Umsatzvolumen soll 2003 auf 1 Mrd. Euro steigen
Baubranche rechnet mit Schub um 20 Prozent

Jonas Jakimavicius, Geschäftsführer des Verbands der litauischen Bauwirtschaft, Lietuvos Statybininku Asociacija, zeigt sich angenehm überrascht: An das stürmische Entwicklungstempo, das die 2 500 Unternehmen zählende Branche in der ersten Jahreshälfte vorgelegt hat, hatte er selbst in seinen kühnsten Träumen nicht zu glauben gewagt. Angesichts von Zuwächsen von 20 % und 28 % in den beiden ersten Quartalen ist die Verbandsprognose für das Gesamtjahr 2003 längst zu Altpapier verkommen.

VILNIUS. Nahezu alle Bereiche der Baubranche - allen voran der Wohnungsbau sowie Büro- und Einzelhandelsobjekte - scheinen stärker als erwartet von der positiv gestimmten Investitionsneigung im Lande zu profitieren. Statt den Aufschwung der Vorjahre mit einem Plus von "nur" 10 % fortzusetzen, könnte die Branche dem Verbandschef zufolge im Gesamtjahr erstmals um 20 % wachsen. Und selbst mit dieser Rekordbewertung bewegt sich Jakimavicius noch deutlich unter den Prognosen der Branchenanalysten.

Vor allzu übertriebenen Erwartungen warnt jedoch das litauische Statistikamt in seinem Ende August für den Bausektor veröffentlichten Geschäftsklimaindex. Nach einer monatelangen Hausse wies dieses Stimmungsbarometer erstmals wieder einen leichten Rückgang auf. Mit einem Anteil von 56 % beurteilte im August aber immer noch eine deutliche Mehrheit aller Akteure des litauischen Baumarktes ihre Auftragsbücher im Vorjahresvergleich als wesentlich besser gefüllt. 2003 könnte somit zum ersten Jahr in Litauens jüngerer Geschichte werden, in dem die Bauleistungen einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. Euro erreichen.

Auch die Aussichten darauf, dass nach dem EU-Beitritt das Geschäft der in Litauen mit Hoch- und Tiefbauarbeiten beschäftigten Firmen ähnlich wie bisher florieren wird, sind aktuell kaum anzuzweifeln. Maßgeblich sind für Jakimavicius vor allem zwei positive Faktoren: Zum einen stünden von EU-Seite Mittel aus Strukturfonds in nennenswertem Umfang in Aussicht. Zum anderen sei dank der äußerst robusten Verfassung der einheimischen Volkswirtschaft kein Einbruch der Investitionsneigung bei Wohn- und Geschäftsobjekten zu erwarten.

Der Verband erwartet, dass im Zuge der voranschreitenden Einkommensverbesserungen der Bauboom letztlich auch in stärkerem Maße auf die bisher vernachlässigte Provinz überschwappen wird. Gegenwärtig ist noch eine deutliche Konzentration der Bauvorhaben auf die Hauptstadt Vilnius sowie die nächstgrößeren Städte Kaunas und Klaipeda zu konstatieren. 2002 befanden sich nahezu drei Viertel aller im Land gezählten Baustellen in oder in der Nähe dieser drei Städten, die ihrerseits aber lediglich für ein Drittel der 3,4 Mio. Litauer den Lebensmittelpunkt darstellten.

Auch wenn der Bauboom ausländische Wettbewerber locken sollte, hält der Verband dies für unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Litauische Baufirmen erwägen bereits, wie sie sich in Deutschland oder Frankreich engagieren, wo sie sich gerne um Aufträge bewerben würden. "Die Marschrichtung", meint Verbandschef Jakimavicius, "zeigt eindeutig nach Westen".

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