Umstellung der MSCI-Indizes
Kommentar: Reform mit schleichender Wirkung

Jetzt wird es ernst für Morgan Stanley Capital International (MSCI), den weltweit führenden Anbieter von Aktienindizes. Mit der Umstellung seiner Börsenbarometer auf den so genannten Streubesitz geht MSCI ein längst überfälliges Reformprojekt an, das die Anleger an den Aktienbörsen in den nächsten zwölf Monaten noch intensiv beschäftigen wird.

In Zukunft berechnet der Marktführer seine Indizes nur noch nach der Zahl der frei handelbaren Aktien und nicht mehr auf Basis der gesamten Marktkapitalisierung eines Unternehmens. Dass die Streubesitzmethode für mehr Gerechtigkeit sorgt und Kursverzerrungen beseitigt, ist keine Frage. Nur so lässt sich die Knappheit einer Aktie, nach der sich auch der Kurs richten sollte, korrekt abbilden. Doch das gewaltige Reformprojekt hat auch seine Schattenseiten: Bis zum endgültigen Abschluss der Umstellung Ende Mai 2002 müssen die Anleger mit Unruhe an den Weltbörsen rechnen.

An die MSCI-Marktbarometer sind Billionen von Dollar gekoppelt, mehr als an jede andere Index-Familie. Um ihre Portfolios an die reformierten Indizes anzupassen, müssen Großanleger aus aller Welt hunderte von Milliarden Dollar umschichten. Zwar werden die Investoren ihre Positionen langsam, Schritt für Schritt und auf mehrere Monate verteilt anpassen, so dass massive Kursverwerfungen nicht zu befürchten sind - schließlich hat MSCI seine Reform nicht umsonst über einen derart langen Zeitraum gestreckt. Doch völlig spurlos wird die Umstellung an den Märkten kaum vorüber gehen.

Das zeigt das Beispiel des MSCI-Konkurrenten Stoxx. Als der Anbieter der bekanntesten paneuropäischen Aktienindizes im vergangenen Jahr auf Streubesitz umstellte, war die Wirkung deutlich spürbar. Unternehmen mit einem hohen Anteil frei handelbarer Aktien schnitten im Schnitt an der Börse um 20 Prozent besser ab, als Gesellschaften mit geringem Streubesitz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%