Umsatz und Ergebnis gesteigert
MMO2 macht Milliarden-Verlust

Der britische Mobilfunk-Konzern MMO2 hat im abgelaufenen Geschäftsjahr den operativen Gewinn (Ebitda) verdoppelt. Sonderabschreibungen von umgerechnet rund 13,5 Mrd. ? - davon 5,5 Mrd. ? alleine für die UMTS-Lizenz der deutschen Tochter O2 - drückten den Konzern aber tief in die roten Zahlen.

Reuters LONDON/MÜNCHEN. "Es gibt die Erkenntnis, dass man vor drei Jahren für die Mobilfunklizenzen der dritten Generation (3G) zu viel bezahlt hat", sagte der MMO2-Vorstandsvorsitzende Peter Erskine am Mittwoch in London. Die Abschreibungen begründete er mit dem sich verzögernden Start von UMTS sowie dem Umstand, dass UMTS-Handys noch nicht ausreichend - und wenn, dann nur "unzuverlässige und teure" Modelle - vorhanden seien. O2-Chef Rudolf Gröger sagte, er rechne in Deutschland frühestens ab Mitte kommenden Jahres mit einem großflächigen Start der neuen Mobilfunkgeneration.

Die MMO2-Aktie konnte zunächst rund vier Prozent zulegen, verlor dann aber im Tagesverlauf und rutschte bis zum Nachmittag mit 54-1/4 Pence um 1,8 % ins Minus.

Finanzchef David Finch kündigte in einer Telefonkonferenz an, sollte MMO2 die Geschäftsziele erfüllen, gehe er vor Sonderposten im Geschäftsjahr 2003/04 (zum 31. März) von einem Betriebsgewinn aus. Im vergangen Jahr verbuchte MMO2 im Konzern vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einen Gewinn von 859 (Vorjahr 433) Mill. Pfund. Wegen der Abschreibungen in Milliardenhöhe fiel vor Steuern im Konzern allerdings einen Verlust von 10,2 Mrd. Pfund an. Im Vergleich hierzu: Der Börsenwert von MMO2 liegt derzeit bei fünf Mrd. Pfund.

Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer (ARPU) stieg in Großbritannien den Angaben zufolge auf Zwölfmonatssicht per Ende März 2003 auf 247 Pfund. Ende Dezember hatte der Wert noch bei 243 Pfund gelegen. 2003/04 solle der ARPU erneut zwischen zwei und sechs Prozent zulegen, sagte Erskine.

Den Umsatz bezifferte MMO2 mit 4,874 Mrd. Pfund, ein Plus von 14 % zum Vorjahr. Die Kundenzahl sei im vierten Quartal um 310 000 gestiegen, so dass die Gruppe jetzt 19,372 Mill. Kunden habe. Die Zahl der verschickten SMS sei um 60 % auf 8,5 Mrd. gewachsen, hiervon seien 1,3 Mrd. auf deutsche Kunden entfallen. MMO2 war vom britischen Telekommunikationskonzern BT Group (früher British Telecom) Ende 2001 an die Börse gebracht worden.

Ebenfalls zulegen konnte die deutsche Tochter, die mit 43 (Vorjahr minus 270) Mill. ? erstmals einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) verbuchte. Der Umsatz kletterte um 16 % auf 1,65 Mrd. ?, während sich die Kundenzahl um knapp ein Viertel auf 4,81 Mill. erhöhte. Damit stieg der Marktanteil des viertgrößten inländischen Mobilfunkanbieters auf acht (sieben) Prozent.

"Wir sind damit unter dem Strich ein bis eineinhalb Jahre jeglichen Erwartungen voraus", resümierte Gröger. 2003 wolle O2 diese Wachstumsgeschwindigkeit beibehalten und den Marktanteil um einen weiteren Prozentpunkt steigern. Die Ebitda-Marge solle im zweistelligen Prozentbereich liegen. In möglicherweise zwei Jahren sei auch inklusive Abschreibungen ein positives operatives Ergebnis (Ebit) denkbar. "Das neue Geschäftsjahr hat sehr positiv begonnen", fügte Gröger hinzu.

Mit Blick auf die sich seit Monaten haltenden Gerüchte um eine Fusion von O2 mit der niederländischen KPN beziehungsweise ihrer Tochter E-Plus, sagte Erskine, derzeit gebe es keine Gespräche mit KPN. Einen Zusammenschluss wollte er jedoch nicht gänzlich ausschließen. Dies hänge grundsätzlich davon ab, ob hierdurch Mehrwert für die Aktionäre geschaffen werde.

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