Umsatzrückgang im ersten Quartal
Reuters sieht kurzfristig keine Besserung

Die weltweit schwachen Finanzmärkte haben beim Nachrichten- und Informationskonzern Reuters Group im ersten Quartal 2002 zu einem deutlichen Umsatzrückgang geführt. In seinem Kerngeschäft erwartet Reuters weiter sinkende Erlöse.

Reuters LONDON. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei der Konzernumsatz in den ersten drei Monaten um sechs Prozent auf 912 Millionen Pfund (rund 1,484 Milliarden Euro) gefallen, teilte das Unternehmen am Montag in London mit. Ohne Einbeziehung der Handelsplattform Instinet, an der Reuters 83 Prozent hält, stiegen dagegen die Konzernumsätze um fünf Prozent auf 762 Millionen Pfund. Firmenchef Tom Glocer erklärte, die Zahlen lägen im Rahmen der Erwartungen. Die Reuters-Aktie fiel in London zeitweise auf den tiefsten Stand seit Oktober 1998, erholte sich bis Handelsschluss aber wieder etwas.

Weiterer Umsatzrückgang im Kerngeschäft erwartet

"Unsere Quartalserlöse spiegeln die Entwicklung in den Reuters-Kundensegmenten im Rahmen unserer Erwartungen sowie der deutlich gesunkenen Erlöse von Instinet wider", sagte Glocer. Die Einnahmen auf Subskriptionsbasis - Festgebühren für die Reuters-Terminals - sanken im ersten Quartal bereinigt um das Geschäft des übernommenen Konkurrenten Bridge um ein Prozent.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2002 erwartet Reuters unter anderem durch die Übernahme von Bridge eine Steigerung der Subskriptions-Umsätze. Auf bereinigter Basis werde hier allerdings wie bereits angekündigt im ersten Halbjahr mit einem Rückgang der Erlöse um zwei bis drei Prozent gerechnet. Reuters sehe kurzfristig keine Besserung der schwachen Marktbedingungen, die die Kunden aus dem Bereich Finanzdienstleistungen belasten, hieß es. In der zweiten Jahreshälfte dürfte der bereinigte Subskriptions-Umsatz um fünf bis sechs Prozent sinken.

Reuters erzielt einen Großteil seiner Einnahmen von internationalen Finanzgruppen, die in den vergangenen beiden Jahren wegen des Abschwungs an den Finanzmärkten massiv Stellen abgebaut haben. Reuters bekommt solche Veränderungen mit Verzögerungen zu spüren, da mit den Kunden überwiegend Zeitverträge abgeschlossen sind. Der Konzernumsatz von Reuters lag insgesamt am unteren Ende der Prognosen von Analysten, die im Schnitt einen Umsatz von 920 bis 930 Millionen Pfund erwartet hatte. "Die Zahlen liegen unter den Erwartungen", sagte Medienanalyst Andrew Gordon-Brown von der Investmentbank J.P. Morgan. Bereinigt um Firmenzu- und-verkäufe sowie um Wechselkursschwankungen sank der Umsatz von Reuters um 13 Prozent.

Instinett hat besonders gelitten

Vor allem die Handelsplattform Instinet litt den Angaben zufolge unter den weltweit schwachen Aktienmärkten. So seien die durchschnittlichen Tagesumsätze an der US-Börse Nasdaq im Vergleich zum Vorjahr um 300 Millionen auf 1,8 Milliarden Transaktionen gesunken. Im ersten Quartal verbuchte Instinet einen Umsatzrückgang von 39 Prozent. Instinet habe bereits Schritte angekündigt, um aggressiver in den Wettbewerb um Handelsvolumen zu treten. Diese sollten die Handelsaktivitäten an der Nasdaq wachsen lassen und zu einer Verbesserung der Umsätze in der zweiten Jahreshälfte führen, hieß es.

Glocer teilte mit, Reuters unterstütze Instinet aktiv bei dem Plan, die Marktstellung durch neue Produkte, technologische Neuerungen und deutliche Kostenreduzierungen zu behaupten. "Wir sind erfreut über die ersten Resultate dieses Plans." Instinet hatte bereits einen Nettoverlust von knapp 35 Millionen Dollar für das erste Quartal 2002 ausgewiesen.

Verbesserung der Gewinnmargen weiter angestrebt

Reuters hält nach eigenen Angaben weiter an dem Ziel fest, die operative Gewinnmarge des Konzerns ohne Berücksichtigung von Instinet in diesem Jahr auf zwölf Prozent von zuvor sieben Prozent zu steigern. "Ungeachtet der schwierigen Marktbedingungen konzentrieren wir uns weiter auf die Verbesserung der Gewinnmargen, die in diesem Jahr operativ bei zwölf Prozent liegen sollen", erklärte Reuters-Chef Glocer. Zum Handelsschluss an der Londoner Börse notierte der Kurs der Reuters-Aktien 0,78 Prozent im Minus bei 506 Pence, nachdem er zuvor bis auf 478 Pence gefallen war. Im zurückliegenden Jahr büßten die Reuters-Aktien rund die Hälfte ihres Wertes ein.

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