Umstellung auf IAS bis 2005
SEC steht IAS-Regeln kritisch gegenüber

Gemeinsame Grundsätze für die Rechnungslegung in europäischen und US-Unternehmen wird es allenfalls langfristig geben. Im Gespräch mit dem Handelsblatt dämpfte EU-Kommissar Frits Bolkenstein entsprechende Hoffnungen.

HB WASHINGTON. Mit hohen Erwartungen war EU-Kommissar Frits Bolkestein in die USA gereist. Er hatte vom "gemeinsamen transatlantischen Finanzmarkt" gesprochen. In Washington wurden seine Hoffnungen jedoch gedämpft: Harvey Pitt, Chef der US-Börsenaufsicht, begrüßte zwar jede Zusammenarbeit und Verknüpfung der Finanzmärkte. Von seinen Standards und Regeln will sich Pitt aber auch nach dem Enron-Skandal nicht trennen.

"Wir stimmen überein, dass die Accounting-Systeme umgestellt werden müssen, um einen gemeinsamen transatlantischen Finanzmarkt zu erreichen", sagte der EU-Binnenmarkt- und Steuer-Kommissar dem Handelsblatt. "Es ist mein Ziel, bis Ende kommenden Jahres eine Regelung gefunden zu haben." Frühestens 2005 könnten dann europäische Unternehmen mit einem Jahresabschluss nach den International Accounting Standards (IAS) an US-Börsen gelistet werden.

Auf diesen Zeitplan konnte er sich allerdings nicht mit Pitt einigen. SEC-Sprecher John Nester nannte das Treffen entsprechend "informativ und produktiv". Pitt zeige sich zuversichtlich, an den gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Unternehmen, die an deutschen und US-Börsen notiert sind, müssen bisher zwei Jahresabschlüsse vorlegen: nach den Generally Accepted Accounting Principles (GAAP) für die US-Börsen, nach IAS oder derzeit noch alternativ nach Handelsgesetzbuch für die deutschen Börsen.

In den 90er Jahren hatte US-GAAP auch in Europa immer mehr Befürworter gefunden. Nach der Enron-Pleite steht der Accounting-Standard jedoch in der Kritik. Der Vorwurf: Das Fälschen von Bilanzen soll unter GAAP problemlos möglich sein.

Brüssel hat daraufhin beschlossen, dass in allen EU-Mitgliedsländern bis 2005, in Ausnahmen bis 2007, die Jahresabschlüsse einheitlich auf IAS umgestellt werden. Bolkestein wollte, dass dieser europäische Standard auch an den US-Märkten anerkannt wird.

Die SEC äußerte sich bisher kritisch gegenüber einer Zulassung von IAS. Sie sei darauf bedacht zu vermeiden, dass Unternehmen für ihre Rechnungslegung die weichsten Regeln wählten, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme. Die US-Politik kritisiert zwar GAAP. Doch auch der US-Kongress sieht bisher keine Veranlassung, GAAP an IAS anzupassen. Vielmehr erarbeitet er Zusätze für den US-Standard. Sie sollen sicherstellen, dass künftig falsche Rechnungslegungen zumindest erschwert werden.

Bolkestein nannte es "naiv und selbstgefällig" zu glauben, dass der Enron-Skandal nicht auch in Europa hätte passieren können. "Ich glaube aber, dass IAS es zumindest erschwert hätte", sagte der frühere Manager von Royal Dutch Shell. Die EU habe eine Reihe von Problemen bereits in ihrem Financial Service Action Plan (FSAP) identifiziert. 1999 war mit dem Aktionsplan der EU für Finanzdienstleistungen begonnen worden. Unter anderem durch die Einführung von IAS sollten im FSAP angesprochene Fehler künftig vermieden werden.

Hoffnungen auf einen gemeinsamen Accounting-Standard für die USA und Europa, die Bolkestein vor seinem Besuch geweckt hatte, dämpfte er. Er nannte sie ein "langfristiges Ziel". Große Unterschiede gibt es z.B. noch bei Aktienoptionen. Im Gegensatz zu GAAP müssen diese nach IAS als Ausgabe gebucht werden. "Aktienoptionen haben einen Wert und müssen daher in der Bilanz auftauchen", sagte Bolkestein.

Diese Regelung befürwortet unter anderem auch US-Notenbankchef Alan Greenspan. Die meisten amerikanischen Unternehmen stehen der Idee jedoch ebenso wie Harvey Pitt feindlich gegenüber. Eine Änderung ist daher nicht in Sicht.

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