Umstrukturierung der Eurospar-Läden kostet eine halbe Milliarde Mark
Spar ringt um Finanzierung für den Konzernumbau

Die Spar Handels-AG will durch eine Neuausrichtung ihrer Hauptumsatzsparte Eurospar wieder in die Gewinnzone steuern. Doch der Großaktionär Intermarché hat immer noch nicht signalisiert, wie er das millionenschwere Investment absichern will. Eine dringende Kapitalerhöhung zögert der französische Mutterkonzern hinaus.

HAMBURG. Die Finanzierung des geplanten Konzernumbaus der Schenefelder Spar Handels-AG ist weiterhin ungewiss. Nach Informationen des Handelsblatts hat der Pariser Großaktionär ITM Intermarché immer noch nicht entschieden, wie das Kapital für die Neuausrichtung der defizitären Eurospar-Kette des fünftgrößten deutschen Lebensmittelhändlers beschafft werden soll.

Von den 350 verlustreichen Verbrauchermärkten sollen bereits im kommenden Jahr 160 Einheiten nach dem Vorbild der französischen Intermarché-Läden umgerüstet werden. Mit mehr als 3 Mrd. DM sind die Verbrauchermärkte - Märkte mit Schwerpunkt Lebensmittel bis zu 3 000 Quadratmeter Verkaufsfläche - Hauptumsatzträger des Konzerns. Das Konzept sieht vor, vermehrt Frische-Produkte sowie Eigenmarken des französischen Spar-Großaktionärs anzubieten und die Geschäfte komplett zu sanieren und zu modernisieren. Das wird allein 2001 rund 250 Mill. DM kosten.

Wo aber soll das Geld für den Umbau herkommen? Der Spar-Vorstandsvorsitzende Arwed Fischer ist für eine Stellungnahme nicht erreichbar, und die Firmensprecherin hält sich bedeckt: "Der Finanzbedarf ist mit unserem Großaktionär Intermarché abgestimmt. Zu den Details kann ich keine Abgaben machen." Bereits Ende Juni hatte der Spar-Chef erklärt, dass sich das Unternehmen auf allen Ebenen um die Geldbeschaffung bemühe.

Wie das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, arbeitet der Spar- Vorstandschef unter Hochdruck an dem Plan für eine Kapitalerhöhung. Sie soll aber ausschließlich von dem Spar-Mehrheitsaktionär ITM Intermarché gezeichnet werden, denn an der Börse könne die Schenefelder Handelsgruppe in ihrer gegenwärtigen Sanierungsphase das Geld nicht beschaffen. Auch sei das Börsenklima zu schlecht, um konzernfremde Investoren für den angeschlagenen Lebensmittelriesen zu begeistern, Spar hat für 1999 einen Fehlbetrag von mehr als 200 Mill. DM ausgewiesen. Doch ITM Intermarché zögere immer noch, der Kapitalaufstockung zuzustimmen. Der französische Mehrheitsaktionär prüfe derzeit Alternativen. "Eine Kapitalerhöhung ist im Moment kein Thema", betont die Spar-Sprecherin.

Bankverbindlichkeiten sollen mehr als eine Milliarde Mark betragen

Sollte ITM Intermarché nicht bald Geld nachschießen, gerät Spar möglicherweise in eine Liquiditätsklemme. Denn der Konzern verfügt über hohe Bankverbindlichkeiten, die sich nach Informationen aus Bankenkreisen bereits auf mehr als 1 Mrd. DM auftürmen. Ursache für die hohe Verschuldung sind erhebliche Fehlinvestitionen in der Vergangenheit. Dazu gehört vor allem die Übernahme der Pro-Märkte. Deren Integration in den Konzern führte dazu, dass von 150 erworbenen Pro-Märkten nur ein Drittel übrig blieb. Doch diese Radikalkur verschlang erhebliche Finanzmittel. Die Spar Handels-AG konnte sie nur teilweise durch den Verkauf 74 großer SB-Warenhäusern der Interspar-Gruppe an den US-Handelsriesen Wal-Mart aufbringen.

Belastend ist für Spar neben der hohen Zinslast aus der Bankverschuldung der Preiskrieg im Lebensmittelhandel. Der Handelsriese hatte erst Ende August 250 Markenartikel ausgelistet, weil er sich mit deren Herstellern nicht über die Einkaufskonditionen einigen konnte.

Dass ITM Intermarché immer noch nicht über die notwendigen Kapitalmaßnahmen entschieden hat, wird in Branchenkreisen mit der Höhe des Finanzbedarfs begründet. Denn Spar- Chef Fischer will zwei Probleme auf einmal lösen: Er will durch eine einmalige Kapitalerhöhung nicht nur den Investitionsbedarf für den gesamten Eurospar-Umbau decken, sondern auch noch die Bankverschuldung abbauen.

Handelsgruppe steht vor einem Scheideweg

Auch für die Wertpapieranalysten ist unklar, wie die anstehende Umstrukturierung der Eurospar-Märkte finanziert werden soll. "Die Frage der Kapitalbeschaffung für den Eurospar-Umbau steht schon lange im Raum", sagt Jörg Christians, Analyst der WGZ - Bank. Für Nikolai Baltruschat, Analyst bei der Deutschen Bank, steht die Handelsgruppe am Scheideweg. Es komme darauf an, welche langfristigen Perspektiven Intermarché dem Konzern einräume.

Der Analyst geht davon aus, dass Spar frühestens 2003 operativ wieder Gewinne schreibt. Spar-Chef Fischer hat hingegen bisher immer erklärt, dass die Gewinnschwelle bereits 2001 erreicht werde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%