Umsatz wächst im ersten Halbjahr um fast 13 Prozent
Fuchs Petrolub hängt Schmierstoffbranche ab

So ganz kann Manfred Fuchs den Stolz nicht verhehlen, als er die jüngsten Zahlen aus seinen Unterlagen zieht: "Unser Umsatz ist im ersten Halbjahr um nahezu 13 Prozent auf 539 Millionen Euro gewachsen", sagt der Vorstandsvorsitzende des Schmierstoffspezialisten Fuchs Petrolub dem Handelsblatt.

HB MANNHEIM. Das Plus wird sich im Halbjahresbericht, der Ende August erscheint, auch im Ergebnis niederschlagen. "Der Warenrohertrag ist mit rund 14 % überproportional gestiegen", sagt Fuchs Damit bestätige sich der am 31. Mai veröffentlichte Ausblick.

Schmierstoffe und-fette etwa für Maschinen und Motoren sind das kleinste Segment im Mineralölgeschäft und machen weltweit rund 1 % des gesamten Ölgeschäfts aus. Die Branche ist trotz einer laufenden Konzentrationswelle noch stark fragmentiert. Weltweit gibt es rund 1 200 Firmen. Doch das Gefälle auf den ersten zehn Plätzen ist enorm. So ist Fuchs mit einem Jahresumsatz von rund 1 Mrd. Euro gegenüber den riesigen Mineralölkonzernen wie Shell, Exxon Mobil oder BP Castrol zwar ein recht kleiner Spieler. Dennoch stehen die Mannheimer weltweit auf Platz acht, in Westeuropa auf Platz 5 und in Deutschland hinter BP Castrol/Aral und Shell DEA auf dem dritten Rang. Unter den unabhängigen Herstellern ist Fuchs weltweit führend.

Das Schmierstoffgeschäft ist zyklisch. Nach einem weltweiten Plus von 1,3 % im Jahr 2000 und einem Rückgang um 2,4 % auf 35,1 Mill. Tonnen im vergangenen Jahr erwarten die Experten in diesem Jahr mit 1,6 % wieder ein leichtes Wachstum. Noch ist davon freilich wenig zu sehen. So ging der Schmierstoffmarkt in Deutschland bis Juni um 0,1 % zurück, in Italien und Großbritannien standen bis Ende April Rückgänge von 4,2 % und 2,4 % in den Büchern.

Um so überraschender sind die Halbjahreszahlen der Mannheimer. Vorstandschef Fuchs begründet dies vor allem mit einer straffen Kostenkontrolle. "Unser systematisches Schwachstellen-Management hat sich ausgezahlt", erklärt er. Für das Gesamtjahr erwartet er einen Umsatz von etwa 1,06 Mrd. Euro, nach 940 Mill. Euro im Vorjahr. Gleichzeitig konzentriert sich das Unternehmen mit hochwertigen Spezialitäten auf Nischen. Das bringt zwar höhere Margen, aber auch die Ausgaben für Forschung steigen. Während die Riesen wie etwa Shell rund 1 % ihres Umsatzes in ihre Entwicklungsabteilungen stecken, sind es bei Fuchs 2 %. Vorstandschef Fuchs ist davon überzeugt, sich die intensive Forschung leisten zu können. "Wir können die Kosten durch unsere weltweite Präsenz auf große Mengen umlegen", erklärt er. Rund 70 % der Umsätze erzielt das Unternehmen derzeit mit Produkten, die maximal 5 Jahre alt sind. Ein Beispiel: Mit Titan GT1 hat Fuchs das erste biologisch abbaubare Motorenöl auf den Markt gebracht, das Motor und Katalysator schont und den Kraftstoffverbrauch senkt.

Dennoch zweifeln einige Analysten daran, ob die Kombination aus Kosten-Management und Nischenstrategie auf Dauer ausreichen wird, um sich dem schwachen Markt entziehen zu können. Für sie hat das Schmierstoffgeschäft seinen Zenit überschritten, da die Motoren immer sparsamer werden und neue Techniken teilweise sogar ohne Schmiermittel auskommen.

Das sieht Vorstandschef Fuchs, der auf das Potenzial der innovativen Spezialitäten schaut, anders. "Die Chancen der Wertsteigerung durch Innovationen sind deutlich größer als die entsprechenden Kosten", sagt er - und ergänzt: "Natürlich ist es richtig, dass die Nachfrage im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft unterproportional wächst, da die Produkte immer besser werden und immer länger halten. Doch global wächst der Markt".

Große Chancen sieht Fuchs in Asien und Osteuropa. "China ist bereits der zweitgrößte Markt hinter den USA, obwohl der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch für Schmierstoffe nur bei 2,6 Kilogramm liegt. In den USA sind es über 31 Kilogramm", gibt sich Fuchs zuversichtlich.

Quelle: Handelsblatt

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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