Umstellung bringt Abschied von der magischen 1-DM-Grenze
Automatenhersteller können mit dem Euro neu kalkulieren

Der Euro kommt - und er kostet eine Menge Geld. Das gilt vor allem für die Automatenwirtschaft, die nach Schätzungen in Deutschland rund 2,4 Mill. Münzautomaten für Getränke, Zigaretten oder Kaugummi betreibt. Die Aufwendungen für die Umstellung gehen in die Milliarden, die die mittelständisch geprägte Branche komplett aus eigener Tasche finanzieren muss.

dpa STUTTGART. Doch Automat ist nicht gleich Automat - das Spektrum der von der Euro-Umstellung betroffenen Komponenten reicht von Software-gesteuerten elektronischen Münzprüfern bis zu den einfachen Münzträgerplatten, die in den meisten der rund 300 000 Kaugummi- Automaten stecken. Experten erwarten, dass es im Laufe des Jahres zu zahlreichen Übernahmen und Geschäftsaufgaben kommt.

"Es ist ein Kraftakt, den keine andere Branche zu bewältigen hat", sagt Norbert Monßen vom Bundesverband Deutscher Verpflegungs- und Vending-Unternehmen, der sich für seine Mitglieder sogar «zehn Gebote» der Euro-Umstellung ausgedacht hat. Teure Automaten, die sowohl DM als auch Euro erkennen und annehmen, stellen sich vollständig um, wenn die meisten Kunden die neue Währung einwerfen.

Um den Umsatzverlust möglichst gering zu halten, müssten weniger intelligente Automaten daher genau zu diesem Zeitpunkt ausgetauscht werden. Doch niemand weiß, ob das am 10. oder 20. Januar 2002 der Fall sein wird - mit DM-Münzen darf laut Gesetz noch bis zum 28. Februar bezahlt werden. Einige Automaten zum Beispiel in Betriebskantinen werden gleich auf bargeldloses Bezahlen umgerüstet.

Die Umstellung betrifft aber nicht nur die Technik der Maschinen, sondern auch die Preise. Die Aufsteller von Spielautomaten machen dabei ein schlechtes Geschäft; denn der staatlich vorgeschriebene Preis von 40 Pfennigen pro Glücksspiel wird auf 20 Cent abgerundet.

Der Preis für ein Kaugummi wird sich verdoppeln

Anders sieht es bei den Warenautomaten aus: Kaugummis kosten künftig statt zehn Pfennigen zehn Cent, und für einen Ritt auf einem elektronischen Schaukelpferd muss nicht mehr 1 DM, sondern 1 ? eingeworfen werden. Nils Miksch, Geschäftsführer der Kinderplanet GmbH im hessischen Buseck, zeigt sich erleichtert über die unverhofften Mehreinnahmen. "Die Branche hat in in den letzten zehn Jahren keinen Spaß gehabt", meint er. Der 1-DM-Preis habe nicht verändert werden können, obwohl Mehrwertsteuern und Materialkosten anzogen.

Auf der anderen Seite stehen mehr als 250 000 DM (128 000 ?) Kosten, die Kinderplanet bei einem Jahresumsatz von zwei Mill. DM für die Umstellung - Personalaufwand nicht eingerechnet - aufbringen muss. Trotz der zu erwartenden höheren Umsätze könnten diese Kosten erst in drei bis vier Jahren wieder ausgeglichen werden. Viele Unternehmen, die wegen geringer Margen keine Rückstellungen bilden konnten, stehen daher vor dem Aus.

Nach Schätzungen des Bundesverbands der Warenautomatenaufsteller gerät jeder vierte durch den Euro in Existenznot. Zum Beispiel Bernd Beyer, der in Hildburghausen (Thüringen) einen Ein-Mann-Betrieb für Kondomautomaten leitet. Er überlegt, ob er umsatzschwache Automaten stilllegt. "Andererseits verkaufen wir ja Volksgesundheit", sagt der Unternehmer.

Kommunale Unternehmen wälzen Umstellungskosten auf den Steuerzahler ab

Experten rechnen mit einer Konsolidierung in der Branche: Gerade ältere Betriebsinhaber würden sich die Umstellung nicht mehr zumuten und aufgeben oder an die Konkurrenz verkaufen. Davon nicht betroffen sind kommunale Unternehmen wie Verkehrsbetriebe, die sich die Umstellung ihrer Automaten letztlich vom Steuerzahler finanzieren lassen.

Dafür richtet man sich zum Beispiel in Hamburg und Karlsruhe darauf ein, in den ersten Januarwochen 2002 auch mal ein Auge zuzudrücken, wenn ein Passagier in der U-Bahn keinen Euro für eine Fahrkarte dabei hat. Wer allerdings keine "annehmbare Ausrede" weiß, sagt Judith Houy von den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK), wird wie bisher als Schwarzfahrer zur Kasse gebeten - und zwar mit 30 ?.

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