Umsatzrückgang
Heidelberg-Cement muss weiter sparen

Der Baustoffhersteller Heidelberg-Cement verschärft angesichts seiner hohen Verbindlichkeiten seinen Sparkurs und gibt statt einer Bardividende für 2002 Gratisaktien aus.

Reuters HEIDELBERG. Der Konzernumsatz ging im vergangenen Jahr erwartungsgemäß um 1,8 Prozent auf 6,57 Milliarden Euro zurück, wie Heidelberg-Cement am Freitag in Heidelberg mitteilte. Der Absatz von Zement und Klinker stieg um 1,8 Prozent auf 45,8 Millionen Tonnen. In Deutschland und den Nachbarstaaten brach der Umsatz um 13 Prozent ein, der Absatz ging um acht Prozent zurück. Zur Ertragslage will das Unternehmen sich erst am 24. März äußern. Im November hatte Vorstandschef Hans Bauer für 2002 einen Gewinn von mindestens 255 Millionen Euro nach Steuern und nach Anteilen Dritter in Aussicht gestellt. Das vierte Quartal habe "die Ergebnisentwicklung weitgehend bestätigt", hieß es nur.

Im laufenden Jahr will Heidelberg-Cement weitere Randbereiche mit einem Umsatz von mindestens 250 Millionen Euro verkaufen und sich bei Investitionen zurückhalten. Weitere Kosteneinsparungen sollen auch dazu beitragen, die Milliarden-Schulden abzubauen. Um seine flüssigen Mittel zu schonen, will das Unternehmen neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung statt einer Dividende ausgeben. Die Aktionäre sollen für je 22 Anteile eine neue Aktie bekommen. Das entspreche dem Wert der letztjährigen Dividende von je 1,15 Euro, hieß es. Liquidität fließt dadurch aber nicht ab.

Die so genannte "Stock dividend" sei die logische Konsequenz der Lage des Konzerns, der von den Ratingagenturen seit längerem kritisch beäugt wird, erklärten Analysten. "Das zeigt, dass sie gezwungen sind, alle Auszahlungs-Aktivitäten zurückzufahren", sagte Christiane Nestroy von HVB Equity Research.

Das vierte Quartal sei zufrieden stellend verlaufen, teilte Heidelberg-Cement mit. "Auch die Ergebnisentwicklung wurde durch den Verlauf des vierten Quartals weitgehend bestätigt", hieß es weiter. Der geplante Verkauf der europäischen Baustoff-Sparte HBE an einen Finanzinvestor, der zusätzliche Liquidität bringen sollte, war zuletzt an den Konditionen gescheitert.

Über Heidelberg-Cement schwebt weiter - wie über der gesamten Zementbranche Deutschlands - ein laufendes Kartellverfahren. Das Unternehmen bekräftigte erneut, darin nur eine "untergeordnete Rolle" zu spielen. "Erforderlichenfalls werden wir von unseren Rechtsmitteln Gebrauch machen", kündigte Heidelberg-Cement gegen den Entscheid der Kartellbehörde Widerstand an. Das Unternehmen hat nach Angaben aus Branchenkreisen nunmehr bis Mitte März Zeit bekommen, auf das so genannte Beschuldigungsschreiben des Amtes zu reagieren, das vor kurzem an die 30 betroffenen Unternehmen versandt worden war. Laut Branchenkreisen droht Heidelberg-Cement eine Kartellstrafe bis zu 400 Millionen Euro.

Die schweizerische Holcim und der Wiesbadener Konkurrent Dyckerhoff hatten bereits bilanzielle Vorsorge für eine mögliche Kartellstrafe getroffen und deshalb deutliche Ergebnisschmälerungen angekündigt. Heidelberg-Cement äußerte sich weiterhin nicht über mögliche Rückstellungen. "Aber Heidelberg-Cement ist dafür bekannt, vorsichtig zu bilanzieren", sagte ein Sprecher. Wie es aus unternehmensnahen Kreisen hieß, wurde das Thema im Aufsichtsrat nicht angesprochen. Inwieweit die drohenden Belastungen 2002 überhaupt berücksichtigt werden müssen, ist unklar. Das Verfahren sollte ursprünglich Ende 2002 abgeschlossen sein.

Die Ratingagenturen Moody's überprüft derzeit ihre Bonitätseinstufung für den Baustoffhersteller im Hinblick auf eine mögliche Herabstufung. Grund dafür ist unter anderem die mögliche Kartellstrafe. Standard & Poor's hatte die Bonität im Januar auf "BBB-" gesenkt, nur eine Stufe oberhalb des "Ramsch-Status".

Die im MDax notierten Heidelberg-Cement-Aktien erholten sich am Freitag nur leicht von ihrem Kurssturz um 6,5 Prozent am Tag zuvor. Bis zum Nachmittag lagen die Papiere bei 24,29 Euro um 0,8 Prozent über dem Vortagesniveau. "Die Zahlen sind nicht gut, aber die Papiere sind einfach billig", sagte ein Analyst.

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