Umsatzrückgang von 0,58 Prozent
Gratiszeitungen und Internet sorgen für Umsatzminus im Pressegroßhandel

dpa BADEN-BADEN. Kostenlose Zeitungen, billige Hefte und das Internet haben dem deutschen Pressegroßhandel ein Umsatzminus beschert. "Das erste Halbjahr ist nicht so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben", sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftengrossisten (Presse-Grosso), Werner Schiessl, heute auf der Pressekonferenz zur Jahrestagung in Baden-Baden. Er rechnet aber damit, dass neue Titel im Herbst den Umsatz wieder in Schwung bringen.

Im ersten Halbjahr setzte sich die leicht rückläufige Umsatzentwicklung fort: Der Umsatz ging um 0,58 % auf 3,05 Mrd. DM im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Die Zahl der verkauften Zeitungen und Zeitschriften sank um 1,43 %; insgesamt fanden rund zwei Mrd. Exemplare den Weg zum Leser. 1999 wurde ein Umsatz von 6,1 Mrd. DM (3,1 Mrd. Euro) erzielt. Das war ein Minus von 0,63 % im Vergleich zum Vorjahr. Bis zum Jahresende 2000 rechnet der Verband erneut mit einem leichten Umsatzminus. Relativ stabil sei der Zeitungsmarkt mit einem Umsatz zwischen 1,4 bis 1,5 Mrd. DM.

Die Leser wollen nicht länger zahlen

"Ein nachhaltiger Schaden entsteht uns durch die kostenlose Presse", sagte Schiessl. Leser würden nicht mehr einsehen, warum sie für Gedrucktes noch bezahlen sollen. Auch wer früh morgens die Olympia-Ergebnisse im Internet abrufen könne, finde nicht mehr den Weg zum Kiosk. Schiessl geht jedoch davon aus, dass die Verlage sich wieder auf die Presse konzentrieren und das Minus nicht noch größer wird.

Die erfolgreichsten Neutitel seit Juli 1999 waren "Computer Bild Spiele" (Axel Springer Verlag), "Viel Spaß" (Burda Medien) und "Avanti" (Heinrich Bauer Verlag). Ein Heft zu "Big Brother" (Ehapa) landete immerhin auf Platz Sechs. Vermehrt abgesetzt wurden Mode-, Handarbeits- und Bastelhefte. "TV Movie" (Bauer) war mit 1,75 Mill. verkauften Exemplaren im zweiten Quartal die auflagenstärkste Zeitschrift. Bei den Computerzeitschriften rangierte mit 840  58 Exemplaren "Computer Bild" ganz oben, bei den Frauenzeitschriften mit 1,53 Mill. die "Bild der Frau".

Rücklaufquote konstant bei 33 Prozent

Der Presse-Grosso betreut ein Ordersortiment von über 4 000 Titeln. Trotz eines jährlichen Zuwachses von 300 bis 400 neuen Titeln wurde der Anteil der vom Einzelhandel unverkauft zurückgegebenen Exemplare dank komplexer Regulierungssysteme weitgehend konstant gehalten. Die Remissionsquote lag im ersten Halbjahr bei der Stückzahl bei 33 %, wertmäßig bei 41,8 %. Insgesamt versorgen die Grossisten rund 120 000 Verkaufsstellen, darunter 20 000 Lebensmitteleinzelhändler, je 17 000 Fachgeschäfte und Bäckereien - letztere verzeichnen großen Zuwachs - sowie je 12 000 Tankstellen und Kioske. Von den 91 Grosso-Firmen sind 75 im Verband organisiert. Insgesamt sind im Pressegroßhandel 13 300 Mitarbeiter beschäftigt.

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