Umsatzrückang reduziert
Industriegeschäft von Bayer läuft

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat nach den Worten von Vorstandschef Werner Wenning in seinen Sparten Chemie und Polymere im dritten Quartal geringere Umsatzrückgänge verzeichnet als im ersten Halbjahr.

Reuters FRANKFURT. "Das Industriegeschäft hat sich im dritten Quartal relativ zum Vorjahr besser entwickelt als im ersten Halbjahr", sagte Wenning der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe). Das Industriegeschäft umfasst mit Chemie und Polymere (Kunststoffe) zwei der vier Konzernsparten und ist für rund die Hälfte des Konzernumsatzes verantwortlich.

Für das Gesamtjahr 2002 geht Wenning weiter davon aus, dank Erlösen aus Verkäufen einen über dem Vorjahreswert von 965 Mill. Euro liegenden Konzerngewinn auszuweisen. Das operative Ergebnis vor Sonderposten werde das Vorjahresniveau von 1,6 Mrd. Euro indes verfehlen. "Den Rückgang aus dem ersten Halbjahr können wir nicht mehr ausgleichen", sagte der Bayer-Chef. Ein weitere Stellenabbau sei derzeit nicht vorgesehen.

Der auf den Säulen Chemie, Polymere, Pflanzenschutz und Gesundheit (Healthcare) stehende Bayer-Konzern will auch künftig über alle vier Bereich die unternehmerische Kontrolle behalten. Auf keinem der vier Gebiete werde der Leverkusener Konzern eine Minderheitsposition in Partnerschaften mit anderen Konzernen einnehmen, sagte Wenning. Er trat damit Spekulationen entgegen, Bayer könne bei der Suche nach einem Kooperationspartner für seine Pharmasparte notfalls dort die unternehmerische Führung aus der Hand geben. "Wir haben den Anspruch, in allen Kerngeschäften eine Mehrheitsposition zu haben - und natürlich ist Pharma ein Kerngeschäft", sagte er. "In Pharma haben wir Wachstumsprobleme, die werden wir durch Kooperationen lösen. Wenn es gar nicht geht, müssen wir neu nachdenken, aber das heißt nicht, dass ich da bereit bin, in die Minderheit zu gehen. Ich habe nie über eine Minderheitsbeteiligung gesprochen."

Seit seinem Amtsantritt im April steht die Suche nach einem Partner für die Pharmasparte oben auf der Prioritätenliste. Wegen Problemen mit dem Cholesterinsenker Lipobay, der wegen des Verdachts auf tödliche Nebenwirkungen vom Markt genommen werden musste, geriet das Pharmageschäft voriges Jahr in die Krise. Bis Jahresende wolle der Bayer-Chef eine "Indikation" zur weiteren Strategie geben. "Ich habe nie gesagt, dass wir bis Jahresende einen Partner benennen."

Eine Aufteilung der Sparte Healthcare sei indes nicht vorgesehen. "Wir denken im Arbeitsgebiet Healthcare in keinster Weise an den Verkauf einzelner Geschäftsbereiche", sagte der Manager. In der Chemie wolle sich Wenning weitgehend auf Felder konzentrieren, die mit ihren Produkten zu den größten drei Anbietern der Welt gehören. "Wir können in bestimmten Aktivitäten nur die erforderlichen Renditen erwirtschaften, wenn wir dort eine führende Marktposition haben", sagte er.

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