Umsatzminus von vier Prozent im Halbjahr
Auch die Fußball-WM hilft Pro Sieben Sat.1 nicht

Deutschlands größter Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 Media hat erneut ein pessimistisches Bild vom krisengeschüttelten Werbemarkt gezeichnet und rechnet 2002 mit Umsatz- und Ergebnisrückgängen.

Reuters MÜNCHEN. "Das Geschäftsjahr 2002 wird zweifellos hart, schwieriger noch als die hinter uns liegenden zwölf Monate", sagte Vorstandschef Urs Rohner auf der Hauptversammlung der Tochter der insolventen Rechtegesellschaft Kirch Media am Dienstag in München. Die Situation von Pro Sieben Sat.1 werde durch das Insolvenzverfahren von Kirch Media "nicht unbedingt leichter", fügte er hinzu. Im ersten Halbjahr werde der Umsatz trotz positiver Impulse durch die Fußball-Weltmeisterschaft wohl um vier Prozent von 1,028 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum zurückgehen. Das Ergebnis vor Steuern werde aber positiv (1. HJ 2001: 89 Mill. Euro) ausfallen - im Gegensatz zu manchen anderen deutschen Medienfirmen, versprach Rohner den Aktionären.

Die im MDax gelisteten Vorzugsaktien reagierten mit Kursverlusten auf diesen Ausblick und verloren zeitweise fast drei Prozent. Am Mittag notierten sie noch mit 0,84 % im Minus bei 9,40 Euro.

Für das Gesamtjahr gab sich Rohner angesichts der Krise im deutschen Werbemarkt weiter pessimistisch. Erst im vierten Quartal 2002 oder im ersten Halbjahr 2003 sei mit einer Erholung des Marktes zu rechnen. Für das laufende Jahr bekräftigte er die Prognose, wonach der Umsatz nicht so stark wie der gesamte deutsche TV-Werbemarkt zurückgehen werde, für den er ein Minus von bis zu fünf Prozent prognostizierte. "Wir haben jedoch das klare Ziel, die Einbußen auf der Ergebnisseite geringer als beim Umsatz zu halten, um in jedem Fall profitabel zu bleiben", stellte Rohner in Aussicht. Dies lasse sich durch weitere Kostensenkungsmaßnahmen erreichen.

Insolvenz von Kirch Media erschwert Situation zusätzlich

Von der Insolvenz der Muttergesellschaft KirchMedia sei die profitable Pro Sieben Sat.1 Media mit ihren Sendern Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 nicht unmittelbar betroffen, betonte Rohner. "Wir werden selbstverständlich sehr genau beobachten, wie sich das Insolvenzverfahren der Kirch Media weiter entwickelt." Die Zukunft der Kerngesellschaft des früheren Medienimperiums von Firmengründer Leo Kirch soll durch den Einstieg neuer Investoren gesichert werden, die ihre Angebote bis Ende Juli abgeben sollen. Interessenten sind unter anderem der Axel Springer Verlag, der an Pro Sieben Sat.1 bereits mit 11,5 % beteiligt ist, der italienische Konzern Mediaset, und ein Konsortium aus Commerzbank und dem US-Studio Columbia Tristar.

Neue Gesellschafter von Kirch Media, die auch deren Mehrheit an Pro Sieben Sat.1 übernehmen wollten, müssten nach dem geltenden Aktiengesetz voraussichtlich auch ein Übernahmeangebot an die freien Aktionäre der Senderfamilie machen, erläuterte Rohner. "Klar ist, dass sich durch die Insolvenz auch die Gesellschafterverhältnisse der Pro Sieben Sat.1 Media AG zumindest mittelbar verändern werden."

Pro Sieben Sat.1 Media prüft Übernahme von Kirch Intermedia

Von der Insolvenz von KirchMedia und der Bezahlfernseh-Gesellschaft KirchPayTV sind auch die mit ProSiebenSat.1 gemeinsam betriebenen Multimedia-Aktivitäten betroffen. Derzeit prüfe man, ob eine Übernahme sämtlicher Gesellschaftsanteile an der Kirch Intermedia für ProSiebenSat.1 sinnvoll wäre, sagte Rohner. Denkbar sei dann ein Verkauf der Sport-Website Sport1 und eine Erweiterung des Gesellschafterkreises der Nachrichtenagentur ddp um neue strategische Partner. "Wir sind zuversichtlich, dass wir diesbezüglich schon bald eine gute Lösung für unsere Gesellschafter präsentieren können", sagte Rohner.

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