Umsatzrekord bei börsengehandelten Indexfonds in Frankfurt
Rentenfonds wollen an die Börse

Aktienfonds wie Aktien kaufen und verkaufen: Diese Idee findet immer mehr Freunde. Einige Gesellschaften wollen dieses Prinzip auch auf Fonds für Anleihen ausweiten - trotz technischer Hürden.

FRANKFURT/M. "Es wird eine ganz neue Produktgeneration auf Basis unserer Indizes geben, die noch im zweiten oder dritten Quartal realisierbar sein sollte", spricht David Mark über seine Vorstellungen zur Einführung von Rentenfonds in den Handel an der Frankfurter Börse. Nicht nur der Vorstand des Indexanbieters iBoxx denkt darüber nach. Bei einigen Investmentgesellschaften steht diese Idee ebenfalls weit oben auf der Wunschliste.

Christian Gast, bei UBS Warburg in Basel zuständig für die Produktentwicklung von börsengehandelten Indexfonds: "Die Sache hat bei uns die gleiche Priorität wie die Auflage weiterer Aktienfonds für Branchenindizes." Er denkt über zwei Produkte für Euro- und Dollar-Staatsanleihen-Indizes nach. Auch Mark Roberts vom Investmenthaus Barclays Global Investors in London signalisiert Interesse. Andere Adressen wie die amerikanische State Street Global Advisors und die deutsche Indexchange sind weniger optimistisch und sprechen von technischen Hürden.

Die neue Denkrichtung könnte nach Ansicht der Optimisten dem boomenden Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds ("Exchange Traded Funds", kurz ETF) weitere Impulse geben. Vor zwei Jahren etablierte die Deutsche Börse als erster Handelsplatz in Europa ein Marktsegment für diese Produkte. Heute werden 39 Indexfonds gehandelt, europaweit über 100. Für den letzten Freitag meldete die Börse einen Umsatzrekord von 429 Mill. . Heute oder morgen wird die Produktpalette erneut erweitert. UBS Warburg führt unter der Dachmarke Fresco vier bereits in der Schweiz notierte Aktienfonds auf die Dow-Jones-Indizes U.S. Large-Cap Technology, Industrial Average, U.K. Titans 50 und Euro Stoxx 50 ein.

Das ETF-Erfolgsrezept: Investmentfonds können wie Aktien während der gesamten Börsenhandelszeit zum aktuellen Gegenwert des Fondsportfolios ge- und verkauft werden. Das funktioniert in Perfektion nur bei Indexfonds, deren Zusammensetzung einer bestimmten Indexstruktur entspricht und deren Wert deshalb jederzeit auf Basis des Indexstandes berechenbar ist. Im traditionellen Fondsgeschäft dagegen wird nur einmal täglich ein Anteilpreis errechnet.

Auch Optimisten wie David Mark räumen Probleme bei Anleihe-ETF ein, die bei Aktien-ETF nicht vorkommen. Es geht unter anderem um die Transparenz der Indizes. "Der Handel der einbezogenen Anleihen findet vor allem im Freiverkehr zwischen den Banken statt; diese Kurse sind nicht objektiv nachvollziehbar, so dass es auch keine objektive Grundlage für die nötige Echtzeitberechnung der Indizes gibt", erklärt der Vorstand von iBoxx, einem Joint-Venture der Deutsche Börse AG und sieben großen Bankhäusern. Mit der iBoxx-Indexfamilie sei mindestens ein Problem gelöst: "Wir bekommen die Kurse von unseren sieben Banken."

Mark Roberts, bei Barclays Global Investors Chef der ETF-Produktstrategie, kommentiert: "Wir treiben unsere Pläne zur Lancierung solcher Fonds in den USA weiter voran." Barclays ist Fondsmanager der bisher weltweit einzigen Anleihe-ETF. Die in Kanada notierten Produkte "sind allerdings Sonderfälle". Ein Fonds enthält nur die fünfjährige, ein anderer nur die zehnjährige kanadische Staatsanleihe. Hintergrund der auf den ersten Blick relativ eigentümlichen Konstruktionen: Sie sollen den dortigen Privatanlegern einen Einstieg in den ansonsten wegen hoher Mindestanlagesummen unzugänglichen Markt für Staatspapiere ermöglichen.

Eine "gewisse Grundskepsis" gegenüber der Produktinnovation äußert Klaus Esswein. Als Chef der Deutschlandaktivitäten von State Street Global Advisors, die mit Barclays und der Bank of New York zu den weltgrößten ETF-Emittenten zählen, glaubt er: "Die Produkte wären sehr komplex." Andreas Fehrenbach, Geschäftsführer der zur Hypo-Vereinsbank-Gruppe gehörigen Kapitalanlagegesellschaft Indexchange, spricht ebenfalls von einem "problematischen Ansatz".

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