UMTS-Auktion
Kommentar: Teure Vielfalt beim Mobilfunk

Die UMTS-Mobilfunklizenzen sind wertvoll. Wie wertvoll sie sind, hätte außer den Lizenznehmern wohl nie jemand erfahren, hätte es die Auktionen in Deutschland und Großbritannien nicht gegeben. Nachdem nun in Mainz zum zweiten Mal gewaltige Milliardensummen geboten worden sind, gilt die Einschätzung der britischen Auktion nicht mehr: dass die Mobilfunkunternehmen bereits dort ihre eigenen Grenzen überschritten hätten und sich folglich kurz danach nicht noch einmal in einen Bieterrausch treiben lassen würden. Doch die Unternehmen haben offenbar Geschäftsmodelle entwickelt, die auch Lizenzpreise im Wert mittlerer Dax-Unternehmen rechtfertigen. Die Auktionen haben jedenfalls ihre je eigene Dynamik entwickelt. Dass in den Niederlanden nur eine enttäuschend niedrige Summe erlöst wurde, lag dort zum Teil am ungeschickten Auktionsdesign; und am eingeschränkten Bieterkreis. Der Außenseiter Versatel konnte es nach menschlichem Ermessen einfach nicht schaffen, gegen die anderen fünf Bieter durchzuhalten.

Die deutsche Auktion war zuletzt davon geprägt, dass die etablierten Mobilfunkbetreiber die übrigen UMTS-Interessenten viel zu lange unterschätzt haben. Dass Debitel dem Schwächling Versatel in Holland gleiche - dieses Kalkül ging zwar noch auf. Unterschätzt wurde dann aber schon das Telefónica-Konsortium. Da Telefónica in Großbritannien bei zwölf Milliarden DM ausgestiegen war, galten die Spanier lange als der nächste Ausstiegskandidat. Diese Einschätzung hat Milliarden gekostet. Hätten sich T-Mobil und D2 bereits am Montag mit einer kleinen Lizenz zufrieden gegeben - die Auktion hätte bei 70 Milliarden Mark geendet. Und doch spricht es für die Manager der D-Netz-Betreiber, dass sie ihre anfängliche Fehleinschätzung korrigiert haben, anstatt alle Bieter in unerträgliche Höhen zu treiben.

Mit sechs UMTS-Netzbetreibern wird in Deutschland der europaweit härteste Wettbewerb im gerade entstehenden Markt für mobile Datendienste entstehen. Darüber freuen sollten sich vor allem die Verbraucher: Sie können eine Vielfalt konkurrierender Angebote zu fairen Preisen erwarten. Ein Triumph ist das Ergebnis auch für Auktionator Klaus-Dieter Scheurle. Er holte auf vergleichbarer Basis knapp das gleiche Ergebnis für die Staatskasse heraus wie sein britischer Kollege. Und er kann darauf verweisen, dass sein Auktionsmodell, das am stärksten auf den Wettbewerb der Bieter setzte, am Ende das verbraucherfreundlichste Ergebnis bringen wird.

Ob allerdings das Wettbewerbsszenario so aufgeht, wie Scheurle es gestern verkündete, steht unter einem erheblichen Vorbehalt: Schaffen es wirklich alle sechs Lizenznehmer, in diesem Markt zu bestehen? Die erste Bewährungsprobe kommt bereits beim Netzaufbau auf die Unternehmen zu. Wer zuerst einen wasserdichten Lieferantenvertrag für die Netztechnik aushandelt, der gewinnt einen Vorsprung vor allen anderen. Da fast gleichzeitig europaweit 60 UMTS-Mobilfunknetze in den Aufbau gehen, ist schon jetzt allen Beteiligten klar: Bei den Lieferanten wird es zu Kapazitätsengpässen kommen. Sie können sich aussuchen, welche Netze sie in welcher Reihenfolge bauen wollen.

Eine gute Ausgangslage haben dabei die beiden Marktführer D2 und T-Mobil. Wegen ihrer großen Kundenbasis sind sie für Netzausrüster wie Ericsson und Nokia besonders attraktiv, hier winken die besten Geschäfte. In Großbritannien bereitet diese Macht der Größe bereits der Telekom-Tochter One-2-One Kopfschmerzen. Sie hat bisher ihr Netz von Ericsson bauen lassen. Ericsson baut nun aber das Netz für den britischen Platzhirsch Vodafone.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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