Umsatzrendite soll um mehr als 10 Prozent klettern
Gruner + Jahr setzt auf Expansion

Nach der Konsolidierung des vergangenen Jahres geht das Verlagshaus Gruner + Jahr wieder in die Offensive. Vorstand Bernd Kundrun will verstärkt in neue Titel und Sonderhefte investieren.

HAMBURG. Wenn Bernd Kundrun, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Gruner + Jahr AG & Co, die neue Strategie des Verlagshauses skizziert, vergleicht er sie gern mit einem Bild aus der Schifffahrt. "Unsere großen Magazine sind wie die Tanker, die jetzt verstärkt kleine Beiboote bekommen, um in neue Leserkänale vorzustoßen", sagt Kundrun gegenüber dem Handelsblatt.

Damit geht der Vorstandschef nach der Konsolidierung des vergangenen Jahres jetzt wieder in die Offensive. Der 46jährige Manager will verstärkt in neue Titel und Sonderhefte investieren. "Wir wollen in diesem Jahr über 30 neue Magazine auf den Markt bringen", erklärt Kundrun. In den nächsten Jahren sollen weitere neue Titel folgen. Dafür will die Tochter des Gütersloher Bertelsmann - Konzerns jährlich einen "mittleren zweistelligen Millionenbetrag" in die Hand nehmen.

Seine Magazinstrategie, die er "Innovation now" nennt, ist einfach: Kundrun will das Angebot bereits vorhandener Zeitschriften mit neuen Titeln abrunden, um neue Leser zu gewinnen. Als Beispiel für neue Titel führt er "Neon" an, eine Zeitschrift für junge Männer und Frauen aus der "Stern"-Familie. Das Heft soll nach der erfolgreichen Pilotausgabe mit 90 000 verkauften Exemplaren ab Januar nächsten Jahres monatlich erscheinen.

Mit der Offensive will Kundrun die Ertragslage des Printhauses weiter verbessern, um den Kapitalinteressen des Mutterkonzerns zu entsprechen. Danach soll mittelfristig die Umsatzrendite auf Basis des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Goodwill-Abschreibungen (Ebita) auf mehr als 10 % klettern. Für 2003 bleibt Kundrun hingegen bescheiden: Hier will er die bereits im ersten Halbjahr auf 9 (8,4) % gesteigerte Umsatzrendite fortschreiben.

Absolut sank hingegen das operative Ergebnis im 1. Halbjahr 2003 auf 112 (121) Mill. Euro. Im gleichen Zeitraum verringerte sich der Umsatz auf 1,24 (1,44) Mrd. Euro. Ursache hierfür waren die anhaltenden Anzeigenrückgänge sowie der Verkauf des Berliner Verlags (Berliner Zeitung), an die Holtzbrinck-Gruppe.

Auch die Axel Springer AG überraschte vor kurzem den Markt mit einem positiven Ergebnis. Europas größtes Verlagshaus ("Bild", "Welt", "Hörzu") steigerte im 1. Halbjahr seinen Gewinn nach Steuern um 25 % auf 90 Mill. Euro. Damit übertrifft Springer die eigenen Vorhersagen. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Goodwill-Abschreibungen (Ebita) stieg auf 120 Mill. Euro nach 50 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum.

Ähnlich wie Gruner + Jahr will Springer wieder verstärkt in neue Printtitel investieren. Das Gewinnniveau vom ersten Halbjahr kann daher nicht gehalten werden, heißt es bei Axel

Auf dem deutschen Markt seien weitere Rubriken-Töchter der "Bild"-Zeitung möglich, die bisher nur unregelmäßig erscheinen. Die Themen sind Reise, Tier und Gesundheit, kündigte Springer-Chef Mathias Döpfner an. Zudem will der Verlag ein Magazin für junge Frauen namens "Lola" einführen. Im Mittelpunkt der Expansionspläne steht jedoch Osteuropa. Am stärksten investiert der Verlag in Polen, wo er eine Boulevardzeitung plant. In dem künftigen EU-Mitgliedsland ist Springer schon jetzt die Nummer zwei. Auch in Russland will Springer weitere Zeitschriftentitel auflegen.

Unterdessen wächst der Optimismus im Markt (siehe Nachgefragt), dass sich die Werbekonjunktur erholt. Zuletzt machte das Marktforschungsunternehmen Nielsen der Medienbranche Mut. Im ersten Halbjahr wurden brutto 8,29 Mrd. Euro für Werbung in Print, TV, Radio und auf Plakaten ausgegeben. Das entspricht einem Plus von 0,1 % im Vergleich zum Vorjahr. Die optimistische Einschätzung teilen auch die großen Mediaagenturen. "Erzielen die Unternehmen mehr Erträge, dann gibt es auch wieder mehr Werbung" sagt Jürgen Blomenkamp, Chef von Mediacom, die zum Werberiesen Grey gehört.

Quelle: Handelsblatt

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