Umstrittene Aktienoptionen des Unternehmens derzeit praktisch wertlos
Daimler-Manager brauchen langen Atem

Daimler-Chryslers leitende Mitarbeiter können eigentlich froh sein, dass die Schieflage der US-Sparte jetzt bekannt geworden ist. Denn dadurch haben sie theoretisch die Chance auf ein lukratives Geschäft - die Einlösung ihrer Aktienoptionen. Beim aktuellen Kurs wären die Optionen praktisch wertlos.

HB STUTTGART. 96 Millionen Aktien dürfen die leitenden Mitarbeiter des Daimler-Chrysler-Konzerns bis zum Jahr 2007 zu Vorzugspreisen kaufen. So jedenfalls will es das von Aktionärsschützern heftig gescholtene Mitarbeiterbeteiligungsprogramm, mit dem der deutsch-amerikanische Automobilkonzern vor allem für US-Führungskräfte attraktiver werden wollte. Das Programm hat für die Manager nur einen Haken: Bliebe der Aktienkurs auf dem Niveau von heute, wären die Aktienoptionen wertlos.

Im Frühjahr dieses Jahres hat der Aufsichtsrat des Konzerns das Beteiligungsprogramm bewilligt. Demnach dürfen nach einer Frist von zwei Jahren ab 2002 jährlich fünf Jahre lang zwischen 17,6 und 20 Mill. Aktienoptionen vom leitenden Personal ausgeübt werden. Die Ausübung der Option lohnt aber nur, wenn der Kurs des Daimler-Papiers über 74,7 Euro liegt. Denn der Konzern verlangt, dass der Ausübungspreis 20 Prozent über dem so genannten Refernenzpreis liegt. Diesen Referenzpreis bestimmt der Aufsichtsrat jedes Jahr während seiner Frühjahrstagung, es gilt dann der Tageskurs vom Vortag der Aufsichtsratssitzung. In diesem Jahr stand die Aktie auf 62,3 Euro.

Auf dem Papier ist der Umfang des Mitarbeiter-Programms gewaltig. Rund 6 500 Führungskräfte kommen in dessen Genuss, bis zu 15 % aller Optionen sind den Vorständen vorenthalten. Dies ergibt durchgerechnet pro Vorstandsmitglied rund 200 000 Optionsrechte allein bei der diesjährigen Tranche, die laut Gesetz im Frühjahr 2002 geltend gemacht werden können. Angesichts des derzeitigen Aktienkurses ist die gesetzliche Wartezeit von zwei Jahren für die Manager ein Trost. Erstens können sie die Optionen jetzt gar nicht einlösen, zweitens haben sie zehn Jahre Zeit, bis die Optionen verfallen. "Als Aktionär kann man nur hoffen, dass sich der Kurs in dieser Zeit wieder erholt hat," sagt Leonhard Knoll von der Uni Würzburg. Er ist Mitstreiter von Eckhard Wenger, einer der schärfsten Kritiker des Daimler-Optionsplans. Wenger bemängelt, dass das Programm nicht an einen Maßstab wie den Dax-Index gekoppelt ist. Aber auch wenn der Kurs so niedrig bliebe, wäre für die Manager noch nicht alles verloren. Schließlich wird 2001 ja eine weitere Tranche des Optionsplans ausgegeben. Für diese ist wiederum der Kurs am Tag vor der Tagung des Aufsichtsrates im ersten Quartal maßgeblich. Angenommen, der Kurs verharrte bei 48 Euro, so dürfte nach den Gesetzen der Börse die 20%-Hürde zwei Jahre später leichter zu nehmen sein. Dann muss der Kurs nur noch auf gut 55 Euro klettern.

Keine taktischen Spiele

Zudem kann zumindest das Top-Management dem Glück auch ein Stück weit auf die Sprünge helfen. Laut Studien sollen US-Manager gute Unternehmensnachrichten zurückgehalten und schlechte News gestreut haben, um den Aktienkurs zu drücken. Das hätten sie allerdings nur so lange getan, bis der Referenzkurs für Aktienoptionen festgelegt war. Hinterher profitierten sie von wieder steigenden Kursen. "Es gibt einen stabilen statistischen Befund, dass das in den USA gemacht wird", sagt Knoll. Eine solche gute Nachricht wäre der Restrukturierungsplan für Chrysler. Knoll glaubt allerdings nicht, dass die Daimler-Chrysler-Spitze solche taktischen Spiele im Sinn hat. "Die müssen ja gucken, dass sie überhaupt im Amt bleiben."

Der Versuch einer stärker erfolgsorientierten Vergütung bei Daimler ist bislang fehl geschlagen. Denn auch das Vorgängerprojekt der Aktienoptionen floppte: 1997 und 1998 hat die damalige Daimler-Benz Phantomaktien ausgegeben. Danach zahlt der Konzern seinen Managern einen Bonus, der allerdings wiederum einen relativ hohen Aktienkurs zur Voraussetzung hat. So erreichte die Aktie den Referenzkurs von 75 Euro für das Programm von 1997 im Jahr 1999 nur an einem einzigen Tag. Nur "sehr wenige" Manager hätten ihre Rechte eingelöst. Die meisten setzten demnach auf höhere Kurse. Das war zumindest Kurs mutig, denn das Programm von 1998, das seit diesem Sommer ausgeübt werden kann, setzt eine schier utopisch hohe Hürde: einen Daimler - Kurs von 106 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%