Umstellung der Eurospar-Märkte auf das neue Intermarché-Konzept liegt zunächst auf Eis
Neuer Spar-Vorstand plant radikale Einschnitte

Die Spar Handels-AG soll durch eine radikale Umstrukturierung in achtzehn Monaten die Gewinnschwelle erreichen. Die Handelsgruppe wird sich auf drei Vertriebslinien konzentrieren - den selbständigen Einzelhandel, die Netto-Discounter und Eurospar. Die übrigen Unternehmensteile stehen offenbar zum Verkauf.

lip HAMBURG. Fritz Ammann, neuer Vorstandsvorsitzender der Spar Handels-AG in Schenefeld, verschärft die Gangart: Der sanierungserfahrene Deutsch-Schweizer will mit den bislang eher halbherzig durchgeführten Umbau-Bemühungen des ausgeschiedenen Vorstandschefs Arwed Fischer Schluss machen und in den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten die mehrheitlich zur französischen ITM Enterprises S.A. gehörende Gesellschaft radikal umstrukturieren. Bereits im 4. Quartal soll Spar die Gewinnschwelle erreichen, so lautet das ehrgeizige Ziel. Dann will Ammann das Ruder an einen neuen Vorstandschef abgeben.

Dass Ammann energisch durchgreift, ist verständlich: Denn die Spar Handels-AG wird im Geschäftsjahr 2000 "einen Fehlbetrag auf Vorjahreshöhe" erwirtschaften. Und 1999 stand immerhin ein Konzern-Geschäftsergebnis von minus 357,8 Mill. DM (183 Mill. ?) zu Buche. Konkretere Angaben zur Bilanz für das Jahr 2000 sollen am 16. Juli gemacht werden.

Im März stellte sich die finanzielle Situation noch ganz anders dar. Damals hatte Ammanns Vorgänger Fischer mehrfach öffentlich erklärt, der operative Fehlbetrag werde sich im Jahr 2000 - gegenüber 1999 - auf rund 150 Mill. DM halbieren. Einen Monat später räumte er seinen Vorstandsposten.

Erhebliche Einschnitte

Um den Konzern wieder in die Gewinnzone zu führen, will der neue Spar-Chef erhebliche Einschnitte vornehmen. Danach soll sich der achtgrößte deutsche Lebensmittelkonzern nur noch auf drei Vertriebslinien konzentrieren - den selbstständigen Einzelhandel mit seinen 3 000 Läden, für den die Spar Großhandelsfunktion übernimmt, die Discounter Netto mit 900 Märkten sowie Eurospar mit rund 400 Verbrauchermärkten. Begleitet wird diese Strategie auch von einer Neupositionierung der Vorstandsbereiche. So will Ammann künftig den Einkauf und den Vertrieb der Regie-Betriebe (Eurospar) sowie die Netto-Discounter überwachen. Zudem wird er die Logistik verantworten. Den Bereich "Selbständiger Einzelhandel" führt Thomas Weiß. Bernd Bonnet wird unverändert als Finanzvorstand fungieren.

Von den restlichen Unternehmensteilen will sich Ammann trennen oder sie neu positionieren. Dazu gehören die Non-Food-Schiene "Kodi" (120 Geschäfte), die Cash-Carry-Aktivitäten, das Geschäft an den Tankstellen sowie das Internetportal Einkauf 24. Welche Teile verkauft werden, sei aber noch nicht entschieden.

Umstellung auf das Intermarché-Konzept gestoppt

Im Zuge der Neuausrichtung hat Ammann die Umstellung der Eurospar-Märkte auf das Intermarché-Konzept der französischen Mutter zunächst gestoppt. Grund: Es soll erneut geprüft werden, ob der Umbau an allen Standorten wirklich sinnvoll ist. Bislang hat Spar rund 57 Eurospar-Märkte mit sehr unterschiedlichem Erfolg umgerüstet. Das neue Intermarché-Konzept beinhaltet die deutliche Ausweitung des Frischesortiments.

Die von Ammann geplante Radikalkur wird einen Finanzbedarf erfordern, der 500 Mill. DM übersteigt. Unklar ist noch, wie das Geld für die Umstrukturierung aufgebracht werden soll. Es sei aber vorstellbar, dass das Kapital aus einer Mischung von Gesellschafterdarlehen sowie genehmigtem Kapital stammt.

Einen Verkauf der Spar-Gruppe schloss der Vorstand auch langfristig aus. "Wir machen nicht die Braut schön, um sie zu veräußern", erklärt Ammann. Der Großaktionär ITM stehe "fest hinter seinem Engagement bei der Spar".

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