Umstrittene Rolle der Deutschen Bank
Kamps hofft auf höheren Preis

In der Abwehrschlacht gegen das feindliche Übernahmeangebot von Barilla will die Bäckereikette Kamps offenbar vor allem einen höheren Preis herausholen. Nach Einschätzung von Analysten und italienischen Finanzkreisen könnte der italienische Nudelkonzern seine Offerte durchaus noch einmal aufstocken.

HB FRANKFURT/M. Der Übernahmekampf um Europas größte Bäckereikette Kamps dürfte am Ende eine Frage des Preises werden. Nach Meinung von Analysten und Bankern könnte der italienische Nudelkonzern Barilla gezwungen sein, sein feindliches Angebot für Kamps noch einmal zu erhöhen, um genügend Anleger auf seine Seite zu ziehen.

Barilla schloss gestern zwar offiziell aus, die Offerte von 12 Euro je Aktie nachzubessern. Es handele sich um einen angemessenen Preis, deshalb sehe man keinen Spielraum mehr nach oben, zumal im Zuge der Übernahmespekulationen der Kamps-Kurs seit vergangenen Sommer bereits stark zugelegt habe.

Finanzkreise in Mailand halten es indes durchaus für möglich, dass Barilla sein Angebot nochmals aufstocken wird. Ein der Transaktion nahe stehender Banker sagte, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen.

Kamps hatte das Angebot, das einer Prämie von 11 % auf den Aktienkurs vom vergangenen Freitag entspricht, als zu niedrig abgelehnt. Der Bäckereikette nahe stehende Kreise halten einen Aufschlag von 25 bis 50% für gerechtfertigt. Als Gründe werden das vorhandene Synergiepotenzial von bis zu 400 Mill. Euro, die Position als Marktführer im Backbereich in Europa und die guten Ertragsaussichten genannt. Unternehmensinterne Schätzungen beziffern den Wert der Aktie auf bis zu 20 Euro. Doch im Umfeld von Kamps heißt es, dass dieser Wert nicht innerhalb von kurzer Zeit aus eigener Kraft erreicht werden könne.

Analyst Christian Bruns vom Bankhaus Sal. Oppenheim erwartet einen Übernahmepreis von bis zu 15 Euro und empfiehlt die Aktie kurzfristig zum Kauf. Auf sich allein gestellt, ohne Übernahme, seien die Kamps-Anteile allerdings nur 8 Euro wert, betont Bruns. Aus strategischer Sicht mache die Übernahme durch Barilla sehr viel Sinn. "Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass Kamps ein höheres Angebot akzeptieren wird", meint der Analyst.

Gute Chancen für ein höheres Angebot sieht auch die WestLB-Analystin Jadwiga Bobrowska. Nach ihrer Einschätzung liegt die aktuelle Offerte von Barilla noch unter dem, was im vergangenen Jahr für Übernahmen im Bäckereisektor bezahlt wurde. Bei einer großen deutschen Fondsgesellschaft heißt es, das Angebot sei bereits mit 12 Euro nicht unattraktiv. Allerdings sei es durchaus plausibel, dass die Italiener noch einmal zulegen müssten.

Aktuell hält Barilla 2,1% der Kamps-Anteile. Laut Finanzkreisen sollen befreundete Investoren weitere 7% halten, so dass die Italiener in der Summe auf rund 9% des Kapitals zählen können. Das Management und der Aufsichtsrat von Kamps kontrollieren dagegen mit befreundeten Partnern nach Angaben aus Bankkreisen bis zu 20 % der Anteile. Der Rest ist breit gestreut.

Auf der ordentlichen Hauptversammlung von Kamps am 23. April hat Vorstandschef Heiner Kamps die Möglichkeit, den Aktionären persönlich die Gründe zu erklären, warum er das Barilla-Angebot ablehnt. Konkrete Abwehrmaßnahmen kann er allerdings nicht zur Abstimmung stellen, da die Tagesordnung der Hauptversammlung bereits vor der Barilla-Offerte festgeschrieben wurde.

Eine besondere Rolle spielt bei dem Geschäft die Deutsche Bank, die Barilla als Berater zur Seite steht. Die Bank nannte noch nach Bekanntwerden der Übernahmegerüchte ein Kursziel von nur 5 Euro für das Kamps-Papier - die niedrigste Bewertung unter allen Analysten-Reports, die dem Handelsblatt vorliegen. Andere Analysten nennen Kursziele zwischen 7 und 8 Euro. Ein Sprecher der Deutschen Bank wies die Vermutung zurück, es gebe durch das Barilla-Mandat einen Interessenkonflikt. Zwischen Investment-Banking und Analyse-Abteilung gebe es eine strikte Trennung, die so genannten "Chinese Walls" seien intakt. Überdies unterscheide sich die Deutsche Bank in ihrem Urteil "Underperform" nicht von der durchschnittlichen Bewertung der Konkurrenz.

Quelle: Handelsblatt

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