Umsatz stabil gehalten
Heidelberg Cement sieht sich 2002 auf Zielkurs

Trotz des schwachen Geschäfts in Deutschland hat der Zement- und Baustoff-Hersteller Heidelberg Cement den Umsatz in den ersten neun Monaten 2002 stabil gehalten und hält an seiner Gewinnerwartung fest.

Reuters HEIDELBERG. Das Wachstum in Osteuropa und das Geschäft mit Baustoffen könnten das Umsatzminus in Deutschland weitgehend ausgleichen, erklärte Heidelberg Cement am Montag in Heidelberg. Der weltweit konsolidierte Umsatz werde 2002 um maximal 2 % unter dem Vorjahresniveau von 6,68 Mrd. Euro liegen, erklärte Vorstandschef Hans Bauer in einer Telefonkonferenz. In den drei ersten Quartalen lag er mit 5,01 Mrd. Euro um 1,5 % darunter. Auf der Ergebnisseite kommen dem Konzern Sondererlöse zu Gute. Noch im Dezember soll die Baustoffsparte HBE an einen Investor verkauft werden.

Der Jahresüberschuss werde mit den Sondereffekten mindestens den Vorjahreswert von 255 Mill. Euro nach Anteilen Dritter erreichen, bekräftigte Bauer. In den ersten neun Monaten lag der Gewinn nach Steuern und Drittanteilen mit 257 Mill. Euro (32 % über Vorjahr) bereits darüber. Das operative Ergebnis ging gleichzeitig um 11,2 % auf 407 Mill. Euro zurück. "HeidelbergCement hat sich im dritten Quartal besser entwickelt als erwartet", sagte Bauer. Der Zement- und Klinkerabsatz lag mit 34,92 Mill. Tonnen nach neun Monaten wieder über dem Vorjahresniveau.

Verkauf der Baustoffsparte wird zur Preis-Frage

Die europäische Baustoff-Sparte HBE (Heidelberger Baustoffe Europa) soll noch im Dezember an einen Finanzinvestor verkauft werden. "Wir sind optimistisch, dass die Due Diligence(-Prüfung) bis Ende November abgeschlossen ist", sagte Vorstandschef Bauer. HeidelbergCement hatte die HBE mit einer Milliarde Euro Umsatz Anfang 2002 zum Verkauf gestellt, um sich auf das Geschäft mit Beton und Zement zu konzentrieren. "Ich hatte nicht gerechnet, dass das dieses Jahr noch klappt", äußerte sich Analyst Marc Nettelbeck von der BW-Bank überrascht. Der Preis dürfte wegen des schwachen Marktes jedoch wohl unter den Vorstellungen von HeidelbergCement liegen. In den ersten neun Monaten steigerte HBE ihr operatives Ergebnis trotz rückläufiger Umsätze um 28 % auf 43 Mill. Euro.

"Ruinöser Erlösverfall" in Deutschland

In Deutschland leide HeidelbergCement weiter unter einer niedrigen Nachfrage am Bau und einem "ruinösen Erlösverfall". Die Baukonjunktur werde von Tag zu Tag schwächer, sagte Bauer. "Die Preisauseinandersetzungen nehmen an Heftigkeit zu." Daher müsse HeidelbergCement die Kapazitäten weiter reduzieren. Von den 360 kleinen Transportbeton-Werken in Deutschland sollen 20 geschlossen oder zusammengelegt werden. Zum Ende des Jahres schließt HeidelbergCement eines seiner sechs Zementwerke. Die Region Zentraleuropa West (Deutschland, Österreich, Schweiz) trug 2002 bisher nur 26 (72) Mill. Euro zum Ergebnis bei. Der Zement- und Klinkerabsatz ging um 8,6 % zurück.

Freilich ist der international vertretene größte deutsche Zementhersteller mit einem Absatzanteil von 11,5 % weit weniger vom deutschen Markt abhängig als etwa sein Wiesbadener Konkurrent Dyckerhoff, der für 2002 mit einem hohen Fehlbetrag rechnet. Dazu profitiert er von einem Sondergewinn von 80 Mill. Euro aus dem Verkauf von Aktien des Heilbronner Stromversorgers ZEAG an die Energie Baden-Württemberg (EnBW) und von seiner Bauchemie-Tochterfirma Addiment an die schweizerische Sika.

Zum Vorwurf des Bundeskartellamts, Heidelberg Cement sei wie die meisten Unternehmen der Branche in Deutschland jahrelang an einem Zementkartell beteiligt gewesen, wollte sich Bauer erneut nicht äußern. Bisher seien dafür keine Rückstellungen gebildet worden, die von den Kartellwächtern angedrohten Millionenstrafen seien "rein spekulativ". Eine Sprecherin des Kartellamts sagte, die Wettbewerbshüter versuchten, den Fall noch vor Jahresende abzuschließen. Insgesamt könnten sich die Strafen weiterhin auf einen Milliardenbetrag summieren.

Die im Nebenwerte-Index MDax notierte Heidelberg Cement-Aktie büßte am Montag bis zum Mittag 0,4 % auf 37,60 Euro ein.

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