Umschuldung der Euroanleihen Argentiniens bringt schmerzhafte Einschnitte: Analyse: Nun trifft es auch die Privatanleger

Umschuldung der Euroanleihen Argentiniens bringt schmerzhafte Einschnitte
Analyse: Nun trifft es auch die Privatanleger

In der Nachkriegszeit galten Euroanleihen von Staaten über Jahrzehnte als sichere Bank. Gleichgültig wie schlecht es Ländern ging - die am Eurobondmarkt in verschiedenen Währungen begebenen internationalen Anleihen wurden nicht angetastet. Die maroden Staaten baten bei notwendigen Umschuldungen nur die im Pariser Club organisierten Gläubigerstaaten und die Banken zur Kasse. Damit ist jetzt endgültig Schluss.

Der Fall Argentinien zeigt, dass auch bei Umschuldungen in hoher zweistelliger Milliardenhöhe die Eurobonds nicht mehr außen vor bleiben.

Die Privatanleger sind mit dabei und bekommen zu spüren, was es heißt, in Schwellenländer zu investieren. Die hohen Kupons gibt es eben nicht aus purer Lust und Laune. Mit ihnen ist ein hohes Risiko verknüpft. Dies hat sich bereits in den Fällen Ukraine und Ecuador gezeigt, wo die Investoren schon zur Kasse gebeten wurden. In einem viel größeren Ausmaß ist dies bei Argentinien der Fall.

Die Anleger müssen sich wohl oder übel auf mehrere Dinge einstellen: Um eine deutliche Reduzierung der Schuldenquote zu erreichen, wird Argentinien den Nominalbetrag der ausstehenden Anleihen wahrscheinlich um mindestens 30 Prozent herabsetzen. Außerdem ist eine Verlängerung der Laufzeit der Bonds wahrscheinlich. Und drittens ist von einem Kupon auszugehen, der deutlich niedriger liegt als bisher.

Die Entwicklung, wie sie sich heute zeigt, hat sich schon vor Jahren angedeutet. Immer mehr Staaten mit wackeligem Fundament nutzten den Eurobondmarkt, um sich zu attraktiven Konditionen Geld zu beschaffen. Deshalb hat der Internationale Währungsfonds schon vor Jahren gedrängt, die Halter von Eurobonds mit einzuschließen, wenn Staaten ihre Zinszahlungen oder Tilgungen für Kredite und Anleihen aussetzen oder um einen teilweisen Schuldenerlass nachsuchen. Das eröffnet allerdings für staatliche Schuldner nicht Tür und Tor, sich nach Gutdünken zu verschulden und danach einfach - koste es was es wolle - die Rückzahlung zu kürzen. Es gibt eine Leidensgrenze für die Gläubiger. Denn bei allem Verständnis für die missliche Lage etwa im Fall Argentinien: Auch bei einer zwangsweisen Umschuldung ist die Akzeptanz der Gläubiger bedeutsam. Denn die Länder hoffen, dass mit ihren Maßnahmen die Lage wieder besser wird und wollen dann wieder an den Kapitalmarkt zurückkommen. Das ist jedoch nur möglich, wenn das Ansehen des Staates bei den Investoren möglichst wenig beschädigt wird. Auch die künftigen Finanzierungskosten, also die Höhe der Zinsscheine, werden davon abhängen.

Außerdem wollen Länder wie Argentinien eine Klagewelle gegen sich vermeiden, die alles nur noch viel schwieriger machen würde. Sie sind daher an einer weitgehenden Annahme des von ihnen diktierten Umschuldungsangebots interessiert. Je breiter die Streuung der Anleihen ist, desto schwerer wird es, von allen Gläubigern die Zustimmung zu erhalten. Eine Zustimmungsquote von 100 Prozent ist nahezu unmöglich. Das gilt auch für Argentinien.

Bei Anleihen in Dollar reicht in der Regel eine drei Viertel Mehrheit in der Gläubigerversammlung. Das erleichtert eine Einigung. Nach deutschem Recht begebene Bonds sehen dies jedoch nicht vor. Und davon gibt es eine ganze Menge. Argentinien muss dies beachten, wenn es die Finanzbeziehungen zum Ausland nicht aufs Spiel setzen will. Mittelfristig ist es jedoch auch in Deutschland nötig, zu einer praktikableren Lösung zu kommen. Über Mehrheitsentscheide und andere rechtliche Regelungen muss es möglich sein, eine geordnete Neustrukturierung von Anleiheschulden zu erlauben.

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