Umsatzausfall seit den Anschlägen etwa 700 000 Euro pro Tag
Fraport kann sich Wachstumsziel abschminken

Die massiven Behinderungen im internationalen Flugverkehr nach den Anschlägen in Amerika bringen nicht nur die Abläufe am Frankfurter Flughafen durcheinander, sondern könnten nach Einschätzungen von Analysten auch die Geschäfte seines Betreibers Fraport AG deutlich beeinträchtigen. Der zumindest vorübergehend erwartete Rückgang der Nachfrage nach Flugreisen könnte zu Lasten einer der wichtigsten Einnahmequellen von Fraport, den Gebühren für die Fluglinien, gehen.

Reuters FRANKFURT. "Ich gehe davon aus, dass Fraport das geplante Wachstum beim Passagieraufkommen 2001 nicht erreichen wird", sagte Helaba-Trust-Analyst Mario Kristl. Ob Fraport die Ereignisse in den USA auch langfristig spüren werde, hänge davon ab, wie schnell die Passagiere den Schock verarbeiteten.

Im Frankfurter Flughafen bauten sich derweil zum Wochenende hin vor allem in Folge der verschärften Sicherheitsvorkehrungen erneut lange Menschenschlangen vor den Schaltern und Kontrollschleusen auf. Die meisten Passagiere brachten aber weiterhin Verständnis für die besondere Situation auf. Die Deutsche Lufthansa kann erst ab Samstag wieder in die USA fliegen, womit in dieser Woche bereits mehr als 100 Verbindungen ausfielen, von denen rund 55 000 Passagiere betroffen waren. Fraport rief Reisende erneut dazu auf, sich über Flugplanänderungen zu informieren und auf Grund der schärferen Kontrollen früher als üblich anzureisen. Die US-Behörden genehmigten bis Freitag nur amerikanischen Fluglinien den Anflug auf die USA. Einige wenige US-Maschinen hoben erstmals an diesem Tag in Richtung Heimat ab.

Fraport: Aussage zu Ergebnissituation noch zu früh

Ein Fraport-Sprecher wollte zu den wirtschaftlichen Konsequenzen für sein Unternehmen aus den Störungen noch nicht äußern. Für eine Aussage zur Ergebnissituation sei es noch zu früh, hieß es. "Im Moment ist das pure Kaffeesatzleserei." Helaba-Analyst Kristl bezifferte den geschätzten Umsatzausfall für den Flughafenbetreiber auf rund 700 000 ? pro Tag. Allerdings seien die Einbußen für Fraport weitaus geringer als für die Fluggesellschaften, sagte der Analyst. In den kommenden Tagen sollte sich die Situation seiner Ansicht nach normalisieren. Es sei jedoch davon auszugehen, dass nach den Terroranschlägen in New York und Washington weniger Passagiere nach Nordamerika flögen, als dies vorher der Fall gewesen sei. Auf mittlere Sicht rechne er dagegen nicht mit einer Verringerung des Luftverkehrsaufkommens.

Für Marc Nettelbeck von der BW-Bank ist derzeit noch nicht abzuschätzen, wie sich das Passagieraufkommen in den kommenden Monaten entwickeln werde. "Es ist wohl davon auszugehen, dass der Flugverkehr in den nächsten Wochen zurückgehen wird", sagte Nettelbeck. Neben Flughafen-Gebühren und sonstigen Einnahmen rund ums Fliegen erziele Fraport auch Erträge aus vermieteten Ladenflächen auf dem Flughafengelände. Diese dürften angesichts geringerer Ausgaben der Passagiere ebenfalls niedriger als erwartet ausfallen, sagte Nettelbeck. "Man kann davon ausgehen, dass Fraport dieses Jahr einen deutlichen Ergebnisrückgang verzeichnen wird".

Auch Banken- und Bürostandort Frankfurt belastet

Neben den persönlichen Einschränkungen für die Passagiere und den möglicherweise wirtschaftlich negativen Auswirkungen für die Fraport AG belastet die derzeitige Situation am Frankfurter Flughafen in gewisser Weise natürlich auch den Bank- und Börsenstandort Frankfurt. Weiterhin ist unklar, wie lange Geschäftsleute die wichtigste deutsche Luftverkehrsdrehscheibe als Verbindungspunkt nach Nordamerika nicht normal nutzen können. Ein amerikanischer Manager zeigte sich jedoch weniger in seinen Geschäften gestört, als von der Anteilnahme der Deutschen an den Ereignissen in Amerika beeindruckt. Die vielen Gottesdienste im ganzen Land zeigten, dass nicht nur Amerika Trauer trage, sagte der 50-Jährige aus Littleton in Colorado.

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