Umstellung als Erfolg des Fan-Boykotts
Bundesliga will neuem Sendeplatz für "ran" zustimmen

Die Fußball-Fans haben mit dem Boykott von "ran" die Manager der Kirch-Gruppe und die Verantwortlichen der Bundesliga zu einer Korrektur gezwungen: Die Fußball-Sendung von Sat.1 erhält wieder einen früheren Sendeplatz. Offen ist nur noch, um welche Uhrzeit die Sat.1-Sendung beginnen wird (18.30 Uhr oder 19.00 Uhr) und wann die Umstellung vom 20.15 Uhr-Beginn auf den früheren Zeitpunkt erfolgt.

dpa HANNOVER. Darüber wird in den nächsten Tagen innerhalb der Kirch-Gruppe verhandelt. Sie ist für jährlich 750 Mill. DM (383 Mill. Euro) Inhaber der TV-Rechte, zu ihr gehört auch Sat.1 und der Pay-Sender Premiere. Die unter dramatischem Zuschauerschwund leidende Fußball-Sendung soll weiterhin anderthalb Stunden dauern.

In einer ersten Stellungnahme ließ Michael Pfad als Sprecher der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Zustimmung seiner Organisation zu der Korrektur erkennen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns dagegen sperren, wenn ein solcher Wunsch an uns herangetragen wird", sagte Pfad. Zugleich wies er auf das Zustimmungsrecht der DFL hin. Noch deutlicher wurde Liga-Chef Werner Hackmann: "Der Wunsch auf Verlegung auf 20.15 Uhr ist nicht von der Liga gekommen, sondern von der Kirch-Media. Insofern wäre gegen eine Vorverlegung nichts einzuwenden." Dafür bedürfe es jedoch noch einiger Gespräche.

Zurückhaltender äußerte sich Gerhard Mayer-Vorfelder als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Er sprach von einem "Problem der Kirch-Gruppe und der DFL". Für den DFB-Präsident ist es "verfrüht, bereits nach drei Spieltagen eine andere Entscheidung zu treffen". Generell meinte Mayer-Vorfelder: "Der Fußball hat unter der ganzen Diskussion sehr gelitten."

Abstimmung per Fernbedienung

Den Fußball-Anhängern ist mit der Abstimmung per Fernbedienung der zweite Sieg gelungen. Vor der Saison war der Spielplan, vor allem auf Druck der "18.30 Uhr-Initiative", gestrafft und dabei der Freitag als Spieltag gestrichen worden. Die Samstags-Sendung um 20.15 Uhr war zusehends mit Missachtung gestraft worden, am vergangenen Wochenende schauten im Schnitt nur noch 1,68 Mill. Menschen zu. Bereits vor diesem weiteren Einbruch hatten Sponsoren, Sat.1-Werbekunden und Vereinsmanager immer deutlichere Kritik formuliert und den Druck erhöht.

Mitarbeiter von Sat.1 haben am Montag von der Entscheidung, "ran" wieder eher zu zeigen, zuerst informiert. Die Kirch-Gruppe wollte die Änderung der Anfangszeit offiziell noch nicht bestätigen, verwies aber auf Gespräche innerhalb des Unternehmens, die bereits liefen. "Es sind noch viele Frage offen", sagte ein Kirch-Sprecher, der die Verlegung aber ausdrücklich nicht dementieren wollte.

Italienisches Modell vom Tisch

Vom Tisch soll das so genannte italienische Modell sein. Danach wäre die erste Zusammenfassung des Ligageschehens kurz nach Spielschluss nur 20 bis 30 Minuten lang gewesen. Eine Mini-Version von "ran" würde aber zu wenig Zeit bieten, um die notwendigen Werbeeinnahmen zu erzielen. Bliebe also nur noch ein Weiter-Verkauf, um einen Teil Bundesliga-Rechte zu refinanzieren, die jährlich 750 Mill. DM kosten. "Grundsätzlich ist das Erste immer an erstklassigem Fußball interessiert", sagte ein ARD-Sprecher am Montag. Doch der Preis für die Kurz-Zusammenfassung der 1. Liga dürfte derzeit kaum zu bezahlen sein. Angesichts der geschätzten 70 Mill. DM, die das ZDF schon für die Zweitverwertung zahlen muss, wären mindestens 150 Mill. DM als Preis für die Erstrechte zu erwarten.

Offen ist noch, wann "ran" auf einen früheren Sendeplatz wandert. Der erste Spieltag nach der Länderspiel- und Pokalpause am 9. September käme wahrscheinlich aus organisatorischen Gründen zu schnell. Die nächste Zwei-Wochen-Pause zwischen dem achten und neunten Spieltag endet am 13. Oktober. Die zweite offene Frage betrifft die exakte Anfangszeit. Statt des ursprünglichen 18.30 Uhr-Beginns ist auch 19.00 Uhr möglich.

Kein auffälliger Zuwachs an neuen Premiere-World-Kunden

"ran" war vor der Saison auf 20.15 Uhr verlegt worden, vor allem um den Abo-Verkauf bei Premiere anzukurbeln. Doch der ebenfalls zur Kirch-Gruppe gehörende Pay-TV-Sender konnte bisher keinen auffälligen Zuwachs an neuen Kunden vermelden. Zuletzt hatte Premiere rund 2,3 Mill. Kunden.

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