Umstrukturierung und hohe Investitionen sollen starkes Wachstum ermöglichen
Lukoil hat noch Aufholpotenzial

Es scheint paradox: Bange blickt die westliche Welt auf den Ölpreis, der peu à peu wieder nach oben klettert. Gleichzeitig aber warnt die größte russische Ölgesellschaft Lukoil vor einem Gewinnrückgang um bis zu 25 Prozent. Begründung: der fallende Rohölpreis.

DÜSSELDORF. Die Erklärung ist relativ einfach. Zwar hat sich Rohöl angesichts der unverändert unklaren Lage im Irak in den letzten Tagen wieder verteuert. Vor allem die gemeinsame Erklärung Russlands und der USA, verbunden mit einer Warnung an den Irak, hat die Kriegsspekulationen am Markt verschärft. Doch langfristig rechnet Lukoil mit einem Rückgang der Rohölnotierungen. Daher der pessimistische Ausblick des Unternehmens.

Aber Anleger sollten bei der Bewertung von Lukoil nicht nur auf den Ölpreis achten. Denn derzeit läuft bei dem Unternehmen längst nicht alles wie geschmiert. Zwar ist Lukoil noch immer die Nummer eins in der russischen Ölbranche, gerät aber beispielsweise durch seinen Konkurrenten Yukos immer stärker unter Druck. Trotz geringerer Umsätze hat Yukos schon im vergangenen Jahr mit 3,2 Mrd. $ einen deutlich höheren Gewinn erwirtschaftet als Lukoil (2,1 Mrd. $). Auch hier ist die Erklärung wieder relativ einfach. Denn Yukos hat seine Hausaufgaben bereits gemacht. Dazu zählen umfassende Restrukturierungen, die Senkung der Produktionskosten und Effizienzsteigerungen. Dies haben auch die Anleger erkannt. Bislang hatte Yukos daher gegenüber Lukoil auch an der Moskauer Börse die Nase weit vorn, obwohl Analysten das Lukoil-Papier mehrheitlich zum Kauf empfehlen.

Doch insgesamt sollten sich Anleger von der Lukoil-Gewinnwarnung und vom Erstarken des Konkurrenten nicht abschrecken lassen. Der russische Ölgigant gelobt Besserung und hat bereits erste Schritte unternommen. So konnte Lukoil durch ein radikales Kostensenkungs- und Modernisierungsprogramm bereits im zweiten Quartal dieses Jahres die Förderkosten pro Barrel (159 Liter) auf knapp 3 $ senken. Im internationalen Vergleich ist dies laut Goldman Sachs schon heute ein wettbewerbsfähiges Niveau. Und es besteht noch weiteres Aufholpotenzial; andere russische Gesellschaften wie beispielsweise Sibneft fördern mit Kosten von nur 1,7 $. Die Analysten von Goldman Sachs zweifeln daher nicht daran, dass Lukoil weitere Anstrengungen zur Restrukturierung machen wird.

Mitentscheidend für die weitere Zukunft der russischen Ölgesellschaft ist die Entwicklung im Irak. Lukoil hat 4 Mrd. $ in das irakische West-Qurna-Ölfeld investiert und hofft auf Einnahmen von 20 Mrd. $. Dabei verfügt Lukoil schon heute über die größten gesicherten Rohölreserven unter allen börsennotierten Ölkonzernen weltweit. Mit fast 15 Mrd. Barrel liegen die Reserven höher als beispielsweise bei Exxon Mobil, der nur auf 11,5 Mrd. Barrel kommt.

Gelegentlich wird Lukoil noch als ein Emerging-Market-Unternehmen angesehen. Doch über dieses Stadium ist Russlands führender Erdölförderer schon weit hinaus. Bis in die USA reichen die Tentakel des Ölriesen. Dort hatte Lukoil das Getty-Tankstellennetz erworben. Die USA fest im Visier, will das Unternehmen zudem einen Exporthafen im Nordwesten Russlands bauen. Von dort sollen Großtanker das Öl nach Übersee verschiffen. Davon könnten laut Goldman Sachs mittelfristig (2006 bis 2007) vor allem die Timan-Pechora-Felder profitieren.

Außerdem hat Lukoil bereits angekündigt, dass die Ölfördermenge im kommenden Jahr auf 1,7 (2002: 1,6) Mill. Barrel erhöht werden soll. Bisher entfällt auf den Branchenprimus rund ein Fünftel der gesamten russischen Förderung. Das Raffinerie-Volumen soll bis 2003 von 832 000 Barrel täglich auf 888 000 Barrel steigen. Erst gestern hat das Unternehmen Investitionen in Millionenhöhe angekündigt, um den Ausbau des Bereichs noch vor 2006 zu erreichen. Für zusätzliche Phantasie in der Aktie sorgt die Privatisierungsauktion des russischen Staates. Lukoil soll bereits Interesse an Aktien des staatlichen Ölkonzerns Slavneft signalisiert haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%