Umsatzverlust und Imageschaden
Produktpiraterie kostet nicht nur Adidas viel Geld

Hersteller von Markensportartikeln wie Adidas macht die zunehmende Produktpiraterie schwer zu schaffen. Allein die deutschen Zollbehörden haben im vergangenen Jahr Sportartikelplagiate im Gesamtwert von über 3 Milliarden Euro sichergestellt, wobei auf Fälschungen von Produkten der Adidas AG, -Salomon Herzogenaurach, ein Anteil von 1,267 Milliarden Euro entfalllen ist.



vwd MÜNCHEN. Mehr als sechs Millionen Adidas-Kopien wurden laut Konzern im vergangenen Jahr weltweit beschlagnahmt. Eine derartige Piraterie bedeute neben einem Umsatzverlust auch einen Imageschaden, betont Adidas-Sprecherin Anne Putz.

Der Sportartikelhersteller gibt sich deshalb alle Mühe, den Fälschern ihr Handwerk zu legen. Zwölf Mitarbeiter kümmern sich mittlerweile um tausende Fälle von Patentrechts- und Plagiatsstreitigkeiten sowie Verletzungen von Markenzeichen. Daneben schult das Unternehmen auch Zollbeamte, um ihnen die Aufdeckung derartiger Fälle zu erleichtern. Trotz dieser Anstrengungen dürften jedoch nur zwischen 10 und 15 Prozent der insbesondere in China hergestellten Raubkopien entdeckt werden, meint Putz. Gegen die ertappten Fälscher leitete adidas Klagen ein und bekam im vergangenen Jahr eine Schadensersatzsumme von 4,4 Mill. Dollar zugesprochen.

Plagiate sind immer schwieriger zu erkennen

Allerdings wird es nach Angaben des Konzern immer schwieriger, Fälschungen auf die Spur zu kommen. Zum einen produzierten die Fälscher in immer entlegeneren Gegenden Chinas und seien so schlechter zu finden seien. Zum anderen habe sich das Qualitätsniveau ihrer Produkte deutlich verbessert, so dass Plagiate inzwischen viel schwerer zu erkennen seien. Dementsprechend fürchtet adidas-Sprecherin Putz, dass im laufenden Jahr deutlich weniger adidas-Kopien beschlagnahmt werden, deren Palette von Trainigsanzügen über Sportschuhe bis zu Fußbällen reicht.

Ohne Grenzbeschlagnahmeantrag werden Zöllner nicht aktiv

Um Fälschungen aus dem Verkehr zu ziehen, bieten sich für Unternehmen nach Einschätzung von Georg A. Jahn, Rechtsanwalt bei Nörr Stiefenhofer Lutz, lediglich an der Grenze wirklichen Chancen. Deshalb haben nach Angaben des Experten im vergangenen Jahr fast 200 deutsche Unternehmen einen so genannten Grenzbeschlagnahmeantrag gestellt, ohne den die Zöllner nicht aktiv werden.



Vor gut zehn Jahren lag die Zahl der Antragsteller noch bei 24. Inzwischen kommen renommierte Unternehmen wie Puma, Siemens, BMW oder Audi ohne derartige Vorkehrungen nicht mehr aus. Allein im Vorjahr sind etwa Pkw-Ersatzteile im Volumen von einer halben Mrd EUR sichergestellt worden.

Den Anteil gefälschter Produkte am Welthandel schätzt der Aktionskreis Deutscher Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie auf rund 5 bis 10 Prozent. Nur an den Außengrenzen der EU seien im vergangenen Jahr rund 95 Millionen gefälschte Produkte beschlagnahmt worden.

Marke muss verteidigt werden

"Eine Marke ist immer nur so stark, wie sie verteidigt wird", betont dementsprechend Rechtsanwalt Jahn. Bei Adidas spiele allerdings nicht nur die klassische Produktpiraterie eine Rolle, auch Markenzeichenverletzungen müssten abgewehrt werden. So habe der Bundesgerichtshof etwa der Kaufhauskette C&A untersagt, Textilien mit zwei Streifen auf den Markt zu bringen und damit die Verbraucher in die Irre zu führen. Mit seinen Klagen ist der Sportartikelhersteller laut dem Experten für Produktpiraterie sehr erfolgreich. adidas habe bislang "alles vom Markt entfernt, was adidas-Produkten nahe kam", resümiert Jahn.

Auch in den USA will das Unternehmen mit den (orginal) drei Streifen verhindern, dass das populäre Markenzeichen von Trittbrettfahrern genutzt wird. Gegen das US-Unternehmen Steve Madden, das Sportschuhe sowohl mit zwei als auch mit vier Streifen anbietet, sei ebenfalls Klage eingereicht worden. Nach dem Erfolg vor dem deutschen Bundesgerichtshof ist dieser Fall laut Jahn für das Unternehmen "ein wichtiger Test", ob sich die Marke adidas auch im Ausland juristisch gegen Versuche durchsetzen kann, von seinen unverkennbaren Zeichen zu profitieren.

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