Umschichtung in defensive Titel
Dax erholt sich vom Tagestief

Zum Mittag zeigen sich die Aktienkurse in Frankfurt weiter schwächer. Der DAX verliert bis 12.33 Uhr 1,4 % oder 84 Punkte auf 5 855 Zähler, nachdem er zeitweise über 100 Punkte eingebüßt hatte. Die Umsätze am Vormittag seien allerdings noch relativ dünn, da viele Anleger auf die am Donnerstag stattfindende EZB-Sitzung warteten.

vwd FRANKFURT. - Auch scheint das Interesse am Markt etwas verlorengegangen zu sein. Hinzu kamen die M3-Zahlen, die im Verlauf des Vormittags für Unruhe sorgten. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung sei kleiner geworden, meinen Händler.

Nach dem rasanten Anstieg der Kurse in der letzten Tage setzten einige Tauschorders aus den Technologieaktien in defensivere Werte wie Autos und Chemie ein, berichten Marktbeobachter. Auch die erneute Gewinnwarnung von Nortel für das erste Quartal bestätige diese Tendenz. Das US-Konsumentenvertrauen sorgte am Vortag einmal mehr für einen Kursanstieg an Wall Street. Die Interpretation der Zahlen läßt einen weniger harten konjunkturellen Einbruch als befürchtet zu, heißt es am Morgen im Handel. Dies habe bereits im Dax-Schlusskurs seine Auswirkungen gezeigt. Einige große Banken seien durch Kaufbaskets mit hohen Volumina bei der Schlussauktion zu sehen gewesen, berichten Marktteilnehmer.

Händler erwarten nach der schwachen Eröffnung ein Anziehen der Kurse und rechnen mit mehr oder weniger unveränderten Kursen gegen Ende des Tages. Im Verlauf bleibt es bei den starken Abgaben in den Technologietiteln. Sie verlieren im Schnitt 2,4 %, gefolgt von Finanztiteln, die 0,8 % abgeben.

Das Joint Venture zwischen Shell und DEA steht am Vormittag weiter im Mittelpunkt. Wie beide Gesellschaften ad hoc mitteilten, sollen ihre Aktivitäten im deutschen Tankstellen- und Raffineriegeschäft mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Juli 2001 in ein Joint-Venture-Unternehmen eingebracht werden. RWE tanken - begleitet von steigendem Volumen - auf, und legen um 2,7 % auf 40,31 EUR zu. Die Versorger stemmen sich mit einem Plus von 2,2 % gegen den Markt.

Deutsche Telekom verlieren gut 0,1 % auf 28,16 EUR, nachdem sie am Morgen bereits über drei Prozent verloren hatten. Am Vortag waren große Fonds massiv in die Deutsche Telekom Aktien eingestiegen. Die Aktie habe nun mit einem weiteren Wertberichtigungsbedarf in Höhe von zwei bis drei Mrd. EUR zu rechnen, berichtet das Anlegermagazin "Die Telebörse" in seiner Donnerstagsausgabe. "Na Super, das belastet mal wieder den Kurs", kommentiert ein Händler die Nachricht. Auch sei es ein "Unding", dass es sich dabei nicht um ein Versehen handeln soll, sondern um ein bewußtes Herausputzen für den Börsengang. "Das ist eine bewußte Täuschung des Anlegers und sollte bestraft werden", ergänzt ein Marktteilnehmer.

Infineon fallen um 2,4 % auf 45 EUR. Einerseits sei es natürlich sehr positiv, wenn die DRAM-Preise - wie angekündigt - steigen sollten, andererseits sei die neuerliche Nortel-Gewinnwarnung belastend für die Aktien. Siemens kann ebenso nicht von den guten Nachrichten profitieren. Die Aktien verlieren 2,2 % auf 122,25 EUR. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, planen Siemens und ihr französischer Konkurrent Alstom eine engere Kooperation. Die Nachricht, man denke an gemeinsame Angebote schon vor dem Eurotrain, wurde am Morgen im Handel sehr positiv aufgenommen.

"Das ist doch endlich mal eine positive Nachricht für die Deutsche Bank ", kommentierte ein Händler die Nachricht, dass AR-Chef von Boehm-Bezing in Kürze seinen Stuhl räumen werde. Dem Kurs half es wenig. Er sank im Verlauf des Tages um knapp zwei Prozent auf 83,46 EUR. Im Mittelpunkt der Bilanzpressekonferenz der Commerzbank am Mittwoch in Frankfurt steht die strategische Ausrichtung, eingerahmt von den Erläuterungen zum Jahresabschluss 2000. Erste Eckdaten hatte das Institut bereits im Februar bekannt gegeben. Martin Kohlhaussen sagte, seine Bank sei "gedämpft optimistisch" für 2001. Dennoch bleiben Commerzbank eine der wenigen Kursgewinner mit einem Anstieg von 1,2 % auf 29,32 EUR.

Daimler-Chrysler leiden unter einer Gewinnwarnung von Mitsubishi für das Jahr 2000. Die Aktien verlieren 2,8 % auf 50,28 EUR, während VW und BMW anziehen. VW legen 0,3 % auf 54,05 EUR zu und BMW 1,2 % auf 35,80 EUR. Lufthansa können ihren Vormittagsgewinn nicht mehr halten und verlieren 0,7 % auf 20,64 EUR. Auch Allianz zeigen sich deutlich im Minus. Hier sprechen Händler von der anhaltenden Tauschoperation in einen Europäischen Finanztitel. Die Aktien verlieren 2,6 % auf 322,33 EUR.

Der MDAX liegt mit 0,4 % bei 4 474 Zählern leicht im Minus. Auffällig hier die Bewegung von Wedeco, die fünf Prozent auf 31,50 EUR zulegen können. Händler begründen den Anstieg mit einer Kaufempfehlung. ProSiebenSat1 zählt einmal mehr zu den Verlieren. Die Aktien geben 4,8 % auf 20 EUR ab. Der Nemax 50 handelt 1,7 %, der Nemax-All-Share 0,9 % leichter. Die Futures auf die US-Märkte zeigen sich im Minus. Der S&P-500-Future gibt 1,1 % auf 1 177 Punkte ab, während der Nasdaq-Future 2,2 % auf 1 715 Zähler verliert.

Der Bund-Future, der führende Juni-Terminkontrakt auf den Rentenmarkt, zeigt sich gut behauptet. Er klettert sechs Ticks auf 109,61 %. Das Fixing für die Feinunze Gold lag in London bei 261,20 $ nach 262 $ am Vortag.

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