Umsatzrisiken wegen Euro-Stärke: Schwache Konjunktur kümmert Schering kaum

Umsatzrisiken wegen Euro-Stärke
Schwache Konjunktur kümmert Schering kaum

Der exportorientierte Berliner Pharmakonzern Schering rechnet wegen des starken Euro in diesem Jahr trotz seiner gewinnträchtigen Kernprodukte mit spürbaren Auswirkungen auf den Umsatz.

Reuters BERLIN. Man solle nicht überrascht sein, wenn sich die Währungsentwicklung bei den Umsätzen im ersten Quartal zeigen werde, sagte Vorstandschef Hubertus Erlen bei der Hauptversammlung des Unternehmens am Donnerstag in Berlin. Erlen zufolge lag der Dollarkurs in den ersten Monaten des Jahres rund 20 % und der Kurs des Yen um etwa 10 % unter dem Vorjahresniveau. Das Unternehmen halte aber weiter an seinem Ziel fest, die Umsätze in Landeswährungen im hohen einstelligen Bereich zu steigern. Gleiches soll für das Ergebnis gelten. Erlen kündigte weiter an, man wolle in den nächsten zwei Jahren die Umsatzrendite auf 18 % von derzeit knapp 15 % zu steigern.

Schering verkauft rund 90 % seiner Produkte ins Ausland. Gut 60 % werden außerhalb des Euro-Raumes abgesetzt. Im vergangen Jahr hatte das Unternehmen vor allem unter dem Einbruch der Währungen in Lateinamerika gelitten, die nicht durch Währungsgeschäfte abgefangen werden konnten. Bereits Anfang des Jahres hatte Reuters aus Industriekreisen erfahren, dass Schering es für schwierig halte, den Umsatz in Euro gerechnet im ersten Halbjahr 2003 auf dem Niveau des Vorjahres zu halten.

Finanzvorstand Klaus Pohle räumte ein, dass Schering bei der Profitabilität noch nicht das Niveau anderer Pharma-Firmen erreicht habe. "Wir liegen nicht in der Spitzenklasse der Rentabilität." Schering will aber die Umsatzrendite bis 2005 auf 18 % von derzeit 15 % heben. Pohle führte den Nachholbedarf zum einen auf das vergleichsweise geringe margenstarke US-Geschäft zurück, das aber deutlich ausgebaut werden soll. Die erfolgreiche Anti-Baby-Pille Yasmin solle in erster Linie zur Steigerung der Rentabilität beitragen. Ein Problem sei ferner, dass Schering bei seinem wichtigsten Präparat, dem Multiple-Sklerose Medikament Betaferon, einen Teil des Umsatzes als Lizenzgebühr an das Pharmaunternehmen Chiron abführen müsse. Diese Zahlungen von 27,5 % des Umsatzes würden aber Ende des Jahres auf 22,5 % reduziert.

Pohle gibt seinen Posten aus Altersgründen mit dieser Hauptversammlung auf. Pohle hatte maßgeblich die Konzentration des früheren Mischkonzerns auf die Pharmasparte in den 80er und 90er Jahren betrieben. Sein Nachfolger wird Jörg Spiekerkötter, der bereits bei Schering in der Finanzabteilung arbeitete.

Forschungsvorstand Günter Stock bekräftigte, dass das Unternehmen weiter plane, das Hormonersatzpräparat Angeliq in den USA auf den Markt zu bringen. Die US-Zulassungsbehörde FDA hatte im vergangenen Jahr eine Markteinführung zunächst untersagt. Darunter hatte auch der Kurs der Schering-Aktie erheblich gelitten. Man spreche aber weiter mit der FDA, sagte Stock. "Wir sind guter Dinge, dass wir den Dialog im nächsten Jahr abschließen könne", betonte der Forschungsvorstand. Schering erklärte ferner, dass der bereits angekündigte Rückkauf von 2,5 Mill. Aktien abgeschlossen sei. Die Hauptversammlung ermächtigte den Vorstand am Donnerstag erneut, bis zu 15 Mill. weitere Aktien zurückzukaufen.

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