Umstrittene Ausschlussregeln beginnen in dieser Woche zu greifen
Neuer Markt: Penny Stocks fliegen bald raus

Der Kurszettel des Neuen Marktes wird sich schon sehr bald weiter lichten. Am Freitag war es genau 120 Handelstage her, dass die umstrittenen Ausschlussregeln für Billigst-Aktien in Kraft getreten sind.

ant FRANKFURT/M. Aktien, die seither nicht länger als 15 Tage einen Mindestkurs von 1 Euro und eine Mindestmarktkapitalisierung von 20 Mill. Euro hatten, dürften innerhalb der kommenden Wochen vom Kurszettel verschwinden. Zumindest dann, wenn die Emittenten keine rechtlichen Schritte gegen die Deutsche Börse unternommen haben. Nachdem bereits eine Reihe insolventer Firmen verbannt wurden, wird die Börse in dieser Woche die ersten Kandidaten nennen, die wegen einer zu niedrigen Bewertung das Segment verlassen müssen. Zwischen Ankündigung und Vollzug bleiben den Anlegern und Unternehmen allerdings 30 Tage Zeit, um zu reagieren.

Nach Recherchen des Handelsblatts wären rein rechnerisch 16 Titel vom Ausschluss bedroht. Eine Vielzahl von ihnen hat jedoch gegen die Pläne der Börse geklagt und auf diesem Weg zumindest eine Gnadenfrist ausgehandelt. Zum Beispiel VIZ-RT: Die israelische Technologiefirma erwirkte per Eilantrag beim Landgericht Frankfurt eine Einstweilige Verfügung, die es der Deutschen Börse untersagt, die Regeln vor dem 1. April gegen sie anzuwenden. Deshalb beginnt die Beobachtungsphase für VIZ-RT erst am Dienstag nach Ostern. In den vergangenen acht Handelstagen kletterte der Kurs allerdings über die 1-Euro-Marke, so dass die Aktie vorerst nicht mehr zu den Ausschlusskandidaten zählt.

Vor Gericht noch erfolgreicher war die Darmstädter Prout AG: Auf sie dürfen die Regeln überhaupt nicht angewendet werden, obwohl beide Kriterien der Mindestbewertung schon seit dem vergangenem Sommer nicht wieder erreicht wurden. Die Börse hat dagegen Berufung angekündigt. "Auch wenn sie Erfolg haben sollte, zählt unsere Aktie bis dahin hoffentlich nicht mehr zu den Penny Stocks", sagt Vorstandsmitglied Günter Laukhardt, der auf eine erfolgreiche Restrukturierung des Unternehmens hofft.

Andere Firmen, wie die Multimediafirma Blue C und der einst als Endemann firmierende Suchmaschinenbetreiber Abacho haben freiwillig den Wechsel in den geregelten Markt angekündigt. Abacho nutzte die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass der zum 1. April angekündigte Segmentwechsel mit jährlichen Einsparungen von 250 000 Euro einhergehe.

Wizcom, NSE Software, Letsbuyit und Infogenie scheuen dagegen offenbar weder die mit der Notierung am Neuen Markt einhergehenden Gebühren noch weitere Anwalts- und Gerichtskosten. Nachdem eine andere Kammer des Landgerichtes ihre Anträge in einer Sammelentscheidung überraschend ablehnte, wird es für sie am 9. April noch einmal spannend. Bis das Oberlandesgericht über die Berufung entscheidet, sind sie vor dem Ausschluss gefeit.

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