Umsatzrückgang
Motorola schreibt Milliardenverlust

Der US-Handy- und Chiphersteller Motorola hat im zweiten Quartal 2002 unter dem Strich einen Rekordverlust in Milliardenhöhe verzeichnet.

Reuters CHICAGO. Immense Restrukturierungskosten hätten zu dem höchsten Quartals-Nettoverlust der Firmengeschichte geführt, teilte der weltweit zweitgrößte Mobiltelefon-Produzent am Dienstag nach US-Börsenschluss mit. Vor Sonderposten verbuchte Motorola allerdings zum ersten Mal nach fünf verlustbringenden Quartalen hintereinander überraschend einen Gewinn. Analysten äußerten sich positiv zu dem Geschäftszahlen. Die Motorola-Aktien reagierten nachbörslich mit Kursgewinnen auf die Unternehmensnachrichten.

Inklusive Sonderbelastungen wies der Konzern einen Verlust von 2,3 Mrd. Dollar oder 1,02 Dollar je Aktie aus nach einem Minus von 759 Mill. Dollar im Vorjahresquartal. Die Sonderbelastungen für Restrukturierungen beliefen sich früheren Angaben zufolge nach Steuern auf 2,4 Mrd. Dollar. Motorola-Vertreter betonten, damit sei die Restrukturierung des Konzerns weitestgehend abgeschlossen.

Unerwarteter Gewinn vor Sonderposten

Vor Sonderposten verbuchte Motorola im fortgeführten Geschäft einen Gewinn von 48 Mill. Dollar oder 0,02 Dollar je Aktie nach einem Verlust von 238 Mill. Dollar im Vorjahreszeitraum. Von Thomson First Call befragte Analysten hatten demgegenüber im Mittel mit einem Verlust von 0,04 Dollar je Aktie gerechnet. "Wir sind ein Quartal früher in die Gewinnzone zurückgekehrt, als wir angenommen hatten", teilte der Motorola-Präsident und für das Tagesgeschäft verantwortliche Chief Operating Officer (COO) Edward Breen mit. Der Umsatz im fortgeführten Geschäft fiel um elf Prozent auf 6,7 Mrd. Dollar. Im Berichtsquartal habe Motorola einen Mittelzufluss (Cash-Flow) von rund 520 Mill. Dollar verzeichnet, fügte Breen hinzu. Analysten zeigten sich mit dem Quartalsbericht von Motorola zufrieden. "Sie werden effizienter", sagte Kurt Lauber von American Express Financial Advisors. Zudem lobten sowohl Anleger als auch Analysten den Mittelzufluss bei Motorola. "Man muss sich immer fragen, ob ein Unternehmen in der Lage ist, sich selbst zu tragen. Und in diesem Fall sind sie es", sagte Analyst Todd Bernier von Morningstar. Die Tatsache, dass der Cash-Flow mehr als eine halbe Milliarde Dollar betrage, sei beeindruckend. "Das sind rund zehn Prozent des Umsatzes", sagte Bernier.

Marktanteil der Handy-Sparte gewachsen

Nach Motorola-Angaben erwirtschaftete die Mobiltelefon-Sparte im zweiten Quartal einen Nettogewinn von drei Mill. Dollar nach einem Verlust von 593 Mill. Dollar im Vorjahr. Der weltweite Marktanteil von Motorola bei Mobiltelefonen sei auf 18 % von 17 % im ersten Quartal gestiegen.

Dagegen verdreifachte sich der Nettoverlust der Halbleiter-Sparte nach Sonderposten auf 1,3 Mrd. Dollar nach einem Minus von 444 Mill. Dollar im Vorjahresquartal. Vor Sonderposten belief sich der Verlust nach Unternehmensangaben im zweiten Quartal auf 79 Mill. Dollar.

Auf der elektronischen Handelsplattform Instinet stieg der Motorola-Aktienkurs nachbörslich auf 14,62 Dollar, nachdem die Papiere den Handel an der Wall Street bei 14,53 Dollar beendet hatten.

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