Umstellung der Deutschen Börse auf Free Float bewegt den Aktienmarkt
Anleger sollten nicht allein nach Indexgewicht kaufen

Siemens, Deutsche Bank und Eon gefragt, Deutsche Telekom, BMW und VW bei den Verlierern: Die am Mittwoch nach Börsenschluss veröffentlichten vorläufigen Listen zur Indexumgewichtung zählen am deutschen Aktienmarkt derzeit zu den bestimmenden Themen.

scc FRANKFURT/M. Ab dem kommenden Montag (24. Juni) wird die Deutsche Börse ihre Indizes nicht mehr nach allen zum Handel zugelassenen Aktien berechnen, sondern nach den tatsächlich an der Börse verfügbaren Titeln, sprich dem Streubesitz. Diese so genannte Free-float-Regel führt dazu, dass sich das Gewicht vieler Einzeltitel im Deutschen Aktienindex (Dax) deutlich verändern wird - und damit auch die Nachfrage bei den Anlegern.

Die Entwicklung, mögliche Indexgewinner zu kaufen und umgekehrt potenzielle Verlierer zu verkaufen, ist nicht erst seit dem gestrigen Handel zu beobachten. Viele Analysten befassten sich in den vergangenen Wochen bereits mit der anstehenden Entscheidung, so dass bereits im Vorfeld heftig spekuliert wurde. Das Gros der Analysten sagte die Gewinner- und Verlierer der Indexumstellung richtig voraus.

Für den Anleger stellt sich die Frage, ob er die Indexgewinner nun kaufen soll. "Nein, das wäre zu kurzsichtig", sagte bereits im Vorfeld Eicke Reneerkens von Union Investment. Zwar werde die Gewichtungsumstellung im Dax für die Index-Gewinner positive Kursimpulse bringen. Deren Stärke lasse sich aber überhaupt nicht prognostizieren. Zudem sollte beim Kauf einer Aktie auf fundamentalere Dinge als auf das Indexgewicht geachtet werden. "Privatanleger sollten jetzt auf keinen Fall blind die Gewinner dieser Umstellung kaufen oder die Verlierer verkaufen", so der Fondsmanager. Als Beispiel führt er die Umstellung des MSCI-World Aktienindex zum 31. Mai dieses Jahres an. Damals hatten sich viele Händler mit kurzfristig angelegten Investments die Finger verbrannt.

Die am Mittwochabend vorgelegte Liste bringt dem Anleger viele neue Erkenntnisse. So hat sich das Gewicht der Top 10 im Dax von 68,53 auf 73,16 % vergrößert. Stärkste Branche ist nicht mehr der Telekom-Bereich, sondern Software.

Allgemein bewerten Experten die Indexumgewichtung für den Anleger positiv. Mit der Umstellung auf Free-float passt sich die Deutsche Börse zudem einem internationalen Trend an. Erste Erfahrungen gibt es bereits in Großbritannien, wo der FTSE-Index im Juni 2001 auf Free-float-Gewichtung umgestellt wurde. "Die Erfahrungswerte mit Unternehmen und Investoren signalisieren uns eine klare Zustimmung", so Daniel Winkler von FTSE. Durch die im internationalen Vergleich frühe Einführung gab es sogar einige Großanleger, die ihre Investments ab dieser Zeitpunkt verstärkt in FTSE-Indizes durchführten.

Quelle: Handelsblatt

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