Umstrittene Transaktionen sollen rückgängig gemacht werden
Bankgesellschaft Berlin steht vor Umstrukturierung

Die Bankgesellschaft will die Immobilien und Beteiligungs AG wieder zurückkaufen, hieß es nach einer Sitzung des Aufsichtsrats in Berlin. Personalien waren bei der Sitzung offenbar kein Thema.

Reuters BERLIN. Die Bankgesellschaft Berlin will die Immobilien und Beteiligungs AG (IBAG) wieder zurückkaufen. Dies teilte der Bank-Konzern am Freitagnachmittag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats in Berlin mit. "Die sich daraus ergebenden Konsequenzen werden im Jahresabschluss 2000 des Konzerns umfassend berücksichtigt werden", hieß es in der knappen Mitteilung weiter. Die Bankgesellschaft hatte ursprünglich die Immobilien- und Baumanagementgesellschaft (IBG) in die IBAG ausgliedern und mehrheitlich an Finanzinvestoren veräußern wollen. Mit dem Erlös hätten Risiken bei der IBG abgedeckt werden sollen. Bei der IBG drohten in 2000 hohe Immobilienverluste.

In Kreisen des Aufsichtsrates wurde die Sitzung als "unspektakulär beschrieben". Personalien seien kein Thema gewesen, hieß es weiter. Das Aufsichtsgremium habe die vom Vorstand angedachte Neustrukturierung des Bank-Konzerns erörtert. Über mögliche, neuerliche Wertberichtigungen könne erst gesprochen werden, wenn die Sondergutachten vorlägen. Diese seien erst im April oder Mai zu erwarten.

Derzeit werden die Immobiliengeschäfte der Bank vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) sowie zusätzlich eingeschalteten externen Wirtschaftsprüfern durchleuchtet. Noch am Donnerstag hatte BAKred-Präsident Jochen Sanio unter anderem mit Berlins Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen die Lage der Bankgesellschaft erörtert, wie aus informierten Kreisen verlautete. Das Land Berlin hält mit knapp 57 % die Mehrheit an der Bank. Bank-Chef Wolfgang Rupf hatte die Risikovorsorge für das Jahr 2000 zuletzt mit mindestens 680 Mill. Euro angegeben.

Treffen von Präsident Sanio mit Spitzen des Berliner Senats unbestätigt

Ein Sprecher des BAKred wollte das Treffen von Präsident Sanio mit den Spitzen des Berliner Senats weder bestätigen noch dementieren. Die Prüfungen dauerten aber weiter an, sagte der BAKred-Sprecher weiter, ohne auf Einzelheiten einzugehen. An dem Treffen mit Sanio nahmen nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" neben Diepgen unter anderem auch Finanzsenator Peter Kurth (CDU) und Wirtschaftssenator Branoner teil. Kurth gehört wie Branoner dem Aufsichtsrat der Bankgesellschaft an. Auch in politischen Kreisen wurde das Treffen nicht offiziell bestätigt.

Nach Angaben der Bank drohen für das Geschäftsjahr Wertberichtigungen über mindestens 680 Mill. Euro. Die Sonderprüfungen könnten weiteren Wertberichtigungsbedarf aufdecken. Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge war mit 762 Mill. Euro genannt worden. Eine Dividende, das Land Berlin hatte rund 135 Mill. Mark fest eingeplant, wird es nicht geben. Bei der zum Konzern gehörenden Landesbank Berlin (LBB) war nach Sonderprüfungen ein zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf von etwa 180 Mill. Euro aufgedeckt worden, so dass die LBB die Risikovorsorge auf rund 360 Mill. Euro verdoppeln muss.

Nach den noch Anfang Februar von Rupf vorgestellten Plänen sollten die Immobiliendienstleistungsaktivitäten der IBG in die Immobilien und Beteiligungen AG (IBAG) ausgegliedert und gemeinsam mit der US-Investmentbank J.P. Morgan in den nächsten Jahren an der Börse platziert werden. Die IBAG sollte von der Beteiligungsverwaltung für Immobilienwerte gehalten werden, an der wiederum die Bankgesellschaft 1 % und die auf den Cayman-Inseln ansässige Greico Inc 99 % besitzen sollten.

Vorwürfe eines In-sich-Geschäfts

Die von der Greico für die IBAG für den Kaufpreis und Rücklagen aufzubringenden 1,558 Mrd. Euro sollten über Schuldverschreibungen aufgebracht werden, von denen J.P. Morgan 300 Mill. Euro fest übernommen hatte. Die Bankgesellschaft wollte den Rest kreditieren, was ihr Vorwürfe eines In-sich-Geschäfts eingebracht hatte. Mit Hilfe des IBG-Verkaufs sollten für bei der IBG verbliebene Risiken die Rückstellungen um 700 Mill. auf eine Milliarde Euro erhöht werden. Welche Risiken die Bankgesellschaft jetzt noch bei der IBG/IBAG bilanzieren muss, wurde nicht mitgeteilt.

Zur neuen Struktur der Bank hatte Aufsichtsratsmitglied Branoner Anfang der Woche bereits erklärt, das Institut würde künftig klar nach den drei Säulen "Wholesale" (Kapitalmarkt- und Großkunden), "Retail" (Privat- und kleine Firmenkunden) und gewerbliches Immobiliengeschäft strukturiert. Ein solche Lösung hatte Rupf bereits Anfang Februar vor der Presse skizziert.

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