Umstellung kostet 30 Millionen Euro
München schließt das Fenster für Microsoft

Als erste deutsche Großstadt stellt München die rund 14 000 städtischen Computer vom Microsoft-Betriebssystem Windows auf das freie Betriebssystem Linux um. Das Plenum des Stadtrats in der bayerischen Landeshauptstadt fasste am Mittwoch einen entsprechenden Grundsatzbeschluss.

HB/dpa MÜNCHEN. Der Entscheidung wird eine wichtige Signalwirkung für andere Kommunen beigemessen. Die Kosten der mehrere Jahre dauernden Umstellung werden einschließlich Personal- und Schulungskosten auf knapp 30 Millionen Euro taxiert.

Der Stadtrat begründete seinen Beschluss unter anderem mit einer größeren Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern. Man sei künftig nicht mehr gebunden, wenn ein Hersteller sage, dass man auf eine neue Variante seiner Software umstellen müsse, hieß es. Eine Entscheidung der Stadt war nötig geworden, weil Microsoft die technische Unterstützung für das bisherige in München eingesetzte System Windows NT auslaufen lässt. Microsoft warb stattdessen heftig für seine Produkte Windows XP und Microsoft Office.

Nach dem Stadtratsbeschluss soll die Verwaltung bis zum kommenden Frühjahr ein Feinkonzept für die Umstellung auf Linux sowie die Nutzung eines Office-Pakets aus dem Open-Source-Bereich - also freier und kostenloser Programme - erarbeiten. Erst danach werde es zur Auftragsvergabe kommen, hieß es. Das Konkurrenzangebot zu Microsoft stammt von den Unternehmen IBM und SuSE Linux AG.

Trotz weit reichender Rabattangebote des Computerriesen Microsoft hatten sich die Fraktionen des rot-grünen Rathausbündnisses bereits am Montag für die Umstellung ausgesprochen und damit entscheidende Weichen gestellt. Die Verwaltung der Millionenstadt schlage damit eine Bresche in die monopolartige Stellung des Marktführers Microsoft, hatte Vizechef Boris Schwartz von der Grünen - Stadtratsfraktion erklärt.

In Kreisen der Computerbranche wird darauf hingewiesen, dass derzeit viele Kommunen vor der Entscheidung stehen, welche Software als Ersatz für ältere Windows-Systeme in Frage kommt. Offenbar in Sorge um das Milliardengeschäft mit der Software für die öffentliche Verwaltung hatte Microsoft-Chef Steve Ballmer im Frühjahr eigens seinen Ski-Urlaub in der Schweiz unterbrochen und war nach München zu einem Gespräch mit Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) gereist.

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