandsgespräche, die 1995 noch 33 % zum Umsatz beitrugen, stehen 2004 nur noch für 4 % vom Umsatz.

Wegen der hohen Mobilfunkinvestitionen - vor allem die Zukäufe Voicestream und One-2-One sowie UMTS-Lizenzkosten - wird die Telekom unter dem Strich laut Sommer kaum vor 2004 schwarze Zahlen schreiben. "Nichts rechnet sich von heute auf morgen", sagte Sommer. Die schwarzen Zahlen hingen von der Gewinnentwicklung bei T-Mobile ab, die frühestens 2004 einen Gewinn vor Steuern werde ausweisen können. Derzeit belasten die Mobilfunkabschreibungen jedes Quartalsergebnis der Telekom mit 1,2 Mrd. Euro. Weltweit will die Telekom auch in den kommenden Jahren 10 Mrd. Euro jährlich in Netzausbauten und neue Technologien investieren, davon die Hälfte in Deutschland.

Die Schulden in Höhe von 65 Mrd. Euro will Sommer auf 50 Mrd. Euro abbauen. "Mit diesem Schuldenstand können wir dann leben", so Sommer. Es sei auch kein Problem für die Telekom, wenn dieses Ziel nicht wie geplant bis Ende 2002 erreicht werde. Einnahmen für den Schuldenabbau sollen durch den Börsengang der T-Mobile hereinkommen, der für 2002 geplant ist. Weitere 5,5 Mrd. Euro will Liberty Media für die Übernahme von 60 % des Telekom-Kabelgeschäfts zahlen. Diesem Geschäft muss allerdings das Kartellamt zustimmen, das bereits erhebliche wettbewerbsrechtliche Bedenken geäußert hat.

Die Telekom sei prinzipiell bereit, ihr Kabelnetz an andere Investoren zu verkaufen, so Sommer. Voraussetzung sei, dass der mit dem US-Konzern vereinbarte Preis von 5,5 Mrd Euro überboten werde. Wenn es bei dem Kabelverkauf oder dem Mobilfunk-Börsengang zu Verzögerungen kommt, droht der Telekom eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agenturen. Die damit verbundene Zinserhöhung würde das Unternehmen mit 90 Mill. Euro belasten. "Das müssten wir dann in Kauf nehmen", sagte Sommer. Er werde jedenfalls keinen Börsengang zur falschen Zeit durchziehen, nur um diese 90 Mill. Euro zu sparen. Der Verlust eines missglückten Börsenganges wäre in jedem Fall höher, sagte er.

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