Umsatz wächst in den ersten neun Monaten um 3 %
Preussag dämpft Erwartung und senkt Kosten

Der Preussag-Konzern hat anlässliche der Neun-Monats-Bilanz auch die Erwartungen für das Gesamtjahr leicht gedämpft und ein Kostensenkungsprogramm aufgelegt. Konzern-Chef Michael Frenzel äußerte sich skeptisch, ob die ursprünglich beabsichtigte Steigerung des Ergebnisses aller Sparten um 20 % auf 900 Mill. Euro noch erreichbar sei.

Reuters HANNOVER. "Ob wir die 20 % schaffen, ist offen. Ich glaube derzeit wohl eher nicht", sagte Frenzel am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Dennoch werde das Rekordergebnis des Vorjahres der Sparten von 747 Mill. Euro "signifikant übertroffen".

Um Einbußen in der Touristik und in anderen Bereichen aufzufangen hat Preussag nach den Worten Frenzels kurzfristig ein Sparprogramm aufgelegt. "Dieses Sachkostenprogramm umfasst alle Bereiche, außer das Marketing, und soll uns noch in diesem Jahr 40 Mill. Euro bringen", sagte der Konzernchef. Das nach den Anschlägen vom 11. September aufgelegte Sparprogramm werde im kommenden Jahr fortgeschrieben. Für Großbritannien und Skandinavien würde in der Touristik bereits in der Wintersaison die Kapazitäten um zehn und 20 % gesenkt, in Deutschland dagegen nicht. Derzeit lägen die Buchungen für die Wintersaison konzernweit um zehn Prozent unter dem Vorjahr. Der Neueingang der Buchungen bewege sich aber seit vier Wochen wieder auf dem hohen Vorjahresniveau, sagte Frenzel. "Das heißt, wir haben eine vernünftige Auslastung und müssen für die restlichen drei Monate des Jahres keine dramatischen Einbrüche erwarten."

Im Personalbereich beschränke sich Preussag zunächst auf den Geschäftsreisebereich der Tochter TQ3, wo bereits vor einigen Tagen ein Stellenabbau bekannt gegeben wurde. Insgesamt seien rund 400 Stellen weltweit betroffen, sagte Frenzel. Der Personalabbau bei der britischen Tochter Thomson Travel in gleicher Höhe habe nichts mit den Anschlägen vom 11. September zu tun, sondern allein mit der Integration in den Konzern.

Entscheidend für das kommende Jahr werde die Sommersaison, die in der Touristik zwei Drittel des Gesamtgeschäfts ausmache und für die Prognosen jetzt noch schwierig seien. "Bislang liegen wir für Buchungen von Januar bis Ostern deutlich unter Vorjahr", sagte Frenzel. Entscheidend werde die Buchungssituation im Januar oder Februar sein. "Dann entscheiden wir über Kapazitäten, Personal, Sachkosten. Wir bereiten uns für diesen Zeitpunkt auf alles vor", sagte Frenzel. Zunächst aber gelte es offensiv den Reisemarkt zu bearbeiten. "Wir sparen nicht beim Marketing. Wir versuchen jetzt, den Markt mit massiven Werbekampagnen zu stimulieren."

Bislang geht Preussag für den Reisemarkt in Deutschland für 2002 weiterhin von rund zwei Prozent Wachstum aus. Für Großbritannien dagegen sei kein Zuwachs zu erwarten, in Skandinavien sogar ein leichter Rückgang, sagte Frenzel. Unter dem Strich bedeute das für Europa nach vorläufiger Einschätzung ein leichter Zuwachs. Preussag werde aber angesichts der guten Position seiner Marken sicher wie bisher besser abschneiden als der Markt.

Mit der Neun-Monatsbilanz zeigte sich Frenzel zufrieden. Das Betriebsergebnis vor Steuern und Abschreibungen war mit 485 Mill. Euro im dritten Quartal deutlich unter den Erwartungen der Branchenexperten geblieben. Unerwartete Belastungen habe es durch nachlaufende Kosten für Gesellschaften wie die Wolf-Gruppe (Heiztechnik) und Fels (Gebäudetechnik) gegeben, deren Verkauf noch nicht wirksam sei, sagte Frenzel. Deren konjunkturbedingten Verluste seien so nicht vorhersehbar gewesen. Zu Belastungen habe auch eine Teilwertabschreibung für den Verkauf von Anteilen an Babcock Borsig geführt, deren Kurs jetzt niedriger als bei der Übernahme gewesen sei.

"Wichtig ist aber, dass alle operativen Einheiten, die auch künftig unser Geschäft ausmachen - Touristik, Logistik und Energie - unsere Erwartungen voll erfüllt haben", sagte Frenzel. Das gelte gerade für die Touristik. In Großbritannien habe die Tochter Thomson trotz Kapazitätsabbau den Umsatz gesteigert und ihr bislang bestes Ergebnis seit Gründung vorgelegt.

Die Preussag-Aktie verlor am Donnerstag in einem freundlichen Börsenumfeld rund zwei Prozent auf 27,90 Euro.

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