Umsatzeinbrüche in den USA
SAP-Konkurrenten im Tal der Tränen

Drei der wichtigsten Anbieter von Unternehmenssoftware haben im abgelaufenen Quartal zum Teil drastische Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen. Siebel, der US-Konkurrent von SAP und Marktführer mit Software zum Kunden- und Vertriebs-Management (CRM), rutschte erstmals in vier Jahren in die roten Zahlen.

Reuters NEW YORK. Auf Grund von Einmaleffekten verbuchte Siebel einen Verlust von 92,1 Millionen Dollar im dritten Quartal nach 35,2 Millionen Dollar Gewinn ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen in San Mateo mitteilte. Mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von drei Cent je Aktie verfehlte Siebel das eigene Ziel von fünf bis acht Cent klar. Gleichzeitig dementierte Gründer Tom Siebel Gerüchte, wonach der Branchenriese Microsoft bei seinem Unternehmen einsteigen werde. Microsoft und Siebel würden aber am Montag eine wichtige Ankündigung machen.

Der Quartalsumsatz von Siebel sank um 18 Prozent auf 352,7 Millionen Dollar und lag damit am unteren Ende der eigenen Erwartungen. Die Software-Lizenzeinnahmen, die als wichtiger Indikator für das künftige Wachstum gelten, brachen sogar um 34 Prozent ein. Auch im vierten Quartal, das für die Branche normalerweise das stärkste ist, erwartet Siebel einen weiteren Rückgang bei den Lizenzeinnahmen. Sie sollten dann nur noch zwischen 135 und 165 Millionen Dollar liegen, vor Jahresfrist waren es 250 Millionen Dollar gewesen. Das wäre das achte Quartal mit rückläufigen Lizenzumsätzen in Folge.

Die am Donnerstag nach den SAP-Zahlen in der Hoffnung auf einen Aufschwung in der Branche acht Prozent hoch geschnellte Siebel-Aktie gab im Frankfurter Handel am Freitag 12,2 Prozent nach. SAP setzten ihren Kursanstieg fort und legten 3,5 Prozent auf 71,55 Euro zu.

SAP-Zuwächse auf Kosten der Konkurrenz

SAP hatte am Vortag davon gesprochen, vor allem in den USA Marktanteile zurückgewonnen zu haben und erklärt, der eigene Marktanteil unter den größten sechs Konkurrenten sei in diesem Jahr auf 50 von 45 Prozent gestiegen. Seinen Lizenzumsatz hatte SAP mit 435 Millionen Euro fast konstant gehalten.

"Auf der Umsatzseite hätten wir fraglos besser abschneiden können und müssen", sagte Unternehmensgründer Tom Siebel vor Analysten. Diese erwarten, dass Siebel auch im vierten Quartal nicht aus der Verlustzone kommt. Die fixen und variablen Kosten seien immer noch zu hoch. Dennoch sollen Siebel zufolge keine weiteren Stellen wegfallen. Im dritten Quartal hatte das Unternehmen 1122 Arbeitsplätze abgebaut. Für den Stellenabbau und ein Programm zum Umtausch der wertlos gewordenen Optionen von Mitarbeitern in Aktien oder Bargeld musste Siebel rund 164 Millionen Dollar Rückstellungen bilden. SAP hatte seine Kosten im gleichen Zeitraum um acht Prozent gesenkt.

Auch bei People-Soft ging der Lizenzumsatz deutlich um 20 Prozent auf 121,6 Millionen Dollar zurück und lag damit am unteren Ende der eigenen Prognosen. Der Konzernumsatz fiel um zehn Prozent auf 471 Millionen Dollar, der Nettogewinn sank binnen Jahresfrist um elf Prozent auf 44,6 Millionen Dollar. "Ich glaube nicht, dass sich am Umfeld etwas geändert hat", äußerte sich CEO Craig Conway pessimistisch. Die Kunden knauserten immer noch mit Investitionen.

Der kleinere Konkurrent i2 Technologies begrenzte zwar den Nettoverlust im dritten Quartal auf 199,1 Millionen Dollar nach riesigen Abschreibungen und einem Nettofehlbetrag von 5,5 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Doch brach der Umsatz auf 115 Millionen von 201 Millionen Dollar ein. Manugistics und Oracle haben einen anderen Bilanzierungsrythmus.

Die Großen werden noch größer

"Wir sehen, dass die Großen noch größer werden", zog Analyst Brendan Barnicle von Pacific Crest als Fazit aus den Berichten der Softwarehersteller. Unternehmen wie SAP und Microsoft würden von dem Umfeld profitieren, sagte sein Kollege Mark Verbeck von Think Equity Partners. Microsoft hatte zuvor den dänischen, auf Software für den Mittelstand spezialisierten Anbieter Navision übernommen. Die Microsoft-Sparte "Business Solutions", in der Navision aufgegangen ist, verzeichnete im dritten Quartal einen Umsatzanstieg auf 106 von 74 Millionen Dollar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%