Umsatzprognose zurückgenommen, Gewinn steigt
SAP-Zahlen sorgen für Kurssprung

Der Softwarekonzern SAP hat wegen der Unsicherheit über die Konjunktur seine Umsatzprognose für 2002 zurückgezogen, mit einem unerwartet hohen Gewinn im dritten Quartal aber einen Kurssprung seiner Aktie ausgelöst.

Reuters WALLDORF. Auch wenn der Umsatz im laufenden Jahr nur auf der Stelle treten sollte, werde die operative Rendite wegen erster Erfolge eines Sparprogramms auf mindestens 21 von 20 % steigen, bekräftigte der größte europäische Softwarehersteller am Donnerstag in Walldorf seine Gewinnerwartungen. SAP hatte seine Umsatzprognose bereits einmal reduziert und zuletzt noch ein Umsatzwachstum von fünf bis zehn Prozent erwartet.

Als Reaktion auf den Quartalsbericht sprang der Kurs der SAP-Aktie bis zum Mittag um mehr als ein Fünftel auf 66,70 ? nach oben, nachdem sie am Vortag in Erwartung der Zahlen noch der größte Verlierer im Börsenbarometer Dax gewesen war. Zuletzt war der Aktienkurs bis auf 40 ? abgestürzt. Im März war die Aktie noch für fast 180 ? gehandelt worden.

Im dritten Quartal übertraf der Softwarehersteller mit einem um die Kosten für Firmenkäufe und Aktienoptionen bereinigten operativen Ergebnis von 316 Mill. ? die vor Jahresfrist erzielten 201 Mill. ? deutlich. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 253 Mill. gerechnet. Die als Erfolgsmaßstab verwendete operative Marge habe sich damit binnen Jahresfrist auf 19 von 12 % verbessert, teilte SAP weiter mit. Nach Steuern verfünffachte SAP den Gewinn auf 202 (37) Mill. ?. Der Konzernumsatz lag mit 1,7 Mrd. ? leicht über den 1,65 Mrd. aus dem Vorjahr.

Analysten fühlen sich von Umsatzskepsis bestätigt

"SAP ist eindeutiger Marktführer und wird dies (...) auch bleiben, erklärte Co-Vorstandschef Henning Kagermann. Er gehe davon aus, dass SAP weitere Marktanteile gewinnen werde. "Auch in einem unruhigen ökonomischen Umfeld tätigen Unternehmen beträchtliche und langfristige Investitionen in Software." Wie alle Wettbewerber hatte SAP zuletzt unter der weltweiten Investitionszurückhaltung der Unternehmen gelitten. Nun erklärte der Konzern, die Auftragspipeline sei "weiterhin sehr gut".

In den ersten neun Monaten lag der Umsatz des SAP-Konzerns mit 5,14 Mrd. ? nur um zwei Prozent höher als ein Jahr zuvor, die bereinigte Umsatzrendite blieb bei 17 %.

Experten zeigten sich von der Aussetzung der Prognose wenig überrascht. "Wir sind richtiggehend erleichtert", sagte Fondsmanager Daniel Kerbach von Activest in München. Niemand habe noch erwartet, dass SAP das Umsatzziel erreichen werde. "Es ist ein gutes, gut aufgestelltes Unternehmen", ergänzte Kerbach. Analyst Daud Khan von Merrill Lynch lobte die Zahlen. Fraglich sei nur, ob SAP weiter in gleichem Maße Kosten senken könne wie bisher, ohne weitere Stellen abzubauen.

Sparprogramm erfolgreich umgesetzt

Im Juli hatte SAP kräftige Kostensenkungen angekündigt und einen Einstellungsstopp verhängt. Seither sei die Zahl der Mitarbeiter von zuvor mehr als 29 000 um 445 gesunken, sagte ein Sprecher. "Das Unternehmen hat die Maßnahmen zum Einsparen von Kosten und zur Steigerung der Effizienz erfolgreich umgesetzt", erklärte der Softwarekonzern. Allein im dritten Quartal sanken die Kosten durch Einsparungen in Vertrieb und Marketing sowie in der Verwaltung um acht Prozent.

Positiv bewerteten Analysten vor allem den nahezu stabilen Umsatz mit Softwarelizenzen. Die dauerhafteste Einnahmequelle des Konzerns brachte Umsätze von 435 (447) Mill. ?. Die Lizenzumsätze hätten sich in allen drei Regionen der Welt stark entwickelt, sagte Analyst Gunnar Plagge von WestLB Panmure, der die Aktie zwei Bewertungsstufen höher auf "Outperform" stufte und das Kursziel auf 70 von 38 ? anhob.

Auch auf dem größten Softwaremarkt der Welt, in den USA, stabilisierte sich nach SAP-Angaben das Geschäft. Hinkten die Umsätze dort bis Juni noch 20 % hinter dem Vorjahreswert her, setzte SAP im dritten Quartal mit 464 Mill. ? nur ein Prozent weniger um als im Vorjahr. In Deutschland stieg der Umsatz dank eines Großauftrags von DaimlerChrysler um elf Prozent auf 413 Mill. ?.

SAP invstiert 350 Milionen Euro in eigene Aktien

In den nächsten Monaten will SAP für 100 Mill. ? weitere eigene Aktien zurückkaufen. Im bisherigen Jahresverlauf hatte das Unternehmen bereits für 250 Mill. ? Anteile zurückgekauft. Damit sollen Optionsprogramme für die Mitarbeiter bedient und das Vertrauen in SAP untermauert werden, hieß es.

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