Umsatzrückgang der Zeitungsverlage hält an
Verleger kämpfen an allen Fronten

Sinkende Anzeigenumsätze, schrumpfende Auflagen und ungünstige gesetzliche Rahmenbedingungen prägen auch in diesem Jahr die Zeitungsbranche. Die schlechte Konjunkturlage wirkt sich verheerend auf die Ertragslage besonders der Tageszeitungen aus.

BERLIN. Die schlechte Konjunktur wirke sich "erschreckend auf die Ertragslage aller Medien und besonders der Tageszeitungen" aus, sagt Volker Schulze, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Obwohl die Tageszeitungen unter allen Mediengattungen mit 4,9 Mrd. Euro Werbeeinnahmen immer noch der größte Werbeträger sind, mussten die Verlage im vergangenen Jahr erneut ein Minus von 12 % gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Schon 2001 war der Werbeumsatz um 14 % eingebrochen. Auch in den ersten fünf Monaten dieses Jahres sind die Anzeigenumfänge weiter zurückgegangen.

Vor allem die Rubrikenanzeigen für Stellenangebote und Immobilien bleiben aus, wie die neuen Branchendaten des BDZV belegen. Dabei ist das Geschäft mit dem Stellen- und Wohnungsmarkt traditionell besonders wichtig für Zeitungsverlage: Mehr als 90 % der Werbegelder kommen bisher aus den Rubrikenanzeigen und der lokalen Werbung.

Nur 8 % des Zeitungswerbekuchens lassen sich dagegen mit nationalen Werbekampagnen der Autoindustrie und der Markenartikelhersteller verdienen, meldet die Zeitungs-Marketing-Gesellschaft. Die nationale Werbung legte zur Freude der überregionalen Zeitungen allerdings zu: Von Januar bis Mai verkauften die Verlage 6,2 % mehr überregionale Anzeigen. "Die Zeitungen behaupten sich als Werbeträger gegenüber dem Fernsehen", zeigt sich Schulze hier zufrieden.

Sollte das Pressekartellrecht gelockert werden?

Beim Verkauf schlägt sich die Konjunkturflaute ebenfalls nieder: Die Auflagen der meisten Zeitungsverlage gingen im ersten Quartal weiter zurück - doch immerhin nicht mehr so stark wir noch im letzten Jahr. Leser haben die Zeitungen dagegen nicht verloren: Die Reichweiten sind stabil geblieben. Von tiefgreifendem Pessimismus will der Branchenverband daher nicht sprechen. "Unser Eindruck ist, dass die meisten Verlage noch in den schwarzen Zahlen sind", bestätigt ein Sprecher des BDZV, "aber das Geschäft ist viel schwieriger geworden." Erst vor wenigen Tagen hatte die Hannoveraner Verlagsgruppe Madsack, das zehntgrößte deutsche Zeitungshaus, zwar weiter sinkende Umsätze und Gewinne im laufenden Jahr angekündigt. Gleichzeitig sei die Gruppe aber im Zeitungs- und Hörfunkmarkt weiter auf Expansionskurs.

Zukäufe und Kooperationen unter Zeitungsverlagen sind bislang aber nur mit Blick auf strenge gesetzliche Beschränkungen möglich. "Es stellt sich die Frage, ob das Pressekartellrecht nicht im Interesse verbesserter Zusammenarbeit unter den Verlagen gelockert werden sollte", sagt Schulze. Zu dem Plan der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (Handelsblatt, Die Zeit), in Berlin mit dem Kauf der "Berliner Zeitung" den "Tagesspiegel" durch wirtschaftliche Kooperation tragfähig zu machen, wollte er sich nicht äußern. Schulze geht davon aus, in den nächsten Wochen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement zur Zukunft der Zeitungsbranche sprechen zu können.

Kämpferisch zeigt sich der BDZV mit Blick auf die wachsende Konkurrenz für die Zeitungsverlage im Werbemarkt. Seit wenigen Wochen lässt die Deutsche Post AG in Hamburg ihre Briefträger Werbeprospekte zusammen mit einer kostenlosen Fernsehzeitschrift an alle Haushalte verteilen. Der Prospektvertrieb soll nach Angaben einer Post-Sprecherin im Herbst auch auf Berlin ausgedehnt werden. Jörg Laskowski, Geschäftsführer Verlagswirtschaft beim BDZV, nennt das Werbeprojekt der Post "wettbewerbsrechtlich bedenklich". Auf der anderen Seite sind Zeitungsverlage auf regionaler Ebene inzwischen auch im Briefzustelldienst aktiv.

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