Umsatzzuwächse haben sich im Februar abgeschwächt
Deutscher Einzelhandel bremst Dynamik im Euro-Raum

Der deutsche Einzelhandel bleibt das Schlusslicht im Euro- Raum. Wie die EU-Statistikbehörde Eurostat mitteilte, hat sich das Wachstum der Einzelhandelsumsätze im Februar in der Euro-Zone preisbereinigt im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 1,2 % verringert. Im Januar lag der entsprechende Wert noch bei 2,6 %.

bbl DÜSSELDORF. Für Deutschland errechneten die Statistiker ein Minus von 3,3 %, was auf Grund der arbeitstäglichen Bereinigung geringer als der vom Statistischen Bundesamt ausgewiesene Rückgang ist. In der gesamten Europäischen Union lagen die Umsätze 1,9 % über dem Vorjahr.

Damit dürfte der Einzelhandel im Euro-Raum im ersten Quartal kaum mit dem Wachstum der gesamten Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte Schritt gehalten haben. Bereits seit längerem sinkt der Anteil des Einzelhandels an den privaten Konsumausgaben, vor allem zu Gunsten der Dienstleistungen aus dem Finanz- und Gesundheitsbereich. In Deutschland floss im letzten Jahr gerade noch ein Drittel der Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte in den Einzelhandel.

Doch auch der private Konsum insgesamt dürfte sich in der Euro-Zone im ersten Quartal schwächer entwickelt haben, als Ökonomen noch bis vor kurzem vor dem Hintergrund der seit Jahresbeginn wirksamen Steuererleichterungen in zehn der zwölf Euro-Länder prognostizierten. Nach Schätzungen der Commerzbank steigen die verfügbaren Einkommen in der Euro-Zone in diesem Jahr nominal um 4,6 % oder etwa 184 Mrd. Euro. Knapp 55 Mrd. Euro davon entstehen durch die Steuerentlastungen für private Haushalte und Unternehmen, wie die Ökonomen von Deutsche Bank Research errechnen.

Ernüchterung bei Analysten

Mittlerweile ist unter den Analysten Ernüchterung eingetreten. Die Konsumprognosen werden nach unten revidiert und liegen derzeit mehrheitlich bei 0,7 % für das erste Quartal zum Vorquartal. Schuld sind die zugeknöpften deutschen Verbraucher. Für Deutschland wird nur noch ein Plus von 0,4 % vorhergesagt.

Gemessen an den erwarteten Zuwächsen in anderen Euro-Ländern ist dies mäßig - und erstaunlich, denn auf die Bundesrepublik entfällt mit 23 Mrd. Euro der Löwenanteil der Steuererleichterungen in der Region. Selbst wenn man neue fiskalische Belastungen gegenrechnet, wie dies die Ökonomen der Commerzbank getan haben, so entspricht die Entlastungswirkung in Deutschland noch 1,3 % des verfügbaren Einkommens.

Ein anderes Bild bietet sich jenseits des Rheins. Während die Konsumausgaben in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte rückläufig waren, sind sie in Frankreich noch kräftig gestiegen. Das Verbrauchervertrauen hat inzwischen zwar an Schwung verloren. Doch die Käufe von Industriewaren durch die privaten Haushalte, der Gradmesser der Konsumentwicklung in Frankreich, haben nach einer leichten Schwäche zu Jahresbeginn im März wieder ordentlich zugelegt.

Zukunftsangst könnte Konsumlaune zügeln

Ökonomen führen die gespaltene Entwicklung der vergangenen Monate vor allem auf die unterschiedlich starken Nachwirkungen der Ölpreiserhöhungen zurück. Die deutschen Verbraucher mussten stärkere Einbußen ihrer realen Kaufkraft hinnehmen als die Franzosen. Zum einen hat die Verteuerung des Rohöls auf Grund der geringeren Ölabhängigkeit der französischen Industrie weniger heftig auf die Erzeuger- und Verbraucherpreise durchgeschlagen. Drei Viertel des Energiebedarfs werden in Frankreich durch die Atomindustrie gedeckt. Zum anderen wurde der Kaufkraftentzug in Frankreich bereits im vergangenen Jahr durch Senkungen der Mehrwertsteuer und der Mineralölsteuer abgefedert, während in Deutschland zum Jahresbeginn die Ökosteuer erhöht wurde.

Auch die Situation am Arbeitsmarkt hat sich in Frankreich günstiger für die privaten Haushalte entwickelt. Der rasche Beschäftigungsaufbau hat sich im ersten Vierteljahr 2001 dort fortgesetzt. In Deutschland hingegen wird er immer schwächer.

Vielleicht zügelt ja auch die Zukunftsangst die Konsumlaune der Deutschen. So hat Nicolas Sobczek vom US-Investmenthaus Goldman Sachs festgestellt: "In Deutschland reagiert der private Konsum viel träger auf fiskalische Impulse als in anderen Ländern. Die deutschen Verbraucher gehen erst sicher, dass der Einkommenszuwachs dauerhaft ist, bevor sie die Geldbörse öffnen."

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