Umstrittenes Gesetz
Belgien erlaubt aktive Sterbehilfe

Nach den Niederlanden hat Belgien als zweiter Staat überhaupt aktive Sterbehilfe erlaubt.

Reuter BRÜSSEL. Das Parlament verabschiedete mit 86 zu 51 Stimmen am Donnerstagabend in Brüssel ein heftig umstrittenes Gesetz, das es Ärzten unter bestimmten Bedingungen erlaubt, ihre Patienten auf deren Wunsch zu töten. Die oppositionelle christdemokratische Partei teilte mit, sie werde die Entscheidung möglicherweise im Europäischen Gerichtshof anfechten.

Das Gesetz war auch innerhalb der Regenbogen-Koalition aus Sozialisten, Grünen und Liberalen umstritten. "Ich werde nicht für das Gesetz stimmen, weil darin auch die aktive Sterbehilfe für nicht Todkranke vorgesehen ist", hatte die Grünen-Abgeordnete Yolande Avontroodt vor der Abstimmung gesagt. Sie kritisierte zudem, dass auch psychisch Kranke unter das Gesetz fielen.

Das Gesetz gilt nur für mindestens 18 Jahre alte Patienten, die bei vollem Bewusstsein wiederholt darum bitten, getötet zu werden. Das belgische Gesetz unterscheidet zudem zwischen Todkranken und unheilbar Kranken, die noch Jahre zu leben hätten. Bei unheilbar Kranken muss noch ein dritter Arzt zu Rate gezogen werden. Jeder Fall von Sterbehilfe muss im Nachhinein einer Kommission gemeldet werden, die über das Einhalten der Bestimmungen wachen soll.

2123 Fälle in den Niederlanden

Erst Anfang April hatten die Niederlande mit einem Sterbehilfe-Gesetz eine gängige Praxis legalisiert. Für das Jahr 2000 hatte die niederländische Gesellschaft für Freiwillige Euthanasie 2123 Fälle von Sterbehilfe registriert, wobei von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird.

Der Begriff Euthanasie ist noch verbunden mit der Tötung des von den Nationalsozialisten als "unwert" eingestuften Lebens von 1939 bis 1941. Nach der Tötung von schätzungsweise 5000 missgebildeten Kindern und 100.000 geisteskranken Erwachsenen war das Euthanasie-Programm wegen Protesten der Kirchen gestoppt worden.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte zuletzt entschieden, dass die todkranke Britin Diane Pretty kein Anrecht darauf habe, sich von ihrem Mann töten zu lassen. Pretty starb Mitte Mai rund zwei Wochen nach der Entscheidung an ihrer schweren Krankheit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%