Umstrukturierung der Schulden noch vor Jahresende
Geldspritzen lösen Pakistans Probleme nicht

Seit Pakistan zur Anti-Terror-Allianz gehört, wird das hoch verschuldete Land mit Hilfszusagen überschüttet. Pakistanische Banker sehen jedoch keine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.

kri DÜSSELDORF. Auch wenn pakistanische Politiker wie Finanzminister Aziz den Zusammenhang zwischen Anti-Terror-Allianz und wirtschaftlicher Unterstützung stets von sich weisen, sind die Fakten eindeutig: Seit Präsident Pervez Musharraf dem Drängen der USA nachgab und die Unterstützung für den Krieg gegen den Terrorismus zugesagt hat, ist die Lage des muslimischen Nachbarlandes von Afghanistan schlagartig besser geworden.

Zusagen kommen von allen Seiten. US-Präsident George Bush hat am Wochenende zum zweiten Mal Sanktionen gegen Pakistan aufgehoben und Wirtschafts- und Finanzhilfen in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar zugesagt. Schon im September hatten die USA die nach dem Atomtests in Pakistan und Indien 1998 verhängten Sanktionen gelockert. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am Sonntag bei seinem Besuch in Islamabad ab sofort wieder staatliche Hermes-Bürgschaften für die Ausfuhr bis zu einer Höhe von 100 Millionen Mark zu. Die japanische Regierung, mit 5 Mrd. Dollar der größte Gläubiger Pakistans, denkt ebenfalls über eine Aufhebung der Sanktionen nach.

Pakistan ist hoch verschuldet. Die Auslandsschulden betragen 38 Mrd. Dollar, die Verschuldung beträgt damit mehr als 50 Prozent des Bruttosozialprodukts. Nach Japan sind die USA mit 3 Mrd. Dollar, Deutschland und Frankreich mit je einer Mrd. Dollar die größten Gläubigerstaaten.

Aus Berlin hieß es gestern, zur Zeit laufe unter den Mitgliedern des Pariser Clubs eine Umfrage bei den Gläubigerstaaten, und noch vor Jahresende könne es zu einer Umstrukturierung der Schulden kommen, um Pakistan sofort eine Entlastung zu gewähren. Deutschland rechnet jedoch nicht mit einem Schuldenerlass, sondern mit einer "smarten Lösung", und auch Pakistan wäre mit einer langfristigen Restrukturierung zufrieden. Ein Schuldenerlass würde sich negativ auf die Kreditwürdigkeit auswirken.

Parallel dazu stehen die pakistanischen Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über die dritte Tranche eines Kredits in Höhe von 131 Mill. Dollar kurz vor dem Abschluss. "Äußerst zufrieden" mit dem Fortschritt der makroökonomischen Politik und den Strukturreformen zeigte sich IWF-Direktor Thomas C. Dawson nach einem Gespräch mit einer pakistanischen Delegation vor wenigen Tagen in Washington.

Notenbank zeichnet düsteres Bild für die Zukunft

Unmittelbare Resultate der Hilfsbemühungen der Gläubigerstaaten sind zu erkennen: Die pakistanische Rupie stieg gestern sofort, nachdem die Ratingagentur Moody?s das Land mit Blick auf die zu erwartenden Schuldenerleichterungen heraufgestuft hatte.

Doch aus Islamabad kommen ganz andere Töne. Die Notenbank warnt in ihrem soeben veröffentlichten Jahresbericht nicht nur vor einem geringeren Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, sondern zeichnet insgesamt ein düsteres Bild für die Zukunft. So sei die Nachfrage nach pakistanischen Exporten in die EU und in die USA, die 55 % der Ausfuhren ausmachten, eingebrochen.

"Pakistans Entscheidung, die Koalition gegen Afghanistan zu unterstützen, hat die Anfälligkeit des Landes für zusätzliche Kosten und Risiken signifikant erhöht", heißt es in dem Bericht. Erst mittel- und langfristig könne sich die Situation verbessern, wenn "die Law-and-Order-Situation im Land unter Kontrolle bleibt und die aktuellen Störungen des Wirtschaftslebens minimiert werden."

Ein Kolumnist der in Lahore erscheinenden unabhängigen "Friday Times" macht mit ironischem Unterton eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf: "Wir sind im Kriegsgebiet. Wer fährt schon in unsere Häfen oder landet auf unseren Flughäfen, wenn See und Himmel voller Kriegsschiffe und Flugzeuge sind?" Export, Auslandsinvestitionen und der Konsum in Pakistan seien hart betroffen, Privatisierungen verzögerten sich und Staatseinkünfte blieben aus. Allein beim Export sei mit einem Verlust von mehr als 1,23 Mrd. Dollar auszugehen. "Hätten wir uns allerdings nicht der Anti-Terror-Koalition angeschlossen, wären unsere Verluste 20mal höher gewesen."

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